Was Studien sagen: Wie wirken Verhütungspflaster und Vaginalring im Vergleich zur Antibabypille?

Das Verhütungspflaster, der Vaginalring und die Antibabypille sind ähnlich sichere Verhütungsmittel. Das Pflaster führt allerdings häufiger zu Nebenwirkungen als die beiden anderen hormonellen Präparate.

In vielen Ländern ist die Antibabypille (umgangssprachlich einfach „Pille“ genannt) das am häufigsten eingesetzte Verhütungsmittel. Neuere hormonelle Methoden wie das Verhütungspflaster und der Vaginalring sind weniger bekannt und werden auch weniger genutzt.

Verhütungspflaster, Vaginalring und Antibabypille wirken auf ähnliche Weise. Sie unterscheiden sich nur in der Art, wie sie die Hormone abgeben. Alle drei Verhütungsmittel enthalten Hormone, die den Eisprung der Frau unterdrücken. Bei einem Eisprung setzen die Eierstöcke eine gereifte Eizelle frei. Unterbleibt dies, ist eine Schwangerschaft nicht möglich.

Ein Vorteil von Ring und Pflaster ist, dass man nicht jeden Tag an die Anwendung denken muss. Bei der Pille passiert es vielen Frauen immer wieder, dass sie die Einnahme einen oder mehrere Tage vergessen, was den Verhütungsschutz herabsetzt. An das Wechseln von Ring oder Pflaster muss eine Frau dagegen nur ein- oder dreimal im Monat denken.

Im Gegensatz zum Kondom kann jedoch keine der hormonellen Verhütungsmethoden vor sexuell übertragbaren Infektionen wie zum Beispiel Chlamydien, Tripper oder HIV schützen.

Alle drei Methoden verhüten Schwangerschaften ähnlich effektiv

Eine Wissenschaftlergruppe der Cochrane Collaboration hat Studien ausgewertet, in denen die beiden neueren Methoden mit der Antibabypille verglichen wurden. Die Cochrane-Forschungsgruppe untersuchte nur Pillen auf Basis einer Kombination aus Östrogen und Gestagen. Daten zur seltener eingenommenen Minipille, die nur Gestagen enthält, wurden nicht ausgewertet. Sie fand 18 Studien mit über 9200 Teilnehmerinnen. Sechs Studien verglichen das Pflaster mit der Pille, zwölf den Vaginalring mit der Pille.

Es zeigte sich, dass alle drei Verhütungsmethoden ähnlich sicher sind. Egal ob Pille, Pflaster oder Vaginalring – pro Zyklus wurde etwa eine von 1000 Frauen schwanger. Im alltäglichen Dauergebrauch könnte die Schwangerschaftsrate allerdings höher sein, weil Frauen ihre Verhütungsmittel unter Studienbedingungen höchstwahrscheinlich gewissenhafter anwenden. Wenn eine Frau außerhalb der Anwendungspause (die Zeit, in der die Regelblutung einsetzt) ihr Pflaster, ihren Ring oder ihre Pille mehrere Stunden oder Tage lang nicht anwendet, kann sie schwanger werden.

Pflaster und Pille im Vergleich

Frauen, die Verhütungspflaster nutzten, brachen die Anwendung aufgrund von Nebenwirkungen häufiger ab als Frauen, die die Pille nahmen. Wie viele Frauen das Verhütungspflaster vor Ende der Studie entfernten, hing auch von der im Pflaster enthaltenen Wirkstoffdosis ab. Insgesamt gesehen traten im Vergleich zur Pille bei Pflastern häufiger Probleme wie Spannungsgefühle in den Brüsten, Menstruationsbeschwerden und Übelkeit auf.

Auf der anderen Seite verhüteten die Frauen, die das Pflaster nutzten, etwas konsequenter als die Frauen, die die Pille nahmen. Letztere vergaßen die Einnahme häufig an einem oder mehreren Tagen, während die Pflaster durchgängiger getragen wurden.

In den Jahren 2007 und 2008 haben die Zulassungsbehörden in Europa (EMA) und den USA (FDA) darauf hingewiesen, dass es beim Einsatz des Verhütungspflasters häufiger zur Bildung von Blutgerinnseln in den Beinvenen kommen könnte (venöser Thromboembolie).

Vaginalring und Pille im Vergleich

Bei Frauen, die Vaginalringe einsetzten, zeigten sich insgesamt weniger Nebenwirkungen wie Übelkeit, Reizbarkeit und Depressionen als bei denen, die die Pille nahmen. Allerdings führte der Vaginalring häufiger zu Scheidenentzündungen (Vaginitis) als die Pille.

Vor- und Nachteile abwägen

Alle drei Verhütungsmethoden bieten bei kontinuierlicher Anwendung einen ähnlich wirksamen Schutz vor Schwangerschaften. Welche Methode eine Frau wählt, kann entscheidend davon abhängen, wie gut sie sie verträgt und wie sie mögliche Nebenwirkungen empfindet. Eine Rolle spielt auch die Handhabung des Verhütungsmittels: Ist es ein Problem für sie, täglich eine Pille zu nehmen? Stört es sie, über mehrere Wochen ein Pflaster am Körper zu tragen? Spürt sie oder ihr Partner den Vaginalring beim Geschlechtsverkehr? Jede Frau muss herausfinden, was für sie am wichtigsten und verträglichsten ist.

Alle drei Methoden können noch andere als die bereits erwähnten Nebenwirkungen haben: So kann es manchmal zu Zwischenblutungen und Ausfluss kommen. Es besteht auch ein kleines Risiko für ernsthaftere Folgen, wie die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen). Dies gilt besonders für Frauen, die rauchen, starkes Übergewicht oder ein familiär bedingtes Risiko für Gefäßerkrankungen haben. Zudem steigt das Thromboserisiko mit zunehmendem Alter, weshalb Frauen über 40 besser andere Verhütungsmethoden anwenden sollten.

Hormonelle Verhütungsmittel sind nur eine von vielen effektiven Methoden zur Schwangerschaftsverhütung. Ausführliche Informationen zur Wirkung und Anwendung von Verhütungsmitteln stellt zum Beispiel die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrer Website www.familienplanung.de zur Verfügung.

Quellen

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Risikobewertung: Hormonale Kontrazeptiva und venöse Thrombosen. 27.08.2009. [Zugriff: 05.06.2013].

Food and Drug Administration (FDA). FDA approves update to label on birth control patch. 18.01.2008. [Zugriff: 05.06.2013]

Lopez LM, Grimes DA, Gallo MF, Stockton LL, Schulz KF. Skin patch and vaginal ring versus combined oral contraceptives for contraception. Cochrane Database Sys Rev 2013; (4): CD003552.

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