Hyposensibilisierung – Immuntherapie gegen Allergien

    Kind bekommt vom Arzt eine Spritze in den Oberarm

    Husten, Niesen, Jucken – Allergiker sind in ihrem Alltag häufig sehr belastet und eingeschränkt. Verschiedene Maßnahmen und Medikamente schaffen erste Abhilfe. Aber Betroffene wünschen sich natürlich eine dauerhafte Linderung oder gar Beseitigung der Symptome. Für manche von ihnen kann das die sogenannte Hyposensibilisierung bieten. Die Kosten für die Behandlung übernehmen wir. Sie werden ganz einfach über die Versicherungskarte abgerechnet.

    Was ist eine Hyposensibilisierung?

    Die Hyposensibilisierung ist auch als Desensibilisierung oder spezifische Immuntherapie (SIT) bekannt. Sie ist die einzige Arzneimitteltherapie für Allergien, die statt der Beschwerden die Ursachen behandelt. Umgangssprachlich wird sie auch „Allergieimpfung“ genannt, was medizinisch aber nicht korrekt ist, da es sich nicht um eine Impfung handelt.

    Wie funktioniert eine Hyposensibilisierung?

    Dazu muss man zunächst wissen, was eine Allergie überhaupt ist. Ganz vereinfacht gesagt: Allergiker sind überempfindlich gegenüber körperfremden Stoffen. Die Allergie entsteht nach wiederholtem Kontakt mit diesen sogenannten Allergenen – etwa Pollen (Heuschnupfen), Lebensmittel oder andere Substanzen, die durch Hautkontakt oder Atmung in den Körper gelangen. Das körpereigene Abwehrsystem bekämpft dann die eigentlich harmlosen Eindringlinge. Allergien können verschiedene Organe betreffen, doch meistens zeigt sich die allergische Reaktion auf der Haut, in den Schleimhäuten der Augen, in den oberen und unteren Atemwegen und im Verdauungssystem.

    Mit einer Hyposensibilisierung wird das Immunsystem ganz langsam an ein Allergen gewöhnt. Dadurch wird die Abwehrreaktion auf den Stoff gemildert oder im Idealfall vollständig beseitigt. Ein Arzt verabreicht dem Patienten dazu regelmäßig den Auslöser seiner Allergie – per Injektion, Tropfen oder Tabletten. Die Allergen-Dosis wird zunächst nach und nach erhöht bis eine (individuelle) Höchstdosis erreicht ist. Diese wird dann über einen bestimmten Zeitraum weiter verabreicht. Geduld und Selbstdisziplin sind gefragt, denn die Therapie dauert zwischen zwei und fünf Jahren.

    In seltenen Fällen kann bei einer Insektengiftallergie eine lebenslange Immuntherapie notwendig sein.

    Optimaler Start für eine Hyposensibilisierung

    Der beste Zeitpunkt für den Beginn einer Hyposensibilisierung ist während der beschwerdefreien Zeit. Diese können vor allem Pollenallergiker gut eingrenzen. Bei anderen „zeitlosen“ Allergien, etwa gegen Hausstaubmilben, klärt Ihr Arzt mit Ihnen den geeigneten Therapiestart.

    In der Regel wird die Hyposensibilisierung bei Erkrankungen mit Fieber ausgesetzt, dadurch kann sich die Behandlung z. B. während der Wintermonate verzögern.

    Varianten der Hyposensibilisierung

    Eine Hyposensibilisierung kann in Form von Spritzen (subkutane Immuntherapie (SCIT)) oder Tabletten bzw. Tropfen (sublinguale Immuntherapie (SLIT)) erfolgen. Welche der Optionen für Sie am besten geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, z. B. Vorerkrankungen, anderen Medikamenten oder Beschwerden im Mundraum. Ihr Arzt hilft Ihnen, die für Sie am besten geeignete Behandlung zu finden.

    Die Therapie mit Tabletten oder Tropfen hat ein paar Vorteile:

    • Im Vergleich zu einer Hyposensibilisierung mit Spritzen sind weniger Arzttermine notwendig.
    • Sie können die Tropfen selbstständig einnehmen.
    • Die Tropfen sind meist gut verträglich.

    Welche Allergien kommen für die Immuntherapie infrage?

    Eine Hyposensibilisierung eignet sich nicht für jede Allergie. Zugelassene Therapie-Allergene gibt es für:

    • Pollen (Gräser, Getreide, Kräuter und Bäume)
    • Hausstaubmilben
    • Wespen- und Bienengift

    Aber: Die Behandlung kann auch mit nicht zugelassenen Therapie-Allergenen durchgeführt werden, etwa bei einer Katzenhaar- oder Schimmelallergie. Dann kann allerdings nicht garantiert werden, dass immer mit einer ausreichend wirksamen Zusammensetzung behandelt wird.

    Die Immuntherapie kann sowohl Erwachsenen als auch Kindern helfen.

    Präsaisonale Immuntherapie bei Heuschnupfen

    Pollenallergiker können auch wenige Wochen vor Beginn der Blütezeit mit der Behandlung beginnen. Dann werden innerhalb weniger Wochen Injektionen mit steigender Allergen-Dosis verabreicht. Aber auch diese Form der Therapie muss mindestens drei Jahre lang wiederholt werden.

    Hat die Hyposensibilisierung Nebenwirkungen?

    Bei etwa 50 Prozent der Patienten kommt es zu leichten vorübergehenden Nebenwirkungen wie Hautausschlag, tränenden Augen, Niesen oder Müdigkeit und Kopfschmerzen – was bei der Allergen-Verabreichung zu erwarten ist. Sind die Nebenwirkungen zu stark, wird Ihr Arzt die Dosis anpassen.

    Bei der Immuntherapie per Injektion kann es – wenn auch selten – zu einer sehr starken sogenannten anaphylaktischen Reaktion kommen, mit unter anderem starkem Juckreiz, Übelkeit sowie Atem- und Kreislaufbeschwerden bis hin zum anaphylaktischen Schock. Diese allergische Reaktion muss sofort ärztlich mit einer Adrenalinspritze behandelt werden. Daher müssen Patienten zur Sicherheit nach der Behandlung mindestens 30 Minuten in der Arztpraxis bleiben. Falls die anaphylaktische Reaktion zu einem späteren Zeitpunkt auftritt, sollten Sie sofort ärztliche Hilfe holen.

    Die Vor- und Nachteile der Hyposensibilisierung im Überblick

    Vorteile

    • Bekämpfung der Ursachen, nicht nur der Symptome
    • Beschwerden werden dauerhaft gelindert oder sogar vollständig beseitigt.
    • weniger oder keine Medikamente mehr nötig
    • verhindert, dass sich die ursprüngliche Allergie auf weitere Allergene ausweitet (Kreuzallergie) oder sich Asthma entwickelt

    Nachteile

    • Dauer der Therapie: 2 bis 5 Jahre
    • Zeitaufwand bei Behandlung mit Injektionen: regelmäßige Arztbesuche mit 30-Minuten-Sicherheitsaufenthalt
    • keine Erfolgsgarantie
    • Manchmal verstärken sich die Beschwerden nach Ende der Behandlung wieder.
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