Podcast April 2015 - Lärm

Ende des Monats, am 29. April ist der internationale „Tag gegen Lärm“. Ziel ist es, auf die Gefahren hinzuweisen und einige Tipps zu geben, wie man sich schützen kann. Und genau das machen wir jetzt. Mein Name ist Doris Hammerschmidt. Ich grüße Sie, Hallo! Unsere Ohren sind ständig auf Empfang gestellt. Selbst nachts, wenn wir schlafen. Schallwellen werden eingesammelt und ans Gehirn weitergeleitet. Dort wird dann entschieden: ist der Schall angenehm – vielleicht das Knistern eines Kaminfeuers. Oder ist ein Geräusch unangenehm: wie das Summen eine Mücke. Oder ist es viel zu laut, etwa wenn der Nachbar zur Mittagszeit den Rasen mäht. Sind wir zu lange zu lauten Geräuschen ausgesetzt, dann kann das Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben.

Podcast April 2015 - Lärm

Egal, ob bei der Arbeit, auf der Straße oder zuhause: Unsere Ohren sind ständig auf Empfang, auch nachts, wenn wir schlafen. Überall sammeln wir Schallwellen ein. Unser Gehirn entscheidet dann: Ist der Schall angenehm, unangenehm, zu laut, zu leise, zu viel. Empfinden wir den Schall als Lärm oder Krach, stört oder stresst er uns und kann auch krank machen.

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Das Thema

Schall wird dann zum Lärm, wenn er uns stört oder sogar krank macht. Da gibt es zum einen akute Schädigungen bei extrem lauten Geräuschen. Und es gibt den Lärm, dem wir dauerhaft ausgesetzt sind. Dirk Schreckenberg ist Psychologe, Lärmwirkungsforscher und Geschäftsführender Gesellschafter beim Zentrum für angewandte Psychologie, Umwelt- und Sozialforschung in Hagen. Er beschreibt, was dauerhafter Lärm mit uns macht: Wenn wir Lärm hören, dann treten Stressreaktionen in der Weise auf, dass der Blutdruck steigt, die Herzfrequenz steigt und Stresshormone können ausgeschüttet werden. Wenn sie das chronisch haben, tagaus – tagein, denken sie an Wohnen an Hauptverkehrsstraßen, dann kann das langfristig zu Herz- Kreislaufschäden führen. Das sind Zusammenhänge, die man in den letzten Jahren immer wieder gefunden hat. Bei Stress werden Stresshormone ausgeschüttet, der Blutdruck steigt und das Herz schlägt schneller. Es kann zu Schlafstörungen kommen, zu Unwohlsein und Konzentrationsstörungen. Sogar zum Herzinfarkt. Auch wenn wir ein Geräusch gar nicht als zu laut empfinden, kann es uns krank machen. Es wirkt unbewusst: Wenn wir uns beispielsweise eine Bahnstrecke vorstellen, wo im Laufe des Tages die Züge vorbeifahren, dann kann man anhand der Bahnstrecke, der Geschwindigkeit und der Länge der Züge ermitteln, wie laut ein einzelner Zug ist oder eine einzelne Zugvorbeifahrt. Wenn man weiß, wie viele Züge vorbeifahren, dann kann man die Gesamtbelastung pro Tag ermitteln. Und mehr als 80 Dezibel können auf Dauer schädlich sein. Doch Lärm wirkt sehr unterschiedlich. Noch einmal der Lärmwirkungsforscher Dirk Schreckenberg: Wenn wir sagen, Lärm ist ein Geräusch, das unerwünscht und auch gesundheitsgefährdend sein kann, dann heißt das, in dem Unerwünschten steckt auch ein subjektives Element. Wir sind als Menschen unterschiedlich empfindlich. Den einen stört schon der tropfende Wasserhahn, während der andere bei den lautesten Straßengeräuschen noch hervorragend schlafen kann. Die Zusammenhänge sind inzwischen erforscht. Lärm erzeugt Stress. Und dauerhafter Stress macht krank. Gerade in Kombination mit weiteren Faktoren wie Übergewicht, zu wenig Bewegung und falscher Ernährung: Lärm ist ein Risikofaktor unter vielen. Man hat im Zusammenhang mit Lärm gerade Herz- Kreislauferkrankungen in der Diskussion, also Blutdruck oder auch Herzschwäche. Das sind aber Erkrankungen mit einer Vielzahl von Risikofaktoren. Lärm ist ein zusätzlicher Faktor, der das I-Tüpfelchen sein kann, das ein Erkrankungsrisiko erhöhen kann. Hinzu kommt, dass die Belastung durch Lärm in den vergangenen Jahren zugenommen hat: Das kann man beispielsweise am Fluglärm deutlich machen. Also, vor 30, 40 Jahren hatten wir deutlich weniger Flugverkehr. Aber das einzelne Flugzeug war deutlich lauter. Die Industrie hat es geschafft, den Geräuschpegel eines Flugzeuges zu minimieren. Ähnliches hat auch die Automobilindustrie bei Kraftfahrzeugen geschafft. Das ist aber alles dadurch kompensiert worden, im negativen Sinne kompensiert, dass die Verkehrsmengen zugenommen haben. Immer mehr Lärm um uns herum. Da hilft es, für ein wenig Ruhe zu sorgen. Und einfach mal den Fernseher oder das Radio auszuschalten.

Tipp des Monats

Dezibel ist die Einheit, in der Geräusche gemessen werden. Ruhiges Atmen liegt bei zirka 10 Dezibel und ist kein Problem. Ein normales Gespräch liegt bei 55 und ein vorbeifahrender Lastwagen bei 90 Dezibel. Richtig laut ist ein Düsenjäger mit 130 Dezibel. Natürlich können wir nicht jeden Lärm vermeiden und wir müssen auch ein gewisses Maß ertragen. Aber es gibt ein paar Tipps, die helfen: Lärm erzeugt Stress. Und dieser Stress belastet unseren Körper. Dirk Schreckenberg beschreibt, was dagegen hilft. Er ist Psychologe und Lärmwirkungsforscher: Schwierig wird es, wenn das Geräusch weg ist und der Körper dann nicht mehr zurückfahren kann. Wenn man aus dieser Stresssituation nicht mehr herauskommt. Wenn die Möglichkeit zur Kompensation besteht, bedeutet das, dass dem Körper die Möglichkeit gegeben wird, aus Stresssituationen herauszukommen. Ruhe und Entspannung helfen gegen Stress. Ganz egal, welche Ursachen die Stressbelastung hat. Schön ist, dass man den Stress vom Tage am Abend oder am Wochenende ausgleichen kann: Was dann hilft, dass sie einen Ausgleich schaffen. Wenn sie beispielsweise in einer beruflichen Umgebung arbeiten, dass sie versuchen in der Freizeit Orte aufsuchen, wo sie Ruhe und Entspannung finden. Es hilft alles, was der Entspannung dient: Sport treiben, mit Freunden treffen, in die Sauna gehen oder Yoga. Wenn der Lärm so richtig nervt, dann nutzen viele Menschen Ohrstöpsel. Es gibt sie aus Schaumstoff, Wachs oder Kunststoff. Es ist eine Frage des persönlichen Komforts, ob man den Eindruck hat, dass man die Stöpsel gut tragen kann oder nicht. Es ist durchaus sinnvoll, wenn jemand sagt, ich habe keine andere Möglichkeit ruhig zu schlafen, außer diese Stöpsel zu nutzen, dann ist das eine vernünftige Maßnahme. Es gibt sogar spezielle Musikohrstöpsel. Die sind geeignet bei Konzerten oder in der Disko. Auch zuhause kann man sich helfen: Teppiche dämpfen Schrittgeräusche und wer das Schlafzimmerfenster nachts schließt, der hat mehr Ruhe. Und beim Musikhören über den MP3-Player mit Kopfhörern gilt: Ein wenig leiser ist besser. Und dann gibt es inzwischen viele moderne Geräte, wie zum Beispiel Rasenmäher oder Kettensägen, in einer lärmreduzierten Version. Außerdem: In den meisten Fällen ist nicht nur der Lärm die Ursache einer Erkrankung: Wenn der Arzt Herz- Kreislauferkrankungen feststellt, dann kann man gucken, wie sieht es aus mit der Ernährung, mit der Bewegung, mit dem Rauchverhalten und mit dem Alkoholkonsum. Das sind alles Faktoren, die auch eine Rolle spielen. Wenn man dabei zu einem anderen Verhalten kommen kann, dann kann man schon das Risiko minimieren. Es gibt also einige Möglichkeiten, Stress durch Lärm zu vermeiden oder sich wenigstens für den entstandenen Stress einen Ausgleich zu gönnen. Achten Sie mal darauf, was in ihrer Umgebung die lautesten Geräusche sind oder auch wie oft am Tag Sie sich über Krach ärgern. Manchmal hilft es ja schon, das zu erkennen, um der Stress-Falle „Lärm“ zu entkommen.

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