Mann sitzt im Hintergrund und hält die Hände vor sein Gesicht, Frau läuft weg

Liebeskummer: Was passiert dabei im Körper und wie wird man ihn wieder los?

Wenn eine partnerschaftliche Beziehung endet, ist er plötzlich da: der Liebeskummer! Natürlich wird dieser irgendwann vorbeigehen, allerdings kann es hilfreich sein zu verstehen, was dann genau im Körper vorgeht, welche Liebeskummerphasen es gibt und wie man den Verlust des Partners besser verkraftet und im besten Fall sogar aus dem Beziehungsaus lernt.

Was passiert im Körper, wenn wir Liebeskummer haben?

Auf körperlicher Ebene betrachtet, passieren folgende Prozesse:

Liebeskummer wirkt wie Drogenentzug

Laut Experten spielen sich Liebe und Drogensucht in den gleichen Hirnarealen ab. So empfinden Liebende sowie Drogensüchtige emotionale Hochs, leiden unter Schlaflosigkeit und Herzklopfen. Für die emotionalen Hochs sorgt das Glückshormon Dopamin. Durch die Trennung sinkt der Dopaminspiegel allerdings wieder und die verlassene Person hat regelrechte Entzugserscheinungen – vergleichbar mit den Entzugserscheinungen eines Drogenabhängigen.

Liebeskummer stresst und raubt uns dadurch Energie

Da der Körper weniger Dopamin ausschüttet, kann es zu depressiven Verstimmungen und Ängsten bis hin zu Panikattacken (Verlustangst) kommen. Dies führt auch zu physischen Reaktionen, wie etwa inneren Stress. Um diesen Stress auszuhalten, braucht unser Körper viel Energie, die er kurzzeitig von den Stresshormonen Adrenalin (kurzzeitig) und Cortisol (längerfristig) bekommt. Bei Liebeskummer schafft es unser Körper allerdings meist nicht, das Stresshormon Cortisol zeitnah wieder abzubauen. Und eben dies führt dazu, dass wir uns irgendwann kraftlos fühlen. Weitere Symptome wie zum Beispiel Schmerzen im Brustkorb können sich ebenfalls bemerkbar machen.

Weinen hilft!

Abbauen lässt sich der Stress beispielsweise durch das Weinen. Es hat also einen körperlichen Grund, weshalb Weinen oft als befreiend und entlastend empfunden wird. Irgendwann haben sich die Hormone wieder eingependelt und auch die Entzugserscheinungen lassen wieder nach. Doch bis es so weit ist, durchschreiten wir in der Regel vier Liebeskummerphasen.

Liebeskummerphasen

Jede Person erlebt eine Trennung und Liebeskummer anders. Das ist zum einen abhängig von der Persönlichkeit, aber beispielsweise auch von der Zufriedenheit in der Beziehung und davon, ob man verlassen wurde oder verlassen hat. Dennoch verläuft eine Trennung beziehungsweise der Liebeskummer in vier aufeinanderfolgenden Phasen, in denen sich auch der Liebeskummer unterschiedlich anfühlt

Erste Liebeskummerphase: Das Nicht-Wahrhaben-Wollen

Zu Beginn einer Trennung ist der Schock groß, weshalb das Beziehungsaus häufig ignoriert wird. Stattdessen versucht die verlassene Person meist, den Ex-Partner zurückzugewinnen. Übrigens ist dieser Versuch natürlich nicht immer aussichtslos. In diesem Beitrag geht es aber darum, dass eine Trennung unwiderruflich ist. Dann ist es wichtig, den/die Ex nicht mehr zu kontaktieren und sich die Trennung immer wieder bewusst zu machen

Zweite Liebeskummerphase: Trauerphase

Wenn die Hoffnung in Trauer und Verzweiflung übergeht, befinden wir uns in der zweiten Liebeskummerphase. Dann empfinden wir Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit, weil uns der Partner verlassen hat, wir fragen uns, ob wir jemals wieder so viel für einen Menschen empfinden können und wer überhaupt an der Trennung schuld ist.

Dritte Liebeskummerphase: Neuorientierung

Bis wir die dritte Phase einläuten können, vergeht auf jeden Fall etwas Zeit. Manche Menschen benötigen Monate bis Jahre, um von der zweiten in die dritte Liebeskummerphase übergehen zu können. In der dritten Phase beginnt das Leben wieder Spaß zu machen und nun ist auch der richtige und wichtige Zeitpunkt, die Beziehung langsam zu verarbeiten. Jetzt kann man beispielsweise viel reflektierter und mit mehr Abstand auf das Geschehene blicken.

Vierte Liebeskummerphase: Akzeptanz und neues Leben

In der vierten Phase sind wir bereit, uns mit der Trennung abzufinden und uns wieder komplett und guter Dinge ins Leben zu stürzen. Das muss natürlich nicht heißen, dass man schon wieder bereit für eine neue Beziehung ist. Auf jeden Fall sollte man jetzt nichts übereilen, sondern den Fokus auf die Dinge legen, die einen glücklich machen

8 Tipps gegen Liebeskummer

Gerade in der zweiten Liebeskummerphase können bestimmte Tools und Tipps dazu dienen, dass wir den Liebeskummer besser und schneller verarbeiten und uns stärker als jemals zuvor fühlen

1. Gefühle annehmen

Das Wichtigste bei Liebeskummer ist, dass Sie diesen nicht versuchen zu unterdrücken, sondern all die negativen Gefühle erstmal annehmen und aushalten. Gerade Letzteres ist vor allem für Menschen, die unter starker Verlustangst leiden, sehr schwierig. Experten raten dann dazu, beispielsweise über Meditation zur Ruhe zu kommen. Da Verlustängste meist aus negativen Erfahrungen aus der Kindheit und Jugend rühren, ist es ebenfalls wichtig zu lernen, sein „inneres Kind“ selbst zu trösten, anstatt den Trost im Außen zu suchen.

2. Kummer von der Seele reden

Das heißt natürlich nicht, dass Sie all Ihren Kummer für sich behalten sollen. Bitten Sie Freunde und/oder Familie, jetzt für Sie da zu sein. Da nahestehende Personen natürlich nicht unvoreingenommen sind, vereinbaren Sie am besten, dass Sie sich einfach nur alles von der Seele reden, sich ausweinen und in den Arm genommen werden wollen. Es sei denn, Sie wünschen explizit einen Rat.

3. Negative Aspekte der Beziehung aufschreiben

Ganz sicher werden Ihnen mit der Zeit einige Dinge einfallen, die Sie an der Beziehung gestört haben. Indem Sie diese aufschreiben, können Sie sich in sehr schwierigen Momenten wieder sofort vor Augen führen, was Sie in der Beziehung unglücklich gemacht hat. Zudem können Sie dadurch auch neue Maßstäbe für Ihre zukünftige Beziehung setzen.

4. Gemeinsame Erinnerungen meiden

Egal ob es Orte, Geschenke oder Fotos sind – ist der Liebeskummer noch nicht überwunden, ist es sinnvoll, diese Dinge erstmal wegzupacken und sofern möglich bestimmte Orte zu meiden. Alle Gegenstände wegzuwerfen ist dagegen vielleicht etwas übereilt. Sich irgendwann wieder an schöne gemeinsame Zeiten zu erinnern, gehört nämlich auch zum Aufarbeiten einer Beziehung dazu. Und es wäre doch schlimm, wenn wirklich alle Erinnerungen nur negativ behaftet wären. Solange die Erinnerungen allerdings den Liebeskummer „pflegen“, sollten Sie Abstand davon nehmen.

5. Allein sein

In der ersten Zeit nach der Beziehung werden Sie sich allein und vielleicht auch einsam fühlen. Gerade dann, wenn Sie mit Ihrem Partner zusammengelebt haben, benötigen Sie Zeit, sich wieder an das Alleinsein zu gewöhnen. Anstatt sich nun in jeder freien Minute mit Freunden zu verabreden, versuchen Sie ganz bewusst, Zeit allein zu verbringen und Dinge zu machen, die Ihnen guttun. Lächeln Sie sich zwischendurch auch einfach mal im Spiegel an und sprechen Sie sich Mut zu!

6. Aktivitäten

Neben dem Alleinsein ist es natürlich wichtig, auch wieder unter Leute zu gehen. Füllen Sie diese Zeit ebenfalls ganz bewusst mit Dingen, die Ihnen Spaß machen, Ihnen Energie geben und Sie vielleicht auch herausfordern. Das können sportliche Aktivitäten oder Hobbys sein und natürlich Unternehmungen mit Freunden und Familie.

7. Ziele und Träume

Fragen Sie sich beispielsweise auch, welche Ziele oder Träume Sie aufgrund Ihrer Beziehung immer hintenangestellt haben. Egal ob es eine berufliche Veränderung, eine Reise oder sogar ein Umzug in eine andere Stadt ist – jetzt ist der richtige Zeitpunkt, diese Ziele und Träume anzugehen.

8. Hilfe suchen

Personen, die den Liebeskummer einfach nicht überwinden, unter starker Verlustangst leiden und/oder beispielsweise versuchen, sich durch Drogen oder Schmerz- und Schlafmittel zu betäuben, sollten sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. In einer Therapie oder einem Coaching lernen Sie zum Beispiel, Liebeskummer zu überwinden, Ihre Beziehung zu reflektieren, ihr Selbstwertgefühl zu stärken, optimistisch in die Zukunft zu blicken und möglicherweise für die nächste Beziehung ganz neue Maßstäbe zu setzen.

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