BIGtalk: "Abschied auf Raten – Leben mit Demenz" | BIG direkt gesund

BIGtalk: "Abschied auf Raten – Leben mit Demenz"

    Engagement: Hansch, Kaetsch und Müntefering beim BIGtalk

    Die neue Vortragsreihe BIGtalk der BIG startete am 21. Januar 2016 mit dem Thema „Abschied auf Raten – Leben mit Demenz“. Der nächste BIGtalk ist für Frühjahr/Sommer 2016 geplant.

    Alkohol und Beruhigungsmittel fördern Demenz

    Demenz ist eine Erkrankung, die nicht geheilt, doch abgemildert werden kann. Alkoholkonsum und die Einnahme von Tranquilizern, also Beruhigungsmitteln, begünstigen ihre Entstehung. Das erfuhren die rund 500 Gäste des ersten BIGtalk mit dem Titel "Abschied auf Raten – Leben mit Demenz“, der im Januar 2016 in der Dortmunder Hauptverwaltung der BIG stattfand.

    Mit dem früheren SPD-Chef Franz Müntefering und der Sportreporter-Legende Werner Hansch sprachen zwei hochkarätige Referenten, die sich beide in der Rudi-Assauer-Initiative engagieren. Hansch schilderte sehr persönlich seine Erfahrungen mit dem an Alzheimer erkrankten Rudi Assauer, der einst Schalke 04 managte. Der ehemalige Vizekanzler Franz Müntefering betonte, die Pflege von Demenzkranken sei eine ganz besondere Herausforderung.

    Pflegestärkungsgesetz II ein „Durchbruch“

    Das bestätigte Peter Kaetsch, Vorstandsvorsitzender der BIG. Das Pflegestärkungsgesetz II bezeichnete er als „Durchbruch“. In diesem Jahr ist das Gesetz in Kraft getreten, wird aber erst Anfang 2017 wirksam. Das heißt im Klartext, die höheren Leistungen werden auch erst ab nächstem Jahr gezahlt. Das Gesetz sieht vor, dass die drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt werden. Patienten mit Demenz oder psychischen Erkrankungen erhalten endlich den gleichen Zugang zu Pflegeleistungen wie Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Kaetsch wies auch darauf hin, dass seit diesem Jahr pflegende Angehörige einen eigenen Anspruch auf Pflegeberatung haben. Hier bieten etwa die Alzheimer Gesellschaft Dortmund, die durch ihren Vorsitzenden Mirko Pelzer vertreten war, oder das Demenz-Servicezentrum der Region Dortmund, vertreten durch Bert Schulz, Unterstützung an.

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    Umfassende Untersuchung wichtig

    Medizinische Kompetenz brachte Dr. Petra Dlugosch, Chefärztin für Gerontopsychiatrie an der LWL-Klinik Dortmund, in die Runde ein. Eine Demenzerkrankung könne sehr unterschiedliche Verläufe nehmen. Irritierend für Angehörige sei oftmals, dass gerade das Kurzzeitgedächtnis bei Demenzkranken betroffen sei, weniger das Langzeitgedächtnis. Die Betroffenen selbst versuchten aus falscher Scham, „so lange wie möglich eine Fassade aufrecht zu erhalten“. Sollte der Verdacht für eine demenzielle Erkrankung bestehen, sollte der erste Weg zum Hausarzt führen, empfahl Petra Dlugosch. Über verschiedene Tests könne festgestellt werden, ob die Beschwerden lediglich einer Altersvergesslichkeit oder tatsächlich einer ernsthaften Erkrankung zuzuschreiben seien. „Es gibt auch Menschen mit Depressionen, welche die Symptomatik einer Demenz aufweisen“, sagte sie. Ähnliches komme bei einer Schilddrüsenunterfunktion vor. „Werden Schilddrüsenhormone verabreicht, verschwindet die Demenzsymptomatik“, so die Medizinerin.

    Vorbeugung nur begrenzt möglich

    Einer Demenz vorzubeugen, sei allerdings nur begrenzt möglich, dämpfte Dlugosch entsprechende Hoffnungen. Ein gesunder Lebenswandel schütze nicht davor, habe aber auf die Gesamtkonstitution einen positiven Einfluss. Bewegung könne sich aufgrund der stärkeren Durchblutung durchaus positiv auf die Gehirnfunktionen auswirken. Der Konsum von Alkohol und Tranquilizern begünstige hingegen die Entstehung einer Demenz.

    BIG Talk: Abschied auf Raten - Leben mit Demenz

    Über 500 Gäste besuchten die Auftaktveranstaltung der neuen Reihe BIGtalk, die mit dem Thema „Abschied auf Raten – Leben mit Demenz“ im Januar 2016 in der Dortmunder Hauptverwaltung von BIG direkt gesund startete.

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    Müntefering: Mancher Angehörige macht sich "kaputt"

    Die Politik habe in der Vergangenheit nicht alles richtig gemacht, doch einige Weichen richtig gestellt, sagte Franz Müntefering. Es gebe heute viel mehr Hilfe und Unterstützung für Pflegebedürftige als früher. Jedoch benötige unsere alternde Gesellschaft Menschen, die diese verantwortungsvolle Pflege leisten könnten und die müssten entsprechend entlohnt werden. Die Pflege von Demenzkranken sei eine ganz besondere Herausforderung, mancher Angehöriger mache sich damit „kaputt“. „Niemand sollte sich genieren, die angebotenen Möglichkeiten in Anspruch zu nehmen“, sagte Müntefering. Eine Heimunterbringung sei keine „zweitklassige Lösung“. Er forderte von der Politik, die Demenz-Forschung stärker zu fördern, auch auf europäischer Ebene. Er wolle sich nicht damit abfinden, „dass man nichts tun kann“. Das sei auch einst über Brustkrebs oder Aids gesagt worden, doch die Forschung habe bei diesen Erkrankungen große Fortschritte gemacht.

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