Zähneknirschen und -pressen: Ursachen, Folgen, Behandlung

Letzte Aktualisierung: 26. Februar 2026Lesezeit: 7 Minuten
20 Prozent der Deutschen tun es dauerhaft, jeder Zweite in seinem Leben zumindest zeitweise – und das, ohne es zu bemerken: Zähneknirschen und Zähnepressen – medizinisch „Bruxismus“ – wird oft durch Stress ausgelöst, aber es gibt auch einige körperliche Ursachen. Über längere Zeit kann das gesundheitliche Folgen für Zähne, Kiefer, Körper und Psyche haben. Wir erklären euch, woran ihr erkennt, dass ihr mit den Zähnen knirscht oder sie presst, welche Ursachen es haben kann und was ihr dagegen tun könnt.
Junge Patientin bei zahnärztlicher Behandlung im Behandlungsstuhl, da sie mit den Zähnen knirscht

Inhalt

Was ist Zähneknirschen und Zähnepressen?

Zähneknirschen wird in der Fachsprache als Bruxismus bezeichnet. Dabei reiben Ober und Unterkiefer unkontrolliert aufeinander. Beim Zähnepressen hingegen werden die Zähne stark aufeinandergepresst, oft ohne typische Knirschgeräusche. Beide Formen treten häufig im Schlaf und kombiniert auf, können aber auch tagsüber unter Stress vorkommen.

Sowohl Knirschen als auch Pressen belasten Zähne, Kiefergelenke und die Kaumuskulatur stark und gelten als wichtige Auslöser funktioneller Kieferbeschwerden.

Ursachen von Zähneknirschen und Zähnepressen

Die Ursachen sind vielfältig und oft individuell verschieden. In vielen Fällen kommen mehrere Faktoren zusammen.

Stress und psychische Belastung

Stress und Ängste gilt als häufigste Ursache für nächtliches Zähneknirschen und -pressen. Sorgen, innere Anspannung, emotionale Belastungen und Schlafstörungen (Insomnie) werden (meist) unbewusst über die Kaumuskulatur verarbeitet.

Fehlstellungen von Zähnen, Kiefer und Zahnersatz

Fehlstellungen der Zähne, ein nicht optimaler Biss oder orthopädische Probleme der Kiefergelenke können dazu führen, dass der Unterkiefer keine stabile und entspannte Position findet. Der Körper versucht diese Fehlbelastung unbewusst auszugleichen, häufig durch Zähnepressen oder Zähneknirschen.

Auch schlecht sitzender Zahnersatz wie Kronen, Brücken oder Prothesen kann den natürlichen Biss verändern. 

Fehlen einzelne Zähne, kann der gegenüberliegende Zahn ohne Gegenspieler langsam aus dem Kiefer herauswachsen. Dadurch verschieben sich die Kontaktpunkte beim Zusammenbeißen, was den Pressdrang verstärkt und das Kausystem dauerhaft überlastet. 

Solche Bissveränderungen gelten als häufige Auslöser von Bruxismus und stehen oft in engem Zusammenhang mit einer CMD.

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Zähneknirschen und Zähnepressen stehen häufig im Zusammenhang mit einer craniomandibulären Dysfunktion kurz CMD. Dabei handelt es sich um eine Funktionsstörung des Kausystems, bei der Zähne, Kiefergelenke, Muskeln und Nerven nicht harmonisch zusammenarbeiten.

Schlafstörungen und Lebensstil

Schlafmangel, unregelmäßige Schlafzeiten und häufige nächtliche Aufwachreaktionen können die Muskelaktivität im Schlaf erhöhen und Zähneknirschen begünstigen. Auch Alkohol, Nikotin und Koffein beeinflussen das Nervensystem und die Schlafqualität. Besonders der Konsum am Abend kann mit Zähneknirschen oder Zähnepressen einhergehen.

Medikamente und neurologische Faktoren

Bestimmte Medikamente oder neurologische Erkrankungen können ebenfalls eine Rolle spielen, sind jedoch seltener die Hauptursache.

Symptome des Zähneknirschens und -pressens

Da das Knirschen meist im Schlaf stattfindet und selbst Tag-Knirscher*innen es unbewusst tun, fallen oft erst Begleitsymptome auf: Kopf- und Nackenschmerzen, ein knackender Kiefer oder eine Art Muskelkater/Druckgefühl im Kiefer sowie Müdigkeit können Hinweise auf Bruxismus sein. Auch ein Blick in den Mund kann helfen, denn bei Menschen, die dauerhaft mit den Zähnen knirschen zeigen sich manchmal Abdrücke der Zähne in Wange und Zunge. Der Zahnarzt erkennt die Folgen des Zähneknirschens meist recht gut und kann eine Behandlung empfehlen.

Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz im menschlichen Körper. Bis er durch das Zähneknirschen angegriffen wird, dauert es eine Weile. Man selbst spürt das dann zum Beispiel durch Schmerzen bei heißen oder kalten Lebensmitteln. Der Zahnarzt erkennt Schäden durch Bruxismus etwa an abgeschliffenen und abgebrochenen Kauflächen oder Schneidezähnen.

Hier noch mal mögliche Symptome des Zähneknirschens und -pressens im Überblick:

  • (Spannungs-)Kopfschmerzen
  • Tinnitus
  • Nacken- und Schulterverspannungen
  • Rückenschmerzen
  • Kieferknacken und -schmerzen
  • Abgeschliffene oder abgebrochene Zähne/Kronen
  • Zahnschmerzen
  • Zahnrisse

Folgen für Kauapparat und Körper

Bleiben Knirschen und/oder Pressen dauerhaft bestehen, hat das Folgen für Zähne, Mundraum und Kiefer – und auch für andere Bereiche des Körpers:

  • Abschleifspuren an Kauflächen und Schneidezähnen
  • Zahnschmerzen
  • Zähne/Zahnkronen können sich verformen, lockern oder abbrechen/ausfallen.
  • Schmerzen im Kiefergelenk
  • Kiefergelenksperre: Die Gelenkscheiben verrutschen, der Mund kann nicht mehr richtig geöffnet werden.
  • muskuläre Verspannungen im Hals- und Kopfbereich
  • Muskelkater (vor allem in den Kaumuskeln)
  • Kopfschmerzen
  • Verspannungen im Hals-Schulter-Bereich
  • Tinnitus
  • Burning-Mouth-Syndrome (BMS) bzw. Mund- und Zungenbrennen

Behandlungsmöglichkeiten bei Zähneknirschen und CMD

Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache und den individuellen Beschwerden.

Aufbissschiene/Beißschiene

Aufbissschienen – auch Knirschschienen genannt – gehören zu den wichtigsten Maßnahmen bei Zähneknirschen, Zähnepressen und CMD. Dabei gibt es unterschiedliche Arten von Schienen, die je nach Ursache und Beschwerdebild eingesetzt werden.

Einfache Beißsschienen dienen in erster Linie dazu, die Zähne vor weiterem Abrieb zu schützen. Sie wirken wie eine Schutzschicht zwischen Ober und Unterkiefer und verhindern Schäden am Zahnschmelz. Auf die Ursache des Knirschens oder Pressens haben sie jedoch nur begrenzten Einfluss.

Okklusionsschienen sind deutlich aufwendiger in der Herstellung und kommen vor allem bei funktionellen Störungen des Kausystems zum Einsatz. Okklusion bezeichnet dabei das Zusammenspiel der Zähne von Ober- und Unterkiefer beim Zusammenbeißen. Die Schienen werden individuell angepasst und basieren auf einer genauen Analyse der Bisslage, der Kiefergelenkposition und der Muskelaktivität. Ziel ist es, Fehlstellungen der Zähne und des Kiefers auszugleichen, ungleichmäßige Zahnkontakte zu korrigieren und das Kiefergelenk zu entlasten. Auch bei fehlenden Zähnen oder veränderten Bissverhältnissen können Okklusionsschienen helfen, das Kausystem wieder in ein physiologisches Gleichgewicht zu bringen.

Welche Schiene sinnvoll ist, hängt von der Ursache der Beschwerden ab und sollte immer individuell zahnärztlich abgeklärt werden. Okklusionsschienen gehören in der Regel nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen. Die Kosten müssen daher in der Regel selbst getragen werden.

Stressmanagement und Entspannung

Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung, Atemtechniken, autogenes Training oder Yoga Nidra können helfen, die Muskelspannung zu reduzieren und den Kiefer bewusst zu entlasten.

Liegen die seelischen Ursachen jedoch tiefer, etwa in Form einer Depression oder Angststörung, sollte versucht werden, diese im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung aufzuarbeiten die BIG unterstützt eure seelische Gesundheit mit unterschiedlichen Angeboten. Eine gezielte Therapie kann dabei helfen, Stress langfristig zu reduzieren und damit auch Zähneknirschen oder Zähnepressen positiv zu beeinflussen.

Physiotherapie und manuelle Therapie

Gezielte physiotherapeutische Übungen und manuelle Therapien und bewegungsorientierte Verfahren wie Gesichtsyoga können Verspannungen lösen und die Kieferfunktion verbessern, insbesondere bei CMD. 

Auch osteopathische Behandlungen können unterstützend wirken. Sie verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz und zielen darauf ab, Spannungen und Funktionsstörungen im gesamten Körper zu erkennen und zu behandeln, die sich auf den Kiefer auswirken können.

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Zahnärztliche und kieferorthopädische Maßnahmen

In manchen Fällen kann eine Bisskorrektur oder eine kieferorthopädische Behandlung sinnvoll sein, etwa wenn ausgeprägte Fehlstellungen vorliegen oder der Biss dauerhaft gestört ist.

Gerade bei komplexen Beschwerden wie Zähneknirschen, Zähnepressen oder CMD ist es jedoch ratsam, sich im Zweifelsfall eine zahnärztliche Zweitmeinung einzuholen. Manche Behandlungsansätze sehen vorschnell umfangreichen Zahnersatz oder sogar das Ziehen von Zähnen vor. Solche irreversiblen Eingriffe können nicht nur mit hohen Kosten verbunden sein, sondern unter Umständen die Beschwerden verstärken oder neue Probleme im Kausystem verursachen. Eine sorgfältige Abklärung und gegebenenfalls interdisziplinäre Beratung sind daher besonders wichtig.

Bewusstsein für Anspannungsmuster

Fragt euch, wann genau ihr Knirscht und presst und entwickelt dadurch ein Bewusstsein für eigene Anspannungsmuster. Viele Betroffene pressen oder knirschen nicht nur nachts, sondern auch tagsüber, etwa bei konzentrierter Arbeit, beim Kochen, Putzen, Lernen und generell unter Stress beziehungsweise in angespannten Situationen. Achtet z. B. darauf, wann eure Schultern hochgezogen sind, wann ihr euren Kiefer verkrampft oder wann Kopfschmerzen auftreten. Ihr kaut oft Kaugummi? Auch das dient oft unbewusst dazu, um Anspannung und Stress buchstäblich zu verarbeiten.

Regelmäßige kurze Entspannungspausen, bewusstes Lockern von Kiefer und Schultern, Meditation sowie kleine Erinnerungen im Alltag und kurz vor dem Schlafengehen können helfen, unbewusstes Pressen frühzeitig zu unterbrechen.

Zähneknirschen bei Kindern

Zähneknirschen und -pressen bei Kindern ist nicht ungewöhnlich. Gerade Babys und Kleinkinder entdecken ihre ersten Zähne und probieren sie aus. Knirschen oder Pressen treten daher insbesondere während der Zahnungsphase häufig auf und gelten zunächst als unbedenklich.

In vielen Fällen lässt das Zähneknirschen nach, sobald alle Milchzähne durchgebrochen sind. Bei manchen Kindern kann es jedoch auch darüber hinaus auftreten, etwa im Vorschul- oder Grundschulalter.

Ältere Kinder knirschen oder pressen häufig in stressigen oder emotional belastenden Situationen, zum Beispiel bei schulischen Anforderungen, Veränderungen im Alltag oder innerer Anspannung. Manchmal lässt sich jedoch kein konkreter Auslöser erkennen.

Eltern sollten aufmerksam beobachten, wann das Zähneknirschen auftritt, und ihr Kind unterstützen, etwa durch eine ruhige Tagesstruktur, ausreichend Entspannung und Gespräche über mögliche Belastungen. Auch wenn zunächst Milchzähne betroffen sind, kann sich das Knirschen verfestigen und bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben.

Hält das Zähneknirschen über längere Zeit an oder klagt das Kind über Schmerzen im Kiefer, Kopf oder Nacken, sollte eine zahnärztliche Abklärung erfolgen.

Verfasst von
BIG Redaktion

Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.