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Werden Frauen schlechter versorgt?
Studien zeigen: Ja – zumindest teilweise. Trotz moderner Medizin sterben Frauen nach einem Herzinfarkt deutlich häufiger als Männer, nämlich fast dreimal so häufig innerhalb der ersten 30 Tage und etwa doppelt so häufig innerhalb von fünf Jahren. Die Gründe sind komplex. Fachleute vermuten, dass sich Frauen zum einen später medizinische Hilfe holen. Zum anderen werden ihre Symptome häufiger fehlgedeutet und sie erhalten eine verzögerte oder unzureichende Behandlung.
So erhalten Frauen bei einem Herzinfarkt:
- seltener Aspirin
- seltener Schmerzmittel
- seltener ein EKG
- seltener eine Herzkatheter-Untersuchung
- seltener einen Platz auf der Intensivstation
Ein Grund: Frauen haben andere Symptome als Männer. Statt starkem Druck hinter dem Brustbein oder dem bekannten Schmerz im linken Arm berichten sie eher über Brennen, Ziehen oder Luftnot. Dabei gilt: Brustschmerzen, Atemnot, Übelkeit oder ein starkes Engegefühl sollten immer sofort ärztlich abgeklärt werden.
Frauen-typischen Anzeichen für einen Herzinfarkt (oft statt Brustschmerz):
- Kurzatmigkeit/Atemnot:häufiges erstes Anzeichen
- Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen:Werden oft fälschlicherweise für Magenprobleme gehalten.
- Rücken- oder Kiefernschmerzen:Schmerzen im oberen Rücken, Nacken oder Unterkiefer
- Schweißausbrüche & Schwindel:kalter Schweiß
- Extreme Müdigkeit:unerklärliche, plötzliche Erschöpfung
- Angstzustände:Engegefühl in der Brust oder Unwohlsein

Schlaganfall-Vorsorge RhythmusLeben
Betablocker nach Herzinfarkt: Nicht für jede Frau sinnvoll
Betablocker gehören seit Jahrzehnten zur Standardtherapie nach einem Herzinfarkt. Sie senken die Herzfrequenz und entlasten den Herzmuskel. Für Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter Pumpfunktion des Herzens (LVEF ≤ 40 %) ist ihr Nutzen eindeutig belegt.
Anders sieht es bei älteren Frauen ohne Herzschwäche aus: Eine aktuelle Studie zeigt, dass Frauen über 75 Jahre mit erhaltener Pumpfunktion nicht von einer Betablocker-Therapie profitieren – im Gegenteil: Die Sterblichkeit war in dieser Gruppe sogar erhöht.
Die Entscheidung für oder gegen Betablocker muss immer individuell erfolgen – besonders bei älteren Frauen.
Cholesterin: Warum Frauen besonders aufmerksam sein sollten
Eine große Langzeitstudie, die Frauen über mehr als 30 Jahre begleitet hat, zeigt: Frauen mit deutlich erhöhten Cholesterinwerten und zusätzlichen Entzündungszeichen im Blut haben ein wesentlich höheres Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Gerade hier gibt es noch Verbesserungsbedarf. Viele Frauen erhalten keine ausreichend wirksame Cholesterintherapie oder setzen ihre Medikamente wegen Nebenwirkungen vorzeitig ab. Eine aktuelle Studie (CLEAR-Outcomes) macht jedoch Mut: Sie zeigt, dass der Wirkstoff Bempedoinsäure eine gute Alternative oder Ergänzung sein kann – vor allem für Frauen, die Statine nicht gut vertragen. Diese neue Erkenntnis ist inzwischen auch in die medizinischen Leitlinien eingeflossen.

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Schwangerschaft als Herzrisiko: Ein unterschätzter Faktor
Komplikationen wie Präeklampsie sind nicht nur während der Schwangerschaft gefährlich – sie erhöhen das Herzrisiko dauerhaft. Studien zeigen:
- Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen:treten im Schnitt 8 Jahre früher auf
- Risiko für Herzinsuffizienz:4-fach erhöht
- Risiko für koronare Herzkrankheit:2,5-fach erhöht
- Risiko für Schlaganfall und Herztod:verdoppelt
Trotzdem werden Schwangerschaftskomplikationen in der kardiologischen Anamnese oft nicht berücksichtigt. Fachleute fordern: Frauen mit Präeklampsie sollten langfristig kardiologisch betreut werden.
Quellen
- Herzmedizin.de:Herzgesundheit von Frauen: Neue Studien zu Herzinfarkt, Betablockern, Therapie
- The New England Journal of Medicine:CLEAR Outcomes Clinical Trials (2023)
- ESC European Society of Cardiology:2023 ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes
- ESC Congress 2025:Geschlechterunterschiede von kardiovaskulären Erkrankungen
- National Library of Medicine:Sex differences in long-term mortality among acute myocardial infarction patients: Results from the ISAR-RISK and ART studies
- National Library of Medicine:Pregnancy complications and long-term risk of cardiovascular events in women with structural heart disease
- JACC: Advances Volume 2, Number 3:Sex Differences in Heart Failure Following Acute Coronary Syndromes
Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.
