Kreidezähne – Ursachen und Behandlung

Letzte Aktualisierung: 24. Februar 2026Lesezeit: 5 Minuten
Kreidezähne sind bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland weit verbreitet. Die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, kurz MIH, betrifft laut der 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie etwa 15 Prozent der 12-Jährigen. Expert*innen schätzen die tatsächliche Häufigkeit aufgrund nicht erkannter Fälle auf rund 20 Prozent. Während die Karieshäufigkeit bei Kindern in den vergangenen Jahren deutlich gesunken ist, zählt MIH heute zu den häufigsten Zahnerkrankungen im Kindesalter. Wir erklären euch, was Kreidezähne sind, wie sie entstehen und wie sie behandelt werden.
Eine Zahnärztin untersucht ein Kind mit Kreidezähnen

Inhalt

Was sind Kreidezähne und woran erkennt man sie?

Bei MIH handelt es sich um eine Mineralisationsstörung des Zahnschmelzes, also der äußeren Schutzschicht des Zahns. Das Ausmaß dieser Störung – und damit ihr Erscheinungsbild – ist unterschiedlich. Die Erkrankung kann individuell stark variieren. Es können einzelne, mehrere oder alle Zähne betroffen sein. In schwerwiegenden Fällen ist der Zahn bereits betroffen, wenn er gerade erst zum Vorschein kommt. Das ist ein klarer Hinweis auf MIH. Sichtbar werden Kreidezähne durch:

  1. 1 Verfärbungen: cremeweiße, gelbliche bis braune Flecken auf den Kauflächen oder Schneidezähnen.
  2. 2 Poröse Stellen: Durch die Störung in der Mineralisation ist der Zahnschmelz deutlich anfälliger. Die verfärbten Bereiche sind porös.
  3. 3 Schmerzen/Hypersensibilität: Die betroffenen Zähne sind besonders empfindlich und schmerzen z. B. bei heißen und kalten Nahrungsmitteln oder bei Berührung.
  • Die Medizin unterscheidet bei MIH zwischen drei Härtegraden:Grad I: Zahnschmelzverfärbungen vereinzelt (cremefarben bis braun), Zahnbild ansonsten normal
  • Grad II: Zahnschmelz überwiegend gelb-braun gefärbt, Mineralisationsdefekte gehen über die Kaufläche hinaus, Risiko für Zahnbrüche und Hypersensibilität
  • Grad III: große Bereiche von Zahnschmelzverfärbung betroffen, Schmelzverluste und gesteigerte Hypersensibilität
Kind auf dem Zahnarztstuhl wird untersucht

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Die Zahngesundheitsvorsorge beginnt bereits während der Schwangerschaft. Die ersten Lebenswochen sind im Mutterleib für eine gesunde Zahn- und Kieferentwicklung wichtig. 100.000 Zellen sind daran beteiligt, einen Zahn entstehen zu lassen. Um frühkindliche Karies zu reduzieren, haben auch Kleinkinder unter drei Jahren einen umfassenden Anspruch auf zahnärztliche Vorsorgemaßnahmen. Und das Beste: Ihr könnt gleichzeitig am Bonusprogramm teilnehmen!


 

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Ursachen für Kreidezähne

Die Ursachen für Kreidezähne sind bislang nicht eindeutig geklärt. Die Forschung geht von einem multifaktoriellen Zusammenspiel mehrerer Einflüsse aus, die während der Zahnentwicklung wirken. Als mögliche Ursachen werden unter anderem diskutiert:

  • Weichmacher aus Kunststoffen:insbesondere Bisphenol A. Tierexperimentelle Studien deuten auf einen Zusammenhang hin, ein eindeutiger Nachweis beim Menschen steht jedoch aus. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält einen Zusammenhang derzeit für unwahrscheinlich.
  • Bestimmte Medikamente:vor allem Antibiotika, die in der Schwangerschaft oder frühen Kindheit verabreicht werden.
  • Infektionskrankheiten oder Atemwegserkrankungen im frühen Kindesalter:wie Windpocken, Asthma und Bronchitis.
  • Umweltgifte:wie Dioxine, die in früheren Studien mit Störungen der Zahnschmelzbildung in Verbindung gebracht wurden.
  • Erkrankungen der Mutter in der Schwangerschaft:darunter Infektionen oder Stoffwechselstörungen.
Zahnentwicklung

Die Entwicklung der ersten bleibenden Backenzähne und Schneidezähne beginnt bereits im Mutterleib und dauert etwa bis zum vierten Lebensjahr. Mit dem sechsten Geburtstag ist die Mineralisierung fast aller bleibenden Zähne abgeschlossen – und zwar endgültig. Das heißt, es gibt keine Möglichkeit, Zähne nachträglich zu mineralisieren.

Wie wird MIH behandelt?

Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation lässt sich nicht heilen, jedoch gezielt behandeln. Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und den individuellen Beschwerden. Da betroffene Zähne häufig schmerzempfindlich sind, gestaltet sich die Behandlung insbesondere bei Kindern oft schwierig. Schmerzen bei Berührung oder beim Zähneputzen können dazu führen, dass Kinder Zahnpflege oder Zahnarztbesuche vermeiden beziehungsweise Angst davor haben.

Da MIH-Zähne durch den geschädigten Zahnschmelz besonders anfällig für Karies sind, ist eine konsequente Zahnhygiene besonders wichtig. Empfohlen wird, die Zähne nach jeder Mahlzeit etwa 30 Minuten später mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta zu putzen. So hat der Zahnschmelz Zeit, sich zu remineralisieren und wird nicht zusätzlich angegriffen. Ergänzend raten Zahnärzt*innen häufig zur wöchentlichen Anwendung von Fluorid-Gelee. Außerdem sind regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt, etwa alle drei Monate, sinnvoll.

Im Rahmen der Prophylaxe kann der Zahnarzt hochdosierten Fluoridlack auf die betroffenen Zähne auftragen. Dieser stärkt den Zahnschmelz und schützt vor Karies. Haben sich bereits Rillen oder Defekte gebildet, können diese durch eine Kunststoffversiegelung abgedeckt werden.

Bei mittelschwerer MIH (Grad 2) ist häufig eine restaurative Behandlung, etwa in Form einer Füllung, notwendig. Liegt eine schwere Ausprägung (Grad 3) mit ausgeprägten Zahnschäden und anhaltenden Schmerzen vor, kann der Zahnarzt eine Überkronung oder in Ausnahmefällen auch die Entfernung des betroffenen Zahns in Erwägung ziehen.

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Quelle

  1. IDZ:
    DMS • 6

Wie beugt man Kreidezähnen vor?

Eine gezielte Vorbeugung gegen Kreidezähne ist nur eingeschränkt möglich, da die Ursachen der MIH noch nicht eindeutig geklärt sind. Dennoch gibt es Maßnahmen, mit denen Eltern das Risiko für Zahnschäden verringern und betroffene Zähne schützen können.

Bereits bei Babys ist eine gute Mundhygiene wichtig. Kinder sollten ihre Zähne regelmäßig mit einer altersgerechten, fluoridhaltigen Zahnpasta putzen. Nach säurehaltigen Mahlzeiten oder Getränken empfiehlt es sich, etwa 30 Minuten mit dem Zähneputzen zu warten, um den Zahnschmelz nicht zusätzlich zu belasten.

Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Zuckerhaltige Speisen und Getränke sollten möglichst selten konsumiert werden, da sie das Kariesrisiko bei ohnehin geschwächtem Zahnschmelz erhöhen. Wasser und ungesüßte Tees sind zahnfreundliche Alternativen. Aufgrund des Bisphenol-Verdachts solltet ihr nur BPA-freie Produkte verwenden.

Regelmäßige zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen helfen dabei, Kreidezähne frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln. Zahnärzte können betroffene Zähne durch Fluoridlacke oder Versiegelungen zusätzlich schützen und Eltern individuell beraten. Dann empfiehlt sich übrigens der erste Besuch beim Kieferorthopäden.

Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, Kunststoffprodukte im Alltag bewusst zu reduzieren, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern, auch wenn ein direkter Zusammenhang mit MIH wissenschaftlich noch nicht abschließend belegt ist. Hier findet ihr mehr Zahnpflegetipps für Kinder.

 

Verfasst von
BIG Redaktion

Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.