Soziale Absicherung der Pflegeperson

    Absicherung der Pflegeperson: Taschenrechner mit Bargeld

    Neben der persönlichen Belastung bedeutet die Pflege von Angehörigen oft auch Einbußen beim Finanziellen. Denn ist der Pflegende berufstätig, muss er seinen Job eventuell aufgeben oder zumindest seine Arbeitszeit einschränken. Wir informieren Sie über die verschiedenen Möglichkeiten der finanziellen Absicherung.

    Beiträge zur Rentenversicherung

    Durch den niedrigeren Verdienst sinken auch die Rentenansprüche des Pflegenden. Um das zu verhindern, kann die BIG unter bestimmten Voraussetzungen Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung übernehmen. Die Pflegeperson muss dazu nicht bei der BIG versichert sein.

    Wann zahlt die BIG die Rentenversicherungsbeiträge für Pflegepersonen?

    Das ist möglich, wenn die Pflege nicht erwerbsmäßig ausgeübt und eine pflegebedürftige Person wöchentlich wenigstens zehn Stunden an mindestens zwei Tagen in der Woche gepflegt wird. Wenn jemand mehrere Menschen pflegt, werden diese Pflegezeiten addiert, um die Mindestanzahl von zehn Stunden zu erreichen. Die BIG zahlt keine Rentenversicherungsbeiträge, wenn die Pflegeperson neben ihrer Pflegetätigkeit mehr als 30 Wochenstunden arbeitet oder bereits eine Altersrente bekommt. Bei Fragen wenden Sie sich gerne an uns.

    Für das Jahr 2020 berechnen wir die Rentenbeiträge nach folgenden monatlichen Beträgen, zahlen also 18,6 Prozent davon an den Rentenversicherungsträger:

    West: (Bezugsgröße 3.185,00 Euro)

    Tabellen Zoom
    PflegegradPflegegeldGeld- und Sachleistung kombiniertSachleistung
    2859,95 €730,96 €601,97 €
    31.369,55 €1.164,12 €958,69 €
    42.229,50 €1.895,08 €1.560,65 €
    53.185,00 €2.707,25 €2.229,50 €

    Ost: (Bezugsgröße 3010,00 €)

    Tabellen Zoom
    PflegegradPflegegeldGeld- und Sachleistungen kombiniertSachleistungen
    2812,70 €690,79 €568,89 €
    31.294,30 €1.100,15 €906,01 €
    42.107,00 €1.790,95 €1.474,90 €
    53.010,00 €2.558,50 €2.107,00 €

    Unfallversicherung

    Pflegepersonen sind in der Unfallversicherung beitragsfrei versichert, wenn sie eine pflegebedürftige Person mit mindestens Pflegegrad 2 an wenigstens 10 Stunden wöchentlich, verteilt auf 2 Tage in der Woche, pflegen. Genauere Infos und Ansprechpartner erhalten Sie im Infoblatt zur Unfallversicherung:

    Beiträge zur Arbeitslosenversicherung

    Unter bestimmten Voraussetzungen zahlt die BIG auch Beiträge zur Arbeitslosenversicherung der Pflegeperson. Bitte melden Sie sich dazu direkt bei uns. Wichtig zu wissen: Wenn sich an Ihrer Situation als Pflegender etwas ändert, Sie zum Beispiel wieder mehr arbeiten oder sich nicht mehr um den Pflegebedürftigen kümmern, geben Sie uns bitte Bescheid – damit verhindern Sie, dass wir zu viel gezahlte Beiträge von Ihnen zurückverlangen müssen.

    Pflegezeit

    Verdienstausfall durch Freistellung von der Arbeit

    Wenn nahe Angehörige pflegebedürftig werden, kann sich die Pflegeperson für eine bestimmte Zeit von der Arbeit freistellen lassen. Ihr Verdienstausfall in dieser Zeit wird teilweise von der Pflegekasse ausgeglichen. Bei längerer Pflegezeit können Sie ein zinsloses Darlehen in Anspruch nehmen. 

    Nahe Angehörige sind:

    • Eltern
    • Großeltern
    • Schwiegereltern
    • Ehepartner oder gleichgeschlechtliche Lebenspartner
    • Geschwister
    • Kinder
    • Adoptiv- oder Pflegekinder des Ehepartner oder gleichgeschlechtlichen Lebenspartners
    • Schwieger- und Enkelkinder
    • Stiefeltern
    • Schwägerinnen und Schwager

    Es gibt verschiedene Modelle für die Pflegezeit

    • bis zu zehn Tage kurzzeitige Arbeitsverhinderung für den Akutfall mit Entgeltersatzleistung
    • bis zu sechs Monate Pflegezeit mit zinslosem Darlehen
    • bis zu 24 Monate Familienpflegezeit mit zinslosem Darlehen

    Kurzzeitige Arbeitsverhinderung bis zu zehn Arbeitstage

    Wenn ein Angehöriger plötzlich Pflege braucht, können sich Arbeitnehmer bis zu zehn Tage unbezahlt von der Arbeit freistellen lassen, um die Pflege zu organisieren. Dies teilen Sie Ihrem Arbeitgeber mit – auch, wie lange Sie voraussichtlich ausfallen. Für den Arbeitgeber benötigen Sie eine ärztliche Bescheinigung über die Pflegebedürftigkeit des nahen Angehörigen.

    Während der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung von bis zu zehn Arbeitstagen bekommen Sie ein Pflegeunterstützungsgeld, das Ihren Verdienstausfall zum Großteil ausgleicht. Das gilt auch, wenn Sie einen Minijob mit bis zu **minijobgrenze** Euro im Monat haben. Das Pflegeunterstützungsgeld zahlt die Pflegekasse der pflegebedürftigen Person.

    Sie bekommen kein Pflegeunterstützungsgeld, wenn Sie durch Ihren Arbeitgeber weiter bezahlt werden oder Kinderkrankengeld beantragen können.

    Wenn Sie Pflegeunterstützungsgeld beantragen möchten, senden Sie uns einfach ein formloses Anschreiben und die ärztliche Bescheinigung über die Pflegebedürftigkeit des Angehörigen.

    Sechs Monate Pflegezeit mit zinslosem Darlehen

    Wenn Sie in einem Unternehmen mit mehr als 15 Beschäftigten arbeiten, können Sie sich zusätzlich bis zu sechs Monate ganz oder teilweise freistellen lassen, um einen nahen Angehörigen zu Hause zu pflegen.

    Für diesen Fall gibt es ein zinsloses Darlehen, das Sie direkt beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantragen. Das Darlehen wird in monatlichen Raten ausgezahlt und deckt die Hälfte des durch die Arbeitszeitreduzierung fehlenden Nettogehalts ab. Sie können auch ein niedrigeres Darlehen beantragen – mindestens jedoch 50,00 Euro monatlich.

    Wenn Sie eine Pflegezeit nehmen möchten, informieren Sie Ihren Arbeitgeber schriftlich bis spätestens zehn Arbeitstage vor dem Beginn der Freistellung. Legen Sie dem Arbeitgeber dafür auch eine Bescheinigung über die Pflegebedürftigkeit Ihres Angehörigen vor. Diese bekommen Sie von der BIG oder vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK).

    Wenn Sie Ihre Arbeitszeit während der Pflege so reduzieren, dass Sie nur noch Arbeitsentgelt für eine geringfügige Beschäftigung im Sinne der Sozialversicherung bekommen und Sie damit nicht mehr pflichtversichert sind, können Sie entweder familienversichert werden oder die Pflegekasse zahlt Beitragszuschüsse für eine freiwillige Weiterversicherung in der Kranken- und Pflegeversicherung.
    Auch die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zahlt die Pflegekasse während der Pflegezeit.

    Bis zu 24 Monate Familienpflegezeit mit zinslosem Darlehen

    Die Familienpflegezeit ist eine Angelegenheit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Sie haben einen Rechtsanspruch darauf, wenn Sie in einem Unternehmen mit mindestens 15 Mitarbeitern arbeiten. Dann können Sie sich bis zu 24 Monate von der Arbeit teilweise freistellen lassen, um einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen zu Hause pflegen. Während der Familienpflegezeit arbeiten Sie wöchentlich mindestens 15 Stunden.

    Ihrem Arbeitgeber müssen Sie eine Bescheinigung über die Pflegebedürftigkeit Ihres Angehörigen vorlegen. Diese bekommen Sie von der Pflegekasse oder dem Medizinischen Dienst (MD).

    Zusätzlich können Sie für die Familienpflegezeit ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantragen. Das Darlehen wird in monatlichen Raten ausgezahlt und deckt die Hälfte des durch die Arbeitszeitreduzierung fehlenden Nettogehalts ab. Sie können auch ein niedrigeres Darlehen beantragen – mindestens jedoch 50,00 Euro monatlich.

    Die Pflegekasse berät Sie gern zu diesem Thema.

    Kündigungsschutz während der Pflegezeit

    Bei allen Pflegezeiten gilt: Ihr Arbeitgeber darf Ihnen nicht kündigen, sobald Sie ihm angekündigt haben, dass Sie sich freistellen lassen, um einen Angehörigen zu pflegen. Das gilt von der Zeit Ihrer Ankündigung bis zur Beendigung dieser Pflegezeit.

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