Herzgesundheit von Frauen: Das zeigt die aktuelle Forschung

Letzte Aktualisierung: 05. Februar 2026Lesezeit: 4 Minuten
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen – und doch lange unterschätzt worden. Neue Studien zeigen deutlich: Frauen haben nicht nur andere Symptome als Männer, sie brauchen auch eine differenziertere medizinische Betrachtung. Die gute Nachricht: Die Forschung holt auf. Und sie liefert wichtige Erkenntnisse für Prävention, Diagnose und Therapie.
Forscherin schaut im Labor durch ein Mikroskop

Inhalt

Werden Frauen schlechter versorgt?

Studien zeigen: Ja – zumindest teilweise. Trotz moderner Medizin sterben Frauen nach einem Herzinfarkt deutlich häufiger als Männer, nämlich fast dreimal so häufig innerhalb der ersten 30 Tage und etwa doppelt so häufig innerhalb von fünf Jahren. Die Gründe sind komplex. Fachleute vermuten, dass sich Frauen zum einen später medizinische Hilfe holen. Zum anderen werden ihre Symptome häufiger fehlgedeutet und sie erhalten eine verzögerte oder unzureichende Behandlung.

So erhalten Frauen bei einem Herzinfarkt:

  • seltener Aspirin
  • seltener Schmerzmittel
  • seltener ein EKG
  • seltener eine Herzkatheter-Untersuchung
  • seltener einen Platz auf der Intensivstation

Ein Grund: Frauen haben andere Symptome als Männer. Statt starkem Druck hinter dem Brustbein oder dem bekannten Schmerz im linken Arm berichten sie eher über Brennen, Ziehen oder Luftnot. Dabei gilt: Brustschmerzen, Atemnot, Übelkeit oder ein starkes Engegefühl sollten immer sofort ärztlich abgeklärt werden.

Frauen-typischen Anzeichen für einen Herzinfarkt (oft statt Brustschmerz): 

  • Kurzatmigkeit/Atemnot:häufiges erstes Anzeichen
  • Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen:Werden oft fälschlicherweise für Magenprobleme gehalten.
  • Rücken- oder Kiefernschmerzen:Schmerzen im oberen Rücken, Nacken oder Unterkiefer
  • Schweißausbrüche & Schwindel:kalter Schweiß
  • Extreme Müdigkeit:unerklärliche, plötzliche Erschöpfung
  • Angstzustände:Engegefühl in der Brust oder Unwohlsein
Senioren-Paar-beim-Sport
Schlaganfall-Vorsorge RhythmusLeben
Wer regelmäßig seinen Herzrhythmus überprüft, kann Vorhofflimmern frühzeitig erkennen und gezielt gegensteuern. Genau hier setzt das Vorsorgeprogramm RhythmusLeben an – ein digitales Versorgungsangebot für alle, die aktiv etwas für ihre Herzgesundheit tun möchten.
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Betablocker nach Herzinfarkt: Nicht für jede Frau sinnvoll

Betablocker gehören seit Jahrzehnten zur Standardtherapie nach einem Herzinfarkt. Sie senken die Herzfrequenz und entlasten den Herzmuskel. Für Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter Pumpfunktion des Herzens (LVEF ≤ 40 %) ist ihr Nutzen eindeutig belegt.

Anders sieht es bei älteren Frauen ohne Herzschwäche aus: Eine aktuelle Studie zeigt, dass Frauen über 75 Jahre mit erhaltener Pumpfunktion nicht von einer Betablocker-Therapie profitieren – im Gegenteil: Die Sterblichkeit war in dieser Gruppe sogar erhöht. 

Die Entscheidung für oder gegen Betablocker muss immer individuell erfolgen – besonders bei älteren Frauen.

Cholesterin: Warum Frauen besonders aufmerksam sein sollten

Eine große Langzeitstudie, die Frauen über mehr als 30 Jahre begleitet hat, zeigt: Frauen mit deutlich erhöhten Cholesterinwerten und zusätzlichen Entzündungszeichen im Blut haben ein wesentlich höheres Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Gerade hier gibt es noch Verbesserungsbedarf. Viele Frauen erhalten keine ausreichend wirksame Cholesterintherapie oder setzen ihre Medikamente wegen Nebenwirkungen vorzeitig ab. Eine aktuelle Studie (CLEAR-Outcomes) macht jedoch Mut: Sie zeigt, dass der Wirkstoff Bempedoinsäure eine gute Alternative oder Ergänzung sein kann – vor allem für Frauen, die Statine nicht gut vertragen. Diese neue Erkenntnis ist inzwischen auch in die medizinischen Leitlinien eingeflossen.

Arzt misst den Blutdruck eines Patienten
LDL-Cholesterin: Zu viel schadet der Gesundheit
Es ist kein Geheimnis: Ein hoher LDL-Cholesterin-Wert schadet der Gesundheit. Dennoch braucht unser Körper das Low-Density Lipoprotein-Cholesterin – auch „schlechtes“ Cholesterin genannt. Moment: Es ist schlecht, aber wir brauchen es? Ja, denn wie so oft macht die Dosis das „Gift“.
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HDL-Cholesterin: Deshalb ist das High Density Lipoprotein wichtig
Das High-Density-Lipoprotein-Cholesterin wird kurz HDL-Cholesterin genannt und gilt als „gutes“ Cholesterin. Deshalb sollte unser Körper ausreichend davon haben. Erfahren Sie hier, warum, wie Sie für einen idealen HDL-Wert sorgen können und welche Risiken ein niedriger und wahrscheinlich auch extrem hoher Spiegel birgt.
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Schwangerschaft als Herzrisiko: Ein unterschätzter Faktor

Komplikationen wie Präeklampsie sind nicht nur während der Schwangerschaft gefährlich – sie erhöhen das Herzrisiko dauerhaft. Studien zeigen:

  • Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen:treten im Schnitt 8 Jahre früher auf
  • Risiko für Herzinsuffizienz:4-fach erhöht
  • Risiko für koronare Herzkrankheit:2,5-fach erhöht
  • Risiko für Schlaganfall und Herztod:verdoppelt

Trotzdem werden Schwangerschaftskomplikationen in der kardiologischen Anamnese oft nicht berücksichtigt. Fachleute fordern: Frauen mit Präeklampsie sollten langfristig kardiologisch betreut werden.

Verfasst von
BIG Redaktion