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Ein Blutdruckmessgerät für zu Hause ist schnell gekauft – aber richtig angewendet wird es oft nicht. Dabei können Messfehler täuschen: Werte, die zu hoch oder zu niedrig erscheinen, können zu falschen Schlüssen führen.
Welches Gerät ist das richtige?
Nicht jedes Blutdruckmessgerät ist gleich – und nicht jedes ist für den Heimgebrauch geeignet. Grundsätzlich gibt es drei Typen: Geräte für den Oberarm, für das Handgelenk und mechanische Geräte. Für die Selbstmessung zu Hause empfiehlt die Deutsche Hochdruckliga ausdrücklich Oberarmgeräte. Sie liefern zuverlässigere Ergebnisse als Handgelenksgeräte, die sehr empfindlich auf die Haltung des Handgelenks reagieren.
Worauf du beim Kauf achten solltest
Validierung
Kaufe nur Geräte, die klinisch validiert wurden. Die Europäische Gesellschaft für Hypertonie (ESH) führt eine kostenfreie Online-Liste validierter Geräte. Günstige Geräte ohne Prüfsiegel können deutlich abweichende Werte liefern.Zur Website der ESH (Englisch)Arztvalidierung
Sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt, bevor du ein Gerät kaufst. Manche Praxen bieten an, ein mitgebrachtes Heimgerät mit einem Referenzgerät zu vergleichen.Manschettengröße
Die Manschette muss zur Armdicke passen. Ist sie zu klein, werden die Werte zu hoch angezeigt – und umgekehrt. Messe den Armumfang in der Mitte zwischen Schulter und Ellenbogen. Die passende Größe steht in der Geräteanleitung.Speicher und Mehrfachnutzung
Sinnvoll sind Geräte, die mehrere Messungen speichern und idealerweise zwei Nutzerprofile verwalten können – etwa für zwei Personen im Haushalt.
Ab wann gilt Blutdruck als zu hoch?
So misst du richtig: Schritt für Schritt
Selbst das beste Gerät bringt wenig, wenn die Messung falsch durchgeführt wird. Viele Faktoren beeinflussen den Blutdruck – Stress, Koffein, körperliche Aktivität, eine volle Blase oder ein falsches Sitzen können den Wert vorübergehend verfälschen. Das Deutsche Herzzentrum empfiehlt folgende Vorgehensweise:
Miss immer zur gleichen Tageszeit – am besten morgens vor dem Frühstück und abends vor dem Schlafengehen. Leg die Manschette etwa zwei Finger breit oberhalb der Ellenbogenbeuge an – direkt auf der Haut, nicht über der Kleidung. Ruh dich mindestens 5 Minuten aus, bevor du die Messung beginnst. Während der Messung nicht sprechen und nicht bewegen. Vermeide 30 Minuten vor der Messung: Koffein, Nikotin, Sport und schwere Mahlzeiten. Führe pro Messung zwei Messungen im Abstand von einer Minute durch. Notiere beide Werte. Sitze aufrecht auf einem Stuhl, die Füße flach auf dem Boden, der Rücken angelehnt. Miss idealerweise immer am gleichen Arm – falls dein Arzt nichts anderes empfiehlt. Leg den Arm entspannt auf einem Tisch ab – auf Herzhöhe. Beine nicht überkreuzen!
Tipp: Messprotokoll führen
Führe ein Blutdrucktagebuch – viele Geräte haben eine App-Anbindung, alternativ reicht eine einfache Tabelle. Trage Datum, Uhrzeit, beide Messwerte und besondere Umstände ein (schlechter Schlaf, Stress, Medikamente). Nur wer über mehrere Wochen dokumentiert, kann seinem Arzt aussagekräftige Daten vorlegen.
Häufige Messfehler – und wie du sie vermeidest
Viele Menschen messen ihren Blutdruck regelmäßig – aber auf eine Art und Weise, die systematisch falsche Werte erzeugt. Die häufigsten Fehler:
- Manschette über Kleidung Schon ein dünner Ärmel kann den Messdruck verfälschen. Immer direkt auf der Haut messen.
- Arm hängt frei oder liegt zu hoch Der Arm muss auf Herzhöhe liegen. Hängt er nach unten, werden die Werte zu hoch; liegt er zu hoch, zu niedrig.
- Nur einmal messen Ein Einzelwert sagt wenig aus. Mindestens zwei Messungen pro Termin, über mehrere Tage hinweg, ergeben ein aussagekräftiges Bild.
- Direkt nach dem Aufstehen messen Warte nach dem Aufstehen mindestens 30 Minuten. Ideale Messzeit ist nach dem Ruhigsitzen, nicht nach körperlicher Aktivität.
- Praxishochdruck ignorieren oder überbewerten Viele Menschen reagieren beim Arzt mit einem höheren Blutdruck als zu Hause (Weißkitteleffekt). Heimwerte geben oft ein realistischeres Bild – sprich das bei deiner Ärztin oder deinem Arzt offen an.
- Geräte jahrelang ungeprüft benutzen Lass dein Gerät alle zwei Jahre beim Arzt oder in einer Apotheke kalibrieren.
Wichtig:
Bluthochdruck verursacht oft lange Zeit keine Beschwerden. Er wird daher auch als „stiller Killer“ bezeichnet. Regelmäßige Kontrolle und die ärztliche Einordnung deiner Heimwerte sind deshalb unerlässlich.
Wann solltest du zum Arzt?
Die Heimmessung ist eine sinnvolle Ergänzung – aber kein Ersatz für die ärztliche Beurteilung. Du solltest zeitnah ärztlichen Rat suchen, wenn:
- Dein Blutdruck mehrfach über 140/90 mmHg liegt – auch nach mehreren Ruhetagen.
- Dein Blutdruck plötzlich über 180/110 mmHg steigt, insbesondere wenn Symptome wie Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel oder Brustenge auftreten. Dies kann ein hypertensiver Notfall sein – ruf dann den Notruf 112.
- Dein Blutdruck dauerhaft unter 90/60 mmHg liegt und du Symptome wie Schwindel, Ohnmachtsgefühle oder Benommenheit verspürst.
- Deine Werte stark schwanken, ohne erkennbaren Grund.
- Du Blutdruckmittel einnimmst und dir unsicher bist, ob die Einstellung noch stimmt.
FAQs zur Blutdruckmessung zu Hause
Quellen
- Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL:Richtig Blutdruck messen in 5 Schritten (PDF)
- European Society of Cardiology (ESC) / European Society of Hypertension (ESH):2018 ESC-ESH Guidelines for the Management of Arterial Hypertension (PDF)
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