Ängste überwinden und Selbstvertrauen gewinnen: Mentaltrainerin Klara Fuchs gibt Tipps

    Ängste überwinden - Mentaltrainerin Klara Fuchs gibt Tipps

    Im Interview erzählt die Bloggerin und Mentaltrainerin Klara Fuchs, wie wir besser mit unseren alltäglichen Ängsten umgehen, sie vielleicht sogar überwinden können und so mutiger werden und mehr Selbstvertrauen gewinnen.

     

     

    1. Wieso hat Angst so einen schlechten Ruf?

    Angst ist ein urmenschliches Gefühl und gleichzeitig sehr individuell. Die Emotion Angst schützte uns in der Urzeit vor lebensgefährlichen Bedrohungen wie wilden Tieren. Heute begleiten uns Ängste auch im Alltag, wie beispielsweise Prüfungsangst, die Angst des Jobverlusts oder ein anstehender Arztbesuch. Diese Alltagsängste sind keine Angststörungen oder Phobien vor etwas. Trotzdem sind sie selbstaufgestellte Barrieren, die uns in unserem Handeln behindern. Wir alle haben andere Lebenserfahrung, wodurch gegenseitiges Unverständnis entstehen kann. Wenn du eine schlechte Erfahrung beim Zahnarzt gemacht hast und seitdem Angst vor dem Gang dorthin hast, kann es sein, dass ich dies überhaupt nicht nachvollziehen kann, weil meine Zahnarzterfahrungen positiv sind. Auch die Gesellschaft trägt dazu bei, da wir – vor allem Männer – Stärke zeigen sollen. Tränen und Verletzlichkeit werden dadurch als negativ angesehen, weil niemand “schwach” dastehen will. Allerdings ist es ein Zeichen von Mut, wenn man in der Lage ist, seine Verletzlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Es ist ein Zeichen von Selbstvertrauen, wenn du alle Seiten von dir selbst preisgeben kannst.

    2. Warum sind uns manche Ängste peinlich und unangenehm?

    Persönliche Erfahrungen spielen hier eine wichtige Rolle. Wenn du in deiner Kindheit ausgelacht wurdest, weil du Angst vor der Impfung hattest, dann verbindest du Angst mit Peinlichkeit. Gleichzeitig haben wir wenige Vorbilder, die offen über ihre Ängste sprechen.

    Auf Werbeplakaten und in Social Media sehen wir hübsche, lachende Gesichter; wir sehen Kraft, Stärke und scheinbare Perfektion. Angst und Unsicherheit sind ausgeblendet. Das erzeugt ein unangenehmes Gefühl. Mach dir bewusst, wem du auf Social Media folgst und welches Gefühl du bekommst, wenn du durch Instagram oder Facebook scrollst. Ist es inspirierend oder eher das Gegenteil? Achte auch auf dein direktes persönliches Umfeld. Deine Umgebung kann (leider) das Gefühl erzeugen, deine Ängste seien falsch. Wenn du deine Ängste loswerden möchtest und du an dir selbst arbeitest (was richtig super ist), dann geht das einfacher, wenn du dich mit Menschen umgibst, die dir helfen, dich unterstützen und dich verstehen – auch, wenn sie gar nicht gleich fühlen.

    3. Welche Rolle spielt mentales Training bei der Überwindung meiner eigenen Grenzen?

    Genau wie du im Fitnessstudio deine Bauchmuskeln trainierst, kannst du auch an deinem Mut und an deinem Selbstvertrauen arbeiten. Mentales Training kann dabei eine sehr große Rolle spielen und helfen, die seit der Kindheit verfestigten neuronalen Verknüpfungen im Hirn zum Positiven hin zu verändern. Und das ist gut so! Wir versteifen uns auf alte Glaubenssätze wie “Ich kann das niemals schaffen” oder “Ich werde mich das nie trauen” – dieses Mindset können wir beeinflussen und verändern. Viele Gedankenprozesse laufen nämlich unbewusst ab und wir treffen erschreckend wenig bewusste Entscheidungen. Wenn man in das Unterbewusstsein “eintaucht”, können alte Verhaltens- und Gedankenmuster verändert und verbessert werden. Es gibt viele Techniken und Tools im Mentaltraining (beispielsweise das Reframing) welche dir helfen können, deine Ängste zu überwinden. Olympiasieger und Profisportler haben oft ein ganzes Team von Sporttrainern, (Sport-) Psychologen und Mentaltrainern an ihrer Seite. Denn: Profis wissen, dass Wettkämpfe oft im Kopf entschieden werden. Denke wie ein Profisportler. Um Hilfe bitten ist keine Schande, sondern grandios mutig.

    4. Welche Ängste und Sorgen sind berechtigt und welche übertrieben?

    Unser Gehirn kann nicht unterscheiden, ob wirklich Gefahr besteht, oder ich mich “nur” mit meinen eigenen Gedanken selbst verrückt mache. Allein die Gedanken an die größte Angst, können schon Panikattacken auslösen –  obwohl gar keine “richtige” Gefahr besteht.
    Viel zu oft fokussieren wir uns zudem auf die Dinge, die wir nicht beeinflussen können. Nach der Prüfung kann ich meine Antworten nicht mehr ändern – trotzdem habe ich Angst vor einer schlechten Note. Oder: Vor der Präsentation kann ich nicht wissen, wie mein Publikum reagieren wird. Diese Ängste vor dem unbeeinflussbaren Unbekannten sind unnötig. Ich kann nur meine Gedanken beeinflussen und mich wirklich gut vorbereiten.

    5. Sprung ins kalte Wasser oder langsames Herantasten. Was empfiehlst du?

    Wenn ich zu langsam an die Sache rangehe, trete ich möglicherweise nie wirklich in Aktion. Die Ängste rücken in den Vordergrund und es kommt gar nicht zum Sprung. Beim „Sofortsprung“ besteht wiederum die Gefahr der Überforderung. Ich empfehle daher eine Mischung. Wir wachsen in eine Herausforderung hinein; Zurückhaltung und Neid auf andere, die den Sprung wagen, bringen uns nicht weiter.

    Herantasten ergibt Sinn, wenn du bereit bist, in Aktion zu treten. Wenn du Angst hast vor Menschen zu sprechen, kannst du zuerst daheim in der Dusche oder vor dem Spiegel üben. Nachher sprichst du vor deiner Familie, später kannst du Freunde dazu holen und mit der Zeit wird es einfacher, so dass auch die Präsentation oder die mündliche Prüfung klappen! Vorbereitung und Prozessorientierung sind das A & O! Denk an das, was du beeinflussen kannst – nicht an das Ergebnis.

    6. Was unternimmst du im Alltag, um mutiger zu werden?

    Wenn ich das mache, was ich immer tue, dann erhalte ich auch nur das, was ich immer erhalte. Wenn ich hingegen ein großes Ziel habe – ich zum Beispiel möchte die deutschsprachige Sport- und Fitnessszene positiv beeinflussen und Menschen helfen selbstbewusst zu werden – dann muss ich automatisch ganz andere, für mich zunächst “gruselige” Schritte in die Wege leiten. Das ist mit Arbeit verbunden. Aufgrund meiner persönlichen Ängste war Kommunikation für mich immer eine große Schwäche. Klar „Ja“- und „Nein“- sagen, ehrlich die eigene Meinung zum Ausdruck zu bringen und neue Herausforderungen mit einem positiven Gefühl anzunehmen ist nicht immer einfach. Ich habe lieber Dinge (wortwörtlich) in mich hineingefressen, anstatt sie direkt anzusprechen. Irgendwann brach dann alles auf einmal heraus. Daran habe ich sehr gearbeitet und nun spreche ich alles aus – egal ob bei meinem Partner, Freunden oder Geschäftspartnern.

    7. Gibt es etwas, wovor du immer Angst hast?

    Nur, weil ich mutiger geworden bin, bedeutet es nicht, dass keine Unsicherheiten und Ängste mehr bestehen. Ich denke oft an den Spruch: “Du bekommst nur so viel Herausforderung, wie du auch vertragen kannst.” Jetzt schmunzle ich etwas über die Aufgaben, die ich vor ein paar Jahren bewältigen durfte. Heute warten andere, neue und spannende Herausforderungen auf mich.

    Meine größte Angst ist allerdings, dass meinen Liebsten etwas zustößt. Das kann ich nicht beeinflussen. Deshalb denke ich erst gar nicht daran und fokussiere mich auf das, was ich beeinflussen kann. Das ist nämlich der jetzige Moment und wie ich als Mensch auftrete und meine Liebsten behandle.

    8. Hast du letzte Tipps für unsere BIG-Versicherten?

    • Jeder Profi und Experte war mal ein Anfänger. Aber sie haben etwas unternommen, um Schritt für Schritt ihr Ziel zu erreichen.
    • Wenn du dich nur auf die Ängste konzentrierst, durch den Raum blickst und – metaphorisch geschrieben – nur braune Möbel sehen willst, dann wirst du auch nur diese finden. Wenn du aber etwas Neues willst, dann kannst du von nun an nach den pinken Möbelstücken suchen.
    • Kurzfristig bedeutet Veränderung Verlust – langfristig wirst du an der Herausforderung wachsen. Du öffnest deinen Horizont, um Neues zu entdecken!
    • Mach dir eine Brainstorm-Liste und zerlege die Tasks in kleine 10-Minuten To-Do’s. Fokussiere dich auf die grandiosen Möglichkeiten, die daraus entstehen können.
    • Fokussiere dich nicht auf dein altes Ich, lass los und fokussiere dich auf dein neues Power-Ich! Herausforderung hilft dir, dies zu erreichen! Es ist der Prozess, der die Freude, Aufregung und Neues bringt!

    Mehr zu Klara Fuchs

    2013 startete die gebürtige Österreicherin ihren Blog. Seitdem hat die 23-Jährige über 1400 Artikel zum Thema Selbstvertrauen veröffentlicht. Inzwischen betreibt die diplomierte Mentaltrainerin ihren Podcast „The Shining Life“. Aktuell schreibt sie an ihrem ersten Buch, das noch in diesem Jahr erscheinen soll.

    Fitness-Blog: https://klarafuchs.com

    Podcast: http://theshininglife.libsyn.c

    Selbstbestimmtheit

    Zum Seitenanfang