Mädchen wäscht sich die Hände.

Keime im Krankenhaus

Sie heißen MRSA oder auch VRE oder ESBL – das sind die Abkürzungen der Namen für multiresistente Krankenhauskeime. Man kann sie überall in Krankenhäusern finden: An Türklinken, an Händen, an Instrumenten wie etwa einem Stethoskop, am Essenstablett und an Handys. Das Gefährliche an ihnen ist, dass sie gegen Antibiotika resistent sind – sie sind also nur sehr schwer zu bekämpfen.

Viele Tote durch Krankenhauserreger

Achim Beißel ist Bereichsleiter Stationäre Versorgung bei der BIG und hat täglich mit Krankenhäusern zu tun. Er nennt aktuelle Zahlen: Nach den offiziellen Zahlen, die sagen immer das eine und dann gibt es eine Dunkelziffer, sagt man, dass rund 400.000 bis 600.000 Menschen pro Jahr in Deutschland an diesen Infekten erkranken. Und rund 5 bis 10 Prozent sterben daran. Also man hat so 10.000 bis 15.000 Tote pro Jahr durch diese Krankheitserreger zu beklagen.

Antibiotika hilft nicht mehr

Die Dunkelziffer liegt bei zirka 200.000 Toten pro Jahr durch Krankenhauskeime. Eine Zahl, die allerdings nicht bewiesen ist. Das Problem: Diese Keime sind multiresistent, also gegen Antibiotika immun. Das Gefährliche an ihnen ist, dass sie mit dem einzigen Arzneimittel, das sie bekämpfen sollte, eine Partnerschaft eingehen. Das heißt, man kann diese Keime nicht stoppen, nicht behandeln. Sie fressen sich im Grunde durch den Körper durch.

Einfaches Mittel: Hygiene

Daher ist das Ziel, Keime überhaupt zu verhindern. Und es gibt ein Mittel dagegen. Eigentlich sogar ein einfaches: Hygiene. Das ist das Zauberwort. Eine gute Hygiene verhindert die Ausbreitung dieser Infektionen. Ist das nicht gewährleistet, gibt es zahlreiche Infektionsherde: die Hände der Pfleger und Ärzte, Türklinken, Essbesteck, Bettrahmen oder Spielzeug.

Keimfallen auch zu Hause

Keime finden sich nicht nur im Krankenkaus. In jedem Haushalt gibt es einige Orte, an denen eine Vielzahl von Bakterien vorhanden ist.

Infografik, wo welche Keime zu finden sind

Vorsorge

Die schmutzigen Orte im Haus

Hände desinfizieren

Aus Sicht von Achim Beißel ist eine Maßnahme am allerwichtigsten: Die Hände desinfizieren. Und das ist im Grunde eine alte Hausfrauenweisheit. Beispielsweise in den niederländischen Krankenhäusern funktioniert es so: Bei der Visite werden die Ärzte von einem Hygienebeauftragten begleitet, der ein Desinfektionsmittel dabei hat. Dessen einziger Job ist es, darauf zu achten, dass sich alle Ärzte und Pfleger, die an der Begehung teilnehmen, sich nach dem Patientenkontakt sofort die Hände desinfizieren. So dass beim nächsten Kontakt alle klinisch saubere Hände haben.

Niederlande weit vorn

In den Niederlanden wird dieses Problem deutlich stärker beachtet - mit Erfolg. Ursachen für die teilweise mangelnde Hygiene in deutschen Krankenhäusern gibt es viele. Die wichtigste ist allerdings der Mangel an Personal. Dazu kommt zu wenig zu Zeit. Es wird immer diskutiert, dass besonders das Pflegepersonal sich um zu viel kümmern muss. Dann fällt die notwendige Desinfektion aus Zeitmangel aus.

10 Punkte-Plan von der Politik

Inzwischen wurde das Problem auch in der Politik wahrgenommen. Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe legte einen 10-Punkte-Plan im Kampf gegen multiresistente Krankenhauskeime vor. Danach gibt es zum Beispiel eine Meldepflicht bei auftretenden Fällen, mehr Fortbildung des Personals und einen Ausbau der Stellen für Hygienebeauftragte. Deutlich wird die große Aufmerksamkeit für das Thema. Ein wichtiger Schritt, um die Bedrohung in Zukunft in den Griff zu bekommen.