Sondergutachten des Wissenschaftlichen Beirats des BVA

Das Sondergutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim BVA bestätigt die Reformnotwendigkeit des Morbi-RSA. Dabei hat der Beirat heute nur eine Zusammenfassung des Gutachtens vorgestellt.

Aus Sicht der RSA Allianz ist die rein wissenschaftliche Betrachtung des RSA wichtig, sie bedarf aber mit Blick auf die anstehende Reform zwingend der Berücksichtigung der ordnungspolitischen Dimension.

Unterschiedliche Deckungsquoten verzerren Wettbewerb

Die Morbi-RSA bedingten Wettbewerbsverzerrungen unter den Krankenkassen sind weiterhin ein massives Problem. Die Gutachter weisen klar auf die Risiken fehlenden Wettbewerbs und die sich daraus ergebende Konzentrationsgefahr für die Versicherten hin. Die im Ergebnis unterschiedlichen Deckungsquoten der Kassen sind daher von erheblicher Relevanz in der Praxis, der Zusatzbeitragssatz als Ausweis wirtschaftlichen Verhaltens nur noch eingeschränkt geeignet.

Manipulationsanfälligkeit bleibt die Achillesferse des Morbi RSA

Die Beeinflussung des Kodierverhaltens ist trotz Reformbemühungen im Rahmen des Heil- und Hilfsmittelgesetzes (HHVG) weiterhin problematisch. Der Wissenschaftliche Beirat konstatiert Indizien einer Manipulation von Diagnosen und fordert einheitliches Handeln der Aufsichtsbehörden von Bund und Ländern. Für die RSA Allianz steht fest, dass sich Manipulationen auch mit Blick auf die Vergangenheit nicht auszahlen dürfen. Hier bedarf es eines konsequenten und einheitlichen Vorgehens der Aufsichten und entsprechender Sanktionierungen. Um Manipulationen weitestgehend zu verhindern, sollten seltene, teurere Erkrankungen stärkere Beachtung finden.

Reformbedarf bei Erwerbsminderungsrenten

Die RSA-Allianz nimmt den vom Wissenschaftlichen Beirat attestierten Änderungsbedarf beim Thema Erwerbsminderungsrentner und Disease Management Programmen zur Kenntnis. Die RSA-Allianz tritt weiterhin für die Streichung beider Hilfsvariablen EMR und DMP ein.

Regionale Unterschiede der Versorgungsausgaben beachten

Die RSA-Allianz sieht ebenso Handlungsbedarf hinsichtlich der Wettbewerbswirkungen regionaler Unterschiede der Versorgungsausgaben. Die genaue Betrachtung regionaler Komponenten lässt erhebliche Wechselwirkungen mit dem gesamten Zuweisungssystem erwarten, daher kann die anstehende Reform des Morbi-RSA erst dann umfassend diskutiert werden, wenn das für April 2018 angekündigte Sondergutachten Regionalisierung vorliegt.

Regelmäßige systematisch Evaluation des Morbi-RSA

Die RSA-Allianz begrüßt die Forderung nach einer regelmäßigen systematischen Evaluation des Morbi-RSA. Ergänzt werden sollte diese durch einen konsequenten Dialog mit den Krankenkassen. Die zur Evaluation verwendeten Datensätze sollten zudem der interessierten Fachöffentlichkeit für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt werden.

Übergangsregelung zur Reform des Morbi RSA notwendig

Das vorgestellte Gutachten, dass erst nach vollständiger Vorlage unter wissenschaftlichen aber auch unter Praxisgesichtspunkten bewertet werden kann, bietet erste Ansätze, wie die Politik eine Reform des Morbi RSA gestalten könnte. Die aktuellen Unwuchten in der Finanzausstattung der Krankenkassen müssen hingegen durch eine Übergangslösung beseitigt werden.

Den Morbi RSA zukunftssicher zu gestalten ist die gesundheitspolitische Aufgabe der Bundesregierung.

Über die RSA-Allianz:

http://rsa-allianz.de/

In der RSA-Allianz haben sich 12 Krankenkassen aus drei verschiedenen Kassenarten – Betriebs-, Ersatz- und Innungskassen, und der BKK Landesverband Bayern, zu einer gemeinsamen Interessensvertretung zusammengeschlossen:

Audi BKK, BIG direkt gesund, BKK Mobil Oil, BKK ProVita, BKK Wirtschaft & Finanzen, HEK – Hanseatische Krankenkasse, IKK Südwest, KKH – Kaufmännische Krankenkasse, mhplus Betriebskrankenkasse, Salus BKK, Die Schwenninger Krankenkasse, SBK – Siemens-Betriebskrankenkasse.

Ziel der Allianz ist eine Reform des Morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs, kurz Morbi-RSA. Der Morbi-RSA ist in seiner aktuellen Gestaltung nicht wettbewerbsneutral und die daraus resultierenden Zuweisungen nicht bedarfsgerecht. Dieser Umstand verhindert einen fairen Wettbewerb der gesetzlichen Kassen.

Daher haben sich die Kassen unabhängig von ihrer Konkurrenzsituation zur RSA-Allianz zusammengeschlossen und arbeiten an Lösungen für einen fairen Morbi-RSA. Dabei suchen sie den offenen Dialog mit Politik und Wissenschaft und werben für einen transparenten Umgang mit Finanz- und Versorgungsdaten im Sinne eines fairen Wettbewerbs im Sinne der Kunden.

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