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Legasthenie bei Kindern: Lese- Rechtschreibstörung erkennen und behandeln

Wenn euer Kind die ersten Worte schreiben und lesen kann, ist die Freude groß. Doch wie geht es weiter, wenn euer Nachwuchs große Probleme mit dem Lesen und Schreiben hat? Lest hier die wichtigsten Infos über Legasthenie und erfahrt, worin sich eine Lese-Rechtschreibstörung von einer Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) unterscheidet.

Was ist Legasthenie bei Kindern?

Legasthenie heißt zwar wörtlich übersetzt „Leseschwäche“, allerdings steht sie für eine stark ausgeprägte Lese-und Rechtschreibstörung und zählt wie Dyskalkulie seit der ICD-11 („International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems”) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den spezifischen Lernstörungen (engl. „neurodevelopmental disorders“). In Deutschland haben rund vier Prozent der Schüler*innen Legasthenie. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.

Was ist der Unterschied zwischen Legasthenie und LRS?

Legasthenie wird synonym zu Lese-Rechtschreibstörung und manchmal zu Dyslexie (Lesestörung) verwendet und ist angeboren. Eine Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) steht dagegen für Lese-Rechtschreibschwierigkeiten. Diese sind nicht angeboren, sondern entstehen erst im Laufe des Lebens und können verschiedene Ursachen wie schlechter Unterricht, längere Fehlzeiten in der Grundschule, soziale und emotionale Schwierigkeiten etc. haben. Bei Legasthenie muss das betroffene Kind umfangreicher gefördert werden. Hier stehen nicht ausschließlich die Symptome, wie „an den Fehlern arbeiten“ und „Rechtschreibregeln lernen“ im Fokus, sondern beispielsweise auch Aufmerksamkeitstraining und die Förderung der Sinne. 

Die WHO unterscheidet bei Legasthenie drei Arten

F81.0 - Lese- und Rechtschreibstörung
Das Hauptmerkmal der Lese- und Rechtschreibstörung ist eine bedeutsame Beeinträchtigung in der Entwicklung der Lesefähigkeiten. Meist tritt die Lesestörung gemeinsam mit einer Rechtschreibstörung auf.

F81.1 - Isolierte Rechtschreibstörung
Eine isolierten Rechtschreibstörung zeigt sich anhand von Leistungsdefiziten im Buchstabieren sowie der korrekten Wortschreibung. Probleme beim Lesen bestehen hierbei nicht.

Isolierte Lesestörung
Aktuelle Studien zeigen, dass zwischen drei und acht Prozent der Schulkinder eine isolierte Lesestörung haben, die von der WHO noch nicht genauer definiert wurde.

Zur ICD-11

Häufige Anzeichen für eine Lese-Rechtschreibstörung

Legasthenie bedeutet wie bei Dyskalkulie keinesfalls, dass euer Kind „dumm“ ist. Kinder können sogar Legathenie haben und hochbegabt sein. Bei der Lese-Rechtschreibstörung treten sehr häufig folgende Symptome auf, die allerdings individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.

Kinder mit Legasthenie haben Probleme …

  • das Alphabet aufzusagen.
  • Wörter so zu schreiben, wie sie sie hören – verwechseln z. B. ähnlich klingende Buchstaben oder lassen sie ganz aus.
  • Wörter zu trennen.
  • mit der Groß- und Kleinschreibung.
  • beim Schreiben von freien Texten.
  • beim Abschreiben.
  • den Sinn von Texten zu verstehen.
  • mit Grammatik und Zeichensetzung.

Außerdem ...

  • schreiben sie Wörter im gleichen Text unterschiedlich z. B. mal richtig und mal falsch oder machen unterschiedliche Fehler.
  • brauchen sie mehr Zeit zum Lesen, Schreiben und Verstehen.
  • verdrehen sie beim Lesen Buchstaben oder Wörter.
  • lesen sie sehr langsam/abgehakt.
  • ist die Handschrift oft unleserlich.
  • Manche Kinder „trainieren“ sich auch Vermeidungs- und Kompensationsstrategien an – beispielsweise indem sie Wörter und Texte auswendig lernen.

Weitere mögliche Anzeichen

  • gestörte Aufmerksamkeit
  • Störungen des Sozialverhaltens
  • Ängste
  • wenig Selbstbewusstsein
  • psychosomatische Beschwerden wie Bauch- und Kopfschmerzen etc.
  • Depressionen/sozialer Rückzug durch Leistungsdruck, Scham und Ausgrenzung

Was ist die Ursache für Legasthenie?

Untersuchungen haben gezeigt, dass Legasthenie in 50 Prozent der Fälle von einem betroffenen Elternteil auf die Kinder vererbt wird. So konnten in Studien mehrere Gene identifiziert werden, die sich auf die Lese-Rechtschreibfähigkeiten auswirken beziehungsweise die es uns ermöglichen, die gesprochene Sprache wahrzunehmen und in die geschriebene zu transformieren. Auch konnte nachgewiesen werden, dass die für die Sprache zuständigen Hirnbereiche bei Legastheniker*innen schlechter vernetzt und langsamer sind. Weitere mögliche Ursachen können u. a. Sprachentwicklungsstörungen, psychosoziale Faktoren und ein geringes phonologisches Bewusstsein (das Gelesene zu verstehen) sein.

Wie wird Legasthenie diagnostiziert?

Habt ihr die Vermutung, dass euer Kind Legasthenie hat, besprecht euch mit dem Lehrpersonal und lasst euch einen schulischen Bericht über die festgestellten Schwächen eures Kindes ausstellen, den ihr dann bei den ärztlichen Untersuchungen vorlegen könnt. Manchmal können bereits Schulpsycholog*innen Legasthenie diagnostizieren. Falls nicht, macht einen Termin bei eurer/eurem Ärzt*in. Durch ein ausführliches diagnostisches Gespräch (Anamnese), einer körperlichen Untersuchung und speziellen Tests wie Hör- und Sehtests, EEG, Lese- und Schreibtests sowie Konzentrations- und Intelligenztests wird dann eine Diagnose gestellt.
 

Legasthenie-Diagnosekriterien der WHO

Eine Lese-Rechtschreibstörung liegt laut WHO vor, wenn folgende Kriterien NICHT auf euer Kind zutreffen beziehungsweise die Legasthenie NICHT dadurch begründet werden kann:

  • niedriger Intelligenz Quotient bzw. unterdurchschnittliche Intelligenz (kleiner als 70)
  • fehlende/schlechte Beschulung
  • psychische Erkrankung
  • Sinnesbehinderung
  • Hirnschädigung/geistige Behinderung (hier würde der IQ unter 70 liegen)

Bei einer Legasthenie muss also die Lese-Rechtschreibleistung deutlich unter dem IQ liegen. Außerdem schneiden rund 90 Prozent der Schüler*innen besser in Lese- und Rechtschreibtests ab. Zusammengefasst wird für die Diagnose also ein doppeltes Diskrepanzkriterium genutzt: Das der Leistung im Vergleich zum IQ und das Kriterium der Leistung im Vergleich zu den Leistungen der Mitschüler*innen.

Legasthenie und Dyskalkulie

In manchen Fällen haben Menschen mit Legasthenie auch eine Dyskalkulie beziehungsweise eine Rechenstörung.

Lest mehr zur Dyskalkulie

Wie wird eine Lese-Rechtschreibstörung behandelt?

Bei einer Lese-Rechtschreibstörung genügt es nicht, regelmäßig zu lernen und am Förderunterricht der Schule teilzunehmen. Auch ist Legasthenie nicht komplett heilbar, aber mit einer frühzeitigen und ganzheitlichen Lerntherapie und viel Verständnis und Geduld lassen sich große Verbesserungen erzielen.

Behandlung durch erfahrene Legasthenie-Therapeut*innen

Wie bei der Dyskalkulie auch gibt es bislang keine verpflichtende Ausbildung für Lese- und Rechtschreib- beziehungsweise Lerntherapeut*innen. Allerdings gibt es für die Förderung von Legastheniker*innen klare Richtlinien – die S3-Leitlinie. Damit könnt ihr sichergehen, dass die Therapie symptomspezifisch – also individuell ist und dass die Wirksamkeit des Förderprogramms wissenschaftlich belegt werden kann. Diese Therapien sind ganzheitlich: Sie setzen direkt an den spezifischen Problemen an, gemeinsam werden Strategien entwickelt und angewandt und die emotionale Stabilität eures Kindes gefördert. Mehr Infos dazu findet ihr zum Beispiel beim ...

Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.!

Unterstützung durch die Eltern

Einige hochbegabte und erfolgreiche Menschen wie Albert Einstein, Johann Wolfgang von Goethe, Cher, Galileo Galilei, Jennifer Aniston und Robbie Williams sind Legastheniker*innen. Kinder mit Lernstörungen können gute Schulabschlüsse absolvieren und beruflich erfolgreich sein. Es ist wichtig, dass ihr eurem Kind immer wieder seine Talente und generell Dinge, die gut laufen, vor Augen haltet, es damit motiviert und es so akzeptiert und liebt, wie es ist. (Leistungs-)Druck, Vergleiche mit Geschwistern oder Freund*innen wirken sich dagegen negativ auf die Förderung und Entwicklung eures Kindes aus. Manche Expert*innen schlagen auch vor, bei Legasthenie weniger von einer Störung und mehr von einer „Variante der Begabung“ zu sprechen. Der Begriff „Störung“ kann stigmatisieren und euer Kind demotivieren, weil es denken könnte, dass die Beeinträchtigung niemals besser wird. Geht auf jeden Fall mit Feingefühl vor, wenn ihr mit eurem Kind über die Lernstörung sprecht und achtet neben der Förderung durch Schule, Expert*innen und euch auch darauf, wie es eurem Kind auf sozialer und emotionaler Ebene geht.

Unterstützung durch die Schule

Natürlich sollte auch das Lehrpersonal sensibel und unterstützend mit eurem Kind und mit euch umgehen. In manchen Bundesländern könnt ihr übrigens nur dann einen Nachteilsausgleich eures Kindes für bestimmte Fächer beantragen, wenn in dem Schulbericht von Legasthenie – also einer Lese-Rechtschreibstörung und nicht von einer Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) die Rede ist.
 

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