Vater hält Augen geschlossen und streicht mit Nasenrücken über den Arm seines Babys

Postpartale Depression: Auch Väter sind betroffen

Dass Mütter vom Baby Blues oder einer postpartalen Depression (PPD) – auch Wochenbettdepression oder postnatale Depression (PND) genannt – betroffen sein können, ist bekannt. Doch auch Väter können während der Schwangerschaft oder nach der Geburt von der neuen Lebenssituation überfordert sein. Lest hier, warum und wie ihr eine postpartale Depression bei Vätern erkennt.

Zwischen zehn und 15 Prozent der Mütter entwickeln in den ersten vier Wochen nach der Geburt eine postpartale Depression. Expert*innen und Studien zeigen zudem auf, dass nicht "nur" Frauen nach der Geburt unter negativen Gefühlen leiden können. Besonders Männer, deren Partnerin an einer Wochenbettdepression erkrankt ist, können sie ebenfalls entwickeln. 

PPD bei Müttern

Stimmungs-Schwankungen sind nach der Entbindung vollkommen normal. Halten sie nur wenige Tage an, spricht man vom sogenannten Baby Blues. Hält die Depression dagegen mehrere Monate an, kann es sich um eine postnatale Depression (PND) beziehungsweise postpartale Depression (PPD) handeln.

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Postpartale Depression bei Vätern

So kam 2010 bei einer US-Metastudie (die sich aus 43 internationalen Studien zusammensetzt) heraus, dass unter den 28.004 Väter-Probanden rund zehn Prozent bereits während der Schwangerschaft ihrer Partnerin und bis zum Ende des ersten Lebensjahres des Kindes an einer Depression litten. Damit ist der Anteil doppelt so hoch wie bei der restlichen männlichen Bevölkerung. Der Großteil der Väter hatte zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat des Kindes seinen psychischen Tiefpunkt und somit erst dann, wenn sich der emotionale Zustand der Partnerin meist wieder stabilisiert hat.

Zudem sei laut Expert*innen das Risiko für PPD auch bei Vätern von Frühgeborenen bei einem gleichzeitig steigenden Stresslevel um das Drei- bis Fünffache höher.

Eine weitere Studie, die die Effekte der Corona-Pandemie und des Lockdowns auf junge Eltern untersucht hat, zeigt außerdem auf, dass gerade Mütter häufiger eine Depression entwickelten und Väter deutlich mehr gestresst waren.

Was sind mögliche Ursachen für PND bei Vätern?

  • Eine Depression, die bereits vor der Geburt des Kindes bestand.
  • Die Partnerin leidet unter einer postpartalen Depression.
  • Frühgeburt bei bei gleichzeitig steigendem Stresslevel
  • Hormonschwankungen, unter denen auch (werdende) Väter leiden können.
  • Vater fühlt sich (beispielsweise durchs Stillen und Berufstätigkeit) ausgegrenzt.
  • Überforderung
  • Zu hohe Erwartungen an sich selbst (Dreifachrolle: Ernährer, Vater, Partner).
  • Hoher finanzieller Druck (vor allem bei niedrigem Einkommen).
  • Schlafmangel
  • Freundschaften und Hobbys bleiben auf der Strecke.
  • Corona-Pandemie/Lockdown

PPD-Symptome kommen schleichend

Die Symptome einer Depression sind vielfältig und schleichen sich häufig unbemerkt ins Gemüt. Ob ihr nun Symptome bei euch selbst oder bei euren Partner*innen wahrnehmt – kehrt sie nicht unter den Teppich und beobachtet, ob diese über mehrere Wochen anhalten. Gefährlich ist dabei häufig die Scham, die Väter sowie Mütter empfinden, wenn sie sich eingestehen müssen, dass sie ihre neue Elternrolle (noch) nicht annehmen, geschweige denn genießen können.

Folgende Symptome können auf eine PPD hindeuten:

  • Antriebslosigkeit, wenig bis keine Glücksgefühle
  • Erschöpfung (Schlafmangel, Konzentrationsstörungen etc.)
  • Rückzug vom Kind und von der Partnerin.
  • Verdrängung negativer Gedanken/Gefühle: Männer verdrängen eher als Frauen, da ihnen oft Rollenvorbilder fehlen, die offen über ihre Emotionen sprechen.
  • hohes Aggressionspotential
  • Dauerhaft schlechtes Gewissen, Frau und Kind alleine lassen zu müssen.
  • Keine Lust auf Intimitäten mit Partnerin.
  • Flucht in die Arbeit, Freunde und Hobbys sind wichtiger als die Familie sowie Affären.
  • Appetitlosigkeit
  • Suizidgedanken/Suizid - Männer begehen häufiger Suizid als Frauen.

Erste Schritte aus der Krise bei PPD

  1. Ihr kennt euch selbst am besten: Horcht regelmäßig in euch hinein und verdrängt negative Emotionen nicht, sondern nehmt sie an und tut sie nicht als Jammerei ab.
  2. Vertraut euch jemandem an. Wenn ihr es mit euren Partner*innen noch nicht besprechen könnt, lasst es eine*n Freund*in oder eure* Haus*ärztin wissen.
  3. Werdet euch bewusst über mögliche Ursachen. Leidet ihr zum Beispiel stark darunter, dass ihr eure Familie (aus beruflichen Gründen) kaum seht, hilft es, gemeinsam mit der Partnerin eure Familienrituale umzugestalten. Bittet darum, dass ihr in der Zeit, in der ihr bei euren Liebsten seid, stärker eingebunden werdet.
  4. Schuldzuweisungen, egal von welcher Seite, nützen weder Vater noch Mutter. Umso wichtiger ist es, dass ihr euch regelmäßig einander anvertraut und vor allem in einer so intensiven Zeit wie nach der Geburt offen über eure Gefühle und Wünsche sprecht.
  5. Halten depressive Symptome über mehrere Wochen an, ist es ratsam, dass ihr euch psychiatrisch-psychotherapeutische Unterstützung sucht.

Seelische Gesundheit

Psychische Erkrankungen wie Ängste, Depressionen oder Zwänge belasten die Lebensqualität enorm. Die Ausprägungen sind dabei je nach persönlicher Situation und Krankheitsbild sehr verschieden und erfordern individuelle Lösungen. Die BIG unterstützt euch mit verschiedenen Therapiemöglichkeiten.

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Kuren unterstützen den Gesundungsprozess. Die BIG bietet Müttern oder Vätern mit ihren Kindern die Möglichkeit, sich bei einer Vorsorge- oder Rehabilitationskur zu erholen bzw. zu genesen.

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