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Was ist eine Hausgeburt?
Unter einer Hausgeburt versteht man die Entbindung eines Kindes in der privaten Wohnung oder im eigenen Haus unter der 1:1 Betreuung einer erfahrenen Hebamme. Sie begleitet euch während der Wehen, überwacht den Geburtsverlauf, sorgt für die nötige Sicherheit und begleitet euch anschließend durchs Wochenbett. Im Gegensatz zur Klinikgeburt findet die Hausgeburt ohne routinemäßige medizinische Eingriffe statt und setzt auf eine natürliche Geburt. Im Falle von Komplikationen muss allerdings ein schneller Transport in ein Krankenhaus gewährleistet sein.
Wie viele Babys werden in Deutschland zu Hause geboren?
Im Jahr 2024 fanden von insgesamt 680.017¹ Geburten in Deutschland 12.932 außerhalb einer Klinik statt (also in Geburtshäusern oder zu Hause). Schätzungsweise erfolgt etwa eine von 100 Geburten zu Hause. Zwar steigt die Zahl der Eltern, die ihr Kind daheim gebären wollen, aber von den insgesamt etwa 19.000 Hebammen in Deutschland bieten nur etwa 500 Geburtshelferinnen Hausgeburten an ².
Quellen
- ¹QUAG e. V. :Geburtenzahlen in Deutschland
- ²Deutscher Fachverband des Hebammenhandwerks e. V. :Das Warum des DFHs!

Eure BIG-Vorteile für Schwangerschaft und Geburt
Für wen eignet sich eine Hausgeburt?
Eine Hausgeburt kommt nur für Schwangere infrage, bei denen die Schwangerschaft ohne Komplikationen verläuft. Das heißt, dass Mutter und Kind gesund sein müssen, das Baby in Schädellage liegt und die Geburt frühestens ab der 38. Schwangerschaftswoche beginnt.
Wichtig ist außerdem, dass eine erfahrene Hebamme die Betreuung übernimmt und eine Geburtsklinik gut erreichbar bleibt, falls ein Notfall eintritt.
Wann ist eine Hausgeburt nicht möglich oder (zu) risikoreich?
Bei Schwangeren mit ...
- Risikoschwangerschaften wie Mehrlingsschwangerschaften, Beckenendlage oder Präeklampsie, untypische Plazentalage (Plazenta praevia totalis oder Plazenta praevia partialis)
- Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes
- einer bekannten Blutgruppenunverträglichkeit
- einer HIV-Infektion
- vorausgegangenen Risikoschwangerschaften, Geburtskomplikationen wie Kaiserschnitten
- überschrittenem Geburtstermin: Bereits ab drei überschrittenen Tagen werden die Kosten der Hausgeburt von gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr übernommen, es sei denn, ihr legt ein gynäkologisches Attest – eine sogenannte Unbedenklichkeitsbescheinigung – vor.
Vorteile einer Hausgeburt
- Vertraute Umgebung:eine vertraute Atmosphäre kann beruhigend wirken und somit Kraft schenken und Ängste reduzieren. Gerade wenn euch eine sterile Krankenhausumgebung stresst.
- Selbstbestimmung und individuelle Gestaltung :Bei einer Hausgeburt könnt ihr den Ablauf weitgehend selbst bestimmen: Wer darf anwesend sein? Welche Position ist angenehm? Soll Musik laufen oder lieber Stille herrschen? Entscheidungen wie diese lassen sich in einem Krankenhaus nur eingeschränkt umsetzen. Diese Freiheit vermittelt vielen Frauen ein starkes Gefühl von Selbstbestimmung.
- Sanfter Start für das Baby:Auch für das Kind kann eine ruhige, häusliche Umgebung von Vorteil sein. Das Neugeborene erlebt weniger fremde Reize, kein grelles Licht, keine lauten Geräusche, sterile Gerüche und kann sich direkt nach der Geburt an sein neues Zuhause gewöhnen.
Weniger medizinische Eingriffe bei Hausgeburten?
Manche Studien deuten darauf hin, dass bei einem Vergleich von risikoarmen Schwangerschaften bei Frauen, die sich für eine Hausgeburt entscheiden, weniger medizinische Interventionen wie Weheneinleitung, PDA, Kaiserschnitt oder eine vaginal-operative Entbindung notwendig sind als in Kliniken. Auf den ersten Blick betrachtet stimmt das. Und sicher kann es sein, dass durch den straff durchgeplanten und oft hektischen Krankenhausalltag eine Geburt schneller vorangetrieben wird und Frauen mehr Stress und Ängste haben und weniger Zeit für individuelle Bedürfnisse ist, was sich dann negativ auf den Geburtsablauf auswirkt.
Allerdings sind in die Studien Hinweise wie etwa die Herkunft der Frau, der Bildungsstand und die mögliche Überzeugung, keine Intervention zu wollen/benötigen, nicht mit eingeflossen.
Nachteile und Risiken einer Hausgeburt
- Eingeschränkte medizinische Möglichkeiten:Der wohl größte Nachteil ist das fehlende medizinische Equipment. Kommt es zu unerwarteten Komplikationen – etwa starker Blutung, auffälligen Herztönen des Babys oder Geburtsstillstand – kann nicht sofort auf alle technischen Hilfsmittel zurückgegriffen werden. Ein Transport ins Krankenhaus kostet wertvolle Zeit.
- Psychische Belastung bei Komplikationen:Auch wenn die Chancen gut stehen, dass alles reibungslos verläuft, kann eine unvorhergesehene Verlegung in ein Krankenhaus für Eltern emotional belastend sein. Die geplante Intimsphäre wird unterbrochen und Ängste können plötzlich stark ansteigen.
- Verantwortung und Organisation:Eine Hausgeburt erfordert viel Vorbereitung: Auswahl der Hebamme, Bereitstellung von Materialien, Organisation eines Notfallplans. Wer sich nicht gut vorbereitet fühlt, erlebt zusätzlichen Stress.
Wann wird eine Hausgeburt abgebrochen?
- Wenn etwa 12 Stunden nach dem Blasensprung immer noch keine Geburtswehen eintreten und die Geburt eingeleitet werden muss.
- Bei einem Geburtsstillstand.
- Wenn das Kind plötzlich doch nicht mehr optimal liegt.
- Wenn die Gebärende zu starke Schmerzen oder Ängste hat.
- Bei zu starker Schwäche oder plötzlich eintretenden Beschwerden wie Fieber.
- Wenn die Herztöne des Kindes zu schwach oder gar nicht mehr vorhanden sind.
- Bei notwendigen medizinischen Interventionen wie PDA, Kaiserschnitt, Saugglocke/Geburtszange usw.
- Bei Gefährdung der Mutter z. B. durch einen extremen Dammriss, zu hohem Blutverlust/starken Blutungen oder einer unvollständigen Plazentaablösung.
Checkliste für eine sichere Hausgeburt
- 1
Sorgfältige medizinische Abklärung und Geburtsvorbereitung
Vor der Entscheidung sollte immer eine umfassende ärztliche Untersuchung erfolgen. Nur wenn Schwangere und Baby gesund sind, kann eine Hausgeburt in Betracht gezogen werden. Zudem sammelt ihr in einem Geburtsvorbereitungskurs wertvolle Tipps und könnt euch mit anderen Schwangeren austauschen und so besser abwägen, welche Entbindungsart zu euren Bedürfnissen passt.Geburtsvorbereitung - 2
Erfahrene Hebamme wählen
Die Wahl der richtigen Hebamme ist entscheidend. Sie sollte nicht nur fachlich qualifiziert, sondern auch menschlich eine Vertrauensperson sein. Eine erfahrene Hebamme erkennt Risiken frühzeitig und leitet bei Bedarf rechtzeitig den Transport ins Krankenhaus ein.Hebammenrufbereitschaft - 3
Betreuung für Geschwisterkinder
Falls ihr bereits Kinder habt, müsst ihr natürlich vor der Geburt klären, ob sie bei der Geburt zu Hause sein dürfen und wollen oder woanders übernachten. Falls sie zu Hause bleiben, benötigt ihr vielleicht trotzdem weitere Aufsichtspersonen.Darum ist ein Geburtsvorbereitungskurs für Geschwister sinnvoll! - 4
Nachbarschaft informieren
Wenn es bei euch hellhörig ist, informiert auch eure Nachbarschaft, um Missverständnisse zu vermeiden. - 5
Notfallplan erstellen
Entwickelt mit eurer Hebamme und weiteren Anwesenden wie eurem/eurer Partner*in einen genauen Plan für den Notfall und klärt die Zuständigkeiten. Dazu gehören z. B. die Telefonnummern der nächsten Klinik, Transportmöglichkeiten (voller Autotank), vorbereitete Unterlagen, aufgeladene Handys, eine gepackte Kliniktasche, eine freie Ein- und Ausfahrt und Wege für eine notärztliche Versorgung und einen Krankentransport.Ich packe meine Kliniktasche: Was muss in die Geburtstasche? - 6
Vorbereitung der Geburtsräumlichkeiten
Für eine Hausgeburt braucht ihr einen sauberen, warmen und gut beleuchteten Raum, ausreichend Handtücher, sterile Materialien und am besten ein Bett, das von drei Seiten zugänglich ist. Eine wasserfeste Unterlage oder eine dünne Folie schützt euer Bett vor Blut, Fruchtwasser etc. Auch das Badezimmer und falls vorhanden eine Bade- oder Geburtswanne bzw. ein Pool (für eine Wassergeburt) sollten vorbereitet und somit sauber und sicher zugänglich sein.Wassergeburt: Vor- und Nachteile - 7
Getränke und energiereiche Snacks
verstehen sich eigentlich von selbst. Denkt bei einer Hausgeburt aber auch daran, dass nicht nur die Mutter ausreichend Stärkung und Flüssigkeit braucht, sondern auch die Hebamme und weitere Begleitpersonen. - 8
Weitere Hausgeburtsutensilien
Möglicherweise braucht ihr weitere Utensilien, um euch die Geburt zu erleichtern. Das können z. B. Massageöl, Gymnastikball, Wärmflasche/Wärmekissen/Wärmestrahler, (rutschfeste) dicke Socken, Haargummis und Haarbänder, Wechselnachthemden und Ähnliches sein. - 9
Offene Kommunikation mit Partner*in und Familie
alle Beteiligten sollten ihre Wünsche, aber auch ihre Ängste offen besprechen. Eine gut informierte Geburtsbegleitung oder Doula kann eine wertvolle Unterstützung sein. - 10
Vorgewärmter Wickelplatz
Zu guter Letzt müssen bei einer Hausgeburt natürlich auch der Wickel- und Schlafplatz vorbereitet und angewärmt sein.
Ob Hausgeburt oder Klinik – letztlich zählt, dass sich die werdende Mutter sicher und gut aufgehoben fühlt. Denn ein positives Geburtserlebnis ist die beste Basis für einen gelungenen Start ins Familienleben.
Häufige Fragen zur Hausgeburt
Quelle
- Zum Weiterlesen:Kriterien zu Geburten im häuslichen Umfeld
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