Baby schläft ohne Kissen und Decke auf dem Rücken im Babybett

Plötzlicher Kindstod: Prävention statt Panik

Der plötzliche Kindstod (Sudden Infant Death Syndrome – kurz SIDS) bereitet Neu-Eltern immer wieder Sorgen. Noch immer kann die Ursache, warum ein Baby im Schlaf plötzlich aufhört zu atmen, nicht eindeutig geklärt werden. Aber ihr könnt dennoch einige leicht umsetzbare Dinge beachten, um das Risiko des plötzlichen Kindstodes zu minimieren.

Nach jahrzehntelanger Forschung lässt sich der plötzliche Kindstod zwar immer noch nicht komplett verhindern, durch mehr Aufklärung über die Risikofaktoren versterben Babys in Deutschland aber immer seltener daran. So sank die Zahl der Fälle in Deutschland von 1.285 im Jahr 1991 auf 107 im Jahr 2019. (Quelle: Statista) Und dennoch zählt er zu den häufigsten Todesursachen bei Säuglingen.

Was heißt Plötzlicher Kindstod?

Der plötzliche Kindstod bezeichnet das unerwartete Versterben eines Babys vor seinem 365. Lebenstag. Meist versterben Säuglinge – Jungs häufiger als Mädchen – zwischen dem vierten und sechsten Lebensmonat nachts im Schlaf.

Risikofaktoren

Vorgegebene Risikofaktoren

  • Jungen gefährdeter als Mädchen
  • Frühgeburten und unterernährte Babys
  • Zwillingsstatus
  • Erstgeborene gefährdeter als jüngere Geschwister
  • Anfällige Babys, die bereits im Vorfeld ein lebensbedrohliches Ereignis/eine Krankheit durchgemacht haben.

In den kälteren Monaten zeigt sich zudem eine höhere Zahl von Fällen als in den warmen Monaten. Das liegt allerdings nicht an den äußeren Temperaturen, sondern wahrscheinlich daran, dass Kinder in den kalten Monaten oft trockener Heizungsluft ausgesetzt sind und sie durch zu warme Bettdecken und Schlafkleidung eher überhitzen und ersticken können als in der wärmeren Jahreszeit. Hier gilt vor allem Vorsicht, wenn in der kalten Jahreszeit die Außentemperatur plötzlich ansteigt und ihr euer Baby zu warm eingepackt habt. Zudem ist in den kühlen Monaten auch die Infektanfälligkeit höher.

Sozioökonomische Risikofaktoren

  • Mütter ohne Partner*in
  • sehr junge Mütter
  • Kinderreichtum
  • niedriges verfügbares Einkommen
  • schlechte Wohnverhältnisse
  • Arbeitslosigkeit

Diese Faktoren haben sich in jahrelangen Untersuchungs- und Präventionsstudien gezeigt. Für uns alle ein Grund, noch ein wenig wachsamer gegenüber zu Eltern sein, die möglicherweise mehr Unterstützung und Aufklärung benötigen als andere Eltern. Ganz wichtig ist hier der Aspekt, dass die mütterliche Bildung wichtiger für den Schutz des Kindes ist als die finanziellen Faktoren. Diese stehen allgemein für ein höheres Risiko von diversen Gesundheitsstörungen und nicht spezifisch für den plötzlichen Kindstod.

Veränderbare Risikofaktoren

Schlafen in Bauchlage

Dass der Säuglingstod allein zwischen 1990 und 2010 um 84 Prozent gesunken ist, liegt vor allem an einem der Hauptrisikofaktoren: dem Schlafen in Bauchlage, das Anfang der 1990er-Jahre noch eine beliebte Schlafposition der Eltern für Säuglinge war und seit den 1970er-Jahren von Ärzten hoch angepriesen wurde. Nachdem die Bauchlage weltweit als Hauptfaktor des plötzlichen Kindstodes proklamiert wurde, ging auch weltweit die Sterberate zurück.

Legt euer Kind stattdessen zum Schlafen immer in Rückenlage und nutzt dafür einen Schlafsack und verzichtet auf Kopfkissen und Decke. So verhindert ihr nicht nur, dass sich euer Baby auf den Bauch dreht, sondern beugt auch einer Überhitzung und dem Ersticken vor. Natürlich darf und soll euer Baby in Wachphasen auch mal in Bauchlage liegen, um weitere motorische Fähigkeiten wie das Krabbeln zu erlernen.

 

Weitere Risikofaktoren, die Eltern vermeiden sollten

  • Liegen in Seitenlage
  • zu warmer Schlafraum (ideal ist eine Zimmertemperatur von 18 Grad Celsius)
  • Kopfkissen, Bettdecken, lose Bettlaken, Kuscheltiere, Kuscheltücher und Ähnliches
  • zu weiche Matratze
  • frühzeitiger Verzicht auf Stillen
  • Rauchen
  • Verzicht auf Schnuller
  • Schlafen außerhalb des Elternschlafzimmers
  • Drogen- oder Alkoholabhängigkeit bei den Eltern

Schlafen im Elternbett

Eine amerikanische Untersuchung, die 2019 im Fachmagazin Pediatrics veröffentlicht wurde, zeigt, dass ein weiterer Hauptrisikofaktor das Schlafen im Elternbett ist, da es das Risiko des Erstickungstodes bei Säuglingen erhöht. Für die Studie wurden 1812 Säuglingstodesfälle zwischen 2011 und 2014 untersucht. 250 der Kinder erstickten und schliefen zum Großteil im Familienbett. Die Gründe durch die bereits genannten Risikofaktoren liegen auf der Hand: So haben 82 Prozent der Babys im Elternbett auf dem Bauch und auf einer zu weichen Matratze geschlafen, 71 Prozent der Babys erstickten, weil ihr Kopf unter einem Kopfkissen oder unter einer Decke lag. Ein weiteres Risiko können die Eltern oder Geschwisterkinder darstellen. Im Schlaf könnt ihr eure Bewegungen leider nicht kontrollieren und so kann es passieren, dass ihr euch aus Versehen auf euer Baby legt oder es gegen eine Wand drückt, es mit dem Köpfchen zwischen die Matratze rutscht usw.. Raucht ihr zudem, steigt das Risiko für SIDS nochmals.

Am sichersten schläft euer Baby, wenn ihr Nichtraucher*innen seid und es im Elternschlafzimmer in einem eigenen Babybett, auf einer festen Matratze, im Schlafsack auf dem Rücken und ohne zusätzliche Kissen und Decken schlafen lasst.

Der Großteil der Informationen wurde uns freundlicherweise von Prof. Dr. Jorch, Direktor der Universitätskinderklinik Magdeburg, zur Verfügung gestellt und stammt aus seinem Beitrag "Prävention des plötzlichen Kindstodes".