Body Positivity ist gut, Body Neutrality ist besser!

Letzte Aktualisierung: 20. Februar 2026Lesezeit: 6 Minuten
Wie zufrieden seid ihr mit eurem eigenen Körper? Body Neutrality verschiebt den Fokus weg von dieser Frage. In einer YouGov-Umfrage* gaben drei von fünf Deutschen (59 Prozent) an, dass sie sich in ihrem Körper wohlfühlen. 14 Prozent sind mit ihrem Körper unzufrieden – deutlich mehr Frauen als Männer. Ein Viertel der Befragten fühlt sich weder absolut wohl noch unwohl. Das mag nicht zuletzt an den Schönheitsidealen liegen, die wir in allen Medien zu sehen bekommen. Doch es gibt auch einen Gegentrend zum Schönheitswahn: Neben der Body-Positivity-Bewegung gewinnt Body Neutrality zunehmend an Bedeutung.
Frau steht mit dem Rücken zur Kamera und hält ein Schild mit den Worten "Love your Body" in den Händen

Inhalt

Was bedeutet Body Neutrality?

Die Body-Positivity-Bewegung macht sich dafür stark, dass jeder Körper schön ist. Doch mal ehrlich: Wieso müssen wir uns eigentlich immer als schön betrachten, um uns gut zu fühlen? Und ist das nicht auch wieder Stress, ein Zwang zur Zufriedenheit mit dem eigenen Körper? Und hier kommt Body Neutrality ins Spiel.

Die Bewegung entstand als Weiterentwicklung der Body-Positivity-Bewegung, nachdem viele Menschen den Anspruch, den eigenen Körper ständig lieben zu müssen, als zusätzlichen Druck empfanden. Body Neutrality sollte einen entlastenden Mittelweg schaffen und den Druck reduzieren, den eigenen Körper dauerhaft positiv bewerten zu müssen.

Genau das bedeutet Body Neutrality: den eigenen Körper nicht ständig bewerten zu müssen, weder positiv noch negativ. Statt ihn lieben oder feiern zu müssen, geht es darum, ihn als funktionalen Teil des eigenen Lebens zu akzeptieren.

Im Mittelpunkt steht nicht das Aussehen, sondern das, was der Körper leistet. Er trägt uns durch den Alltag, ermöglicht Bewegung, Begegnung, Arbeit, Genuss und Erholung.

Body Neutrality verschiebt den Fokus von „Wie sehe ich aus?“ zu „Was ermöglicht mir mein Körper?“.

Von Body-Positivity zu Body Neutrality

Wie häufig am Tag hängen eure Stimmung, euer Selbstbewusstsein oder eure Entscheidungen davon ab, wie zufrieden ihr mit eurem Aussehen seid? Viele von uns unterschätzen, wie stark der Körper als Bewertungsmaßstab für das eigene Lebensgefühl dient. Body Neutrality lädt dazu ein, diese Verknüpfung zu lösen. Wenn das Aussehen nicht länger über gute oder schlechte Tage entscheidet, entsteht mehr Stabilität. Der Körper wird nicht mehr zum Projekt, das ständig optimiert oder verteidigt werden muss, sondern zu einem Teil von uns, der schlicht dazugehört. Anstatt Energie in Selbstkritik zu investieren, kann sie in Dinge fließen, die wirklich Bedeutung haben: Beziehungen, Interessen, Erfahrungen, Gesundheit.

Warum Body Neutrality entlasten kann

Wer seinen Selbstwert stark an das eigene Aussehen koppelt, macht sich abhängig von etwas, das meist nicht konstant bleibt. Gewicht, Hautbild, Alter, Trends, äußere Kommentare und unsere Stimmung verändern sich. Wenn das eigene Wohlbefinden daran hängt, schwankt es automatisch mit. Body Neutrality kann hier stabilisieren. Nicht, weil plötzlich alles egal ist, sondern weil das Aussehen nicht mehr die zentrale Bewertungsinstanz darstellt. Das reduziert Druck und schafft emotionalen Spielraum.

Doch wie genau lässt sich Body Neutrality trainieren?

Sich so zu lieben, wie man ist, ist natürlich toll. Aber wir alle kennen diese Tage, an denen wir bestimmte Teile unseres Körpers einfach nicht schön finden. Body Positivity ist nicht verkehrt, aber in eben solchen Momenten begehen wir mit dieser Einstellung schlichtweg Selbstbetrug und zudem ist allein der Fokus darauf wieder problematisch. Body Neutrality ist in der Masse wesentlich hilfreicher. Denn seinen Körper oder sein Aussehen nicht zu mögen, ist total ok. Wichtig ist dann, dass ihr euren Fokus verlagert, anstatt euch zu zwingen, euer Aussehen zu loben.

Verändert die Art eurer Kommunikation

  • Tretet in einen neutralen Selbstdialog, indem ihr wertende Begriffe zu eurem Aussehen vermeidet und versucht, diese Neutralität auch in eure Beobachtungen (beispielsweise, wenn ihr euch im Spiegel betrachtet) einfließen zu lassen. Statt sich zu fragen, ob die Hose der Figur nicht schmeichelt, könntet ihr euch fragen, ob ihr euch wohl in ihr fühlt oder nicht.
  • Vermeidet ständige Gespräche mit Familie oder Freunden über Themen, bei denen Aussehen, Figur, Gewicht oder Kalorien im Fokus stehen.
  • Scrollt durch eure Social-Media-Feeds und fragt euch, welche Accounts eurer Laune und eurem Selbstbild wirklich guttun. Folgt ihr beispielsweise Personen (Influencern), bei denen ausschließlich das (retuschierte) Aussehen und ein künstliches Dauerlächeln im Mittelpunkt stehen? Vielleicht gönnt ihr euch einfach mal eine Auszeit von ihnen und konsumiert stattdessen nur die Medien, bei denen es nicht ständig um vermeintliche Körperideale geht und die dadurch das Hadern mit dem eigenen Aussehen verstärken.

Verändert den Umgang mit eurem Gewicht

  • Wählt euer Essen danach, was euer Körper gerade braucht, worauf ihr Lust habt und wie ihr euch während und danach fühlen wollt, anstatt ein schlechtes Gewissen zu haben oder euer Gewicht damit optimieren zu wollen.
  • Entscheidet euch für Aktivitäten, an denen ihr Freude habt und durch die ihr euch körperlich gut fühlt. Das muss kein schweißtreibender Sport sein. Es kann auch die Gassirunde mit dem Hund, Tanzen oder ein entspannter Spaziergang sein. Auch Tage, an denen ihr euch emotional oder körperlich nicht nach Aktivitäten fühlt, sind total in Ordnung. Pausiert dann ganz bewusst und lasst es euch dabei gut gehen, anstatt ein schlechtes Gewissen zu haben.

Hilfreiche Body-Neutrality-Bekenntnisse

Um den eigenen Körper neutral wertschätzen zu lernen, sind folgende Sätze hilfreich:

  • Danke Körper, dass du mich durch den Tag bringst!
  • Meine Beine sind stark und bringen mich jeden Tag aufs Neue von A nach B!
  • Danke Bauch, dass ich durch deine Hilfe ein Baby austragen kann!
  • Mit meinen Armen kann ich die Menschen umarmen, die ich liebe!
  • Mein Gewicht und Aussehen definiert nicht meinen Wert!
  • Danke, Herz, dass du fleißig schlägst und mich am Leben hälst.
  • Und jetzt seid ihr dran: Welchem Körperteil wollt ihr gerade einfach mal danke sagen und warum?

Gerade für herausfordernde Momente ist es hilfreich, eine Liste mit positiven Bekenntnissen immer griffbereit zu haben, warum euer Körper so wertvoll ist und warum ihr stolz auf ihn sein und Dankbarkeit praktizieren könnt. Und das sogar ohne dafür in den Spiegel schauen zu müssen. 

Wo Body Neutrality an ihre Grenzen stößt

So entlastend der Ansatz sein kann, er ist kein Allheilmittel. Wer stark unter seinem Körperbild leidet oder mit Essstörungen kämpft, braucht meist mehr als einen Perspektivwechsel. Hier kann professionelle Unterstützung notwendig sein. Die BIG ist mit verschiedenen Therapiemöglichkeiten an eurer Seite! Zudem löst Body Neutrality nicht automatisch gesellschaftliche Schönheitsnormen auf. Auch wenn die persönliche Haltung sich verändert, bleiben äußere Bewertungen und Erwartungen bestehen. Neutralität kann helfen, damit gelassener umzugehen, ersetzt aber keine strukturellen Veränderungen. Innere Stärke und Resilienz spielen dabei auch eine Rolle.

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Verfasst von
BIG-Redaktion

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