Podcast Dezember 2015 - Krankenhausstrukturgesetz

Fast jeder von uns muss irgendwann einmal in ein Krankenhaus. Egal ob wegen einer Operation oder aus einem anderen Grund. Und alle, mit denen ich darüber gesprochen habe, sind nur ungern im Krankenhaus. Da gibt es viele Vorurteile: überlastetes Personal, schlechtes Essen, Krankenhauskeime oder auch Operationen, die gar nicht notwendig sind. Damit sich die Situation in Deutschlands Kliniken verbessert, hat die Bundesregierung ein Krankenhausstrukturgesetz verabschiedet – das tritt am 1. Januar in Kraft. Dieses Gesetz haben wir unter die Lupe genommen. Und dazu haben wir noch ein paar ganz praktische Tipps, wenn Sie doch einmal ins Krankenhaus müssen.

Podcast Dezember 2015 - Krankenhausstrukturgesetz

Das Krankenhausstrukturgesetz tritt am 1. Januar 2016 in Kraft. Damit soll die Situation in Deutschlands Kliniken verbessert werden. Dieses Gesetz haben wir unter die Lupe genommen. Und dazu haben wir noch ein paar ganz praktische Tipps, wenn Sie selbst einmal ins Krankenhaus müssen.

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Das Thema

Anfang November wurde das Krankenhausstrukturgesetz in Deutschen Bundestag verabschiedet. Für Gesundheitsminister Hermann Gröhe ein wichtiger Schritt. Er sagte im Bundestag:

„Mit dem Gesetz legen wir die Grundlage für eine gute Weiterentwicklung der qualitativ hochwertigen Krankenhausversorgung in unserem Land. Und die Gewinner sind die Patienten.“

Was steht in diesem Gesetz? Und warum ist es so umstritten? Die Antworten – jetzt:

Die Leitlinien des Gesetzes lassen sich mit vier Begriffen zusammenfassen. Achim Beissel ist Bereichsleiter Stationäre Versorgung bei der BIG. Er beschreibt diese vier Punkte: Gut, versorgt, sicher und nah. Gut bedeutet eine hohe Qualität und Spezialisierung im Krankenhaus. Mit versorgt meint man im Krankenhausstrukturgesetz mehr Pflegepersonal am Krankenbett. Sicher bedeutet, dass mehr Pflegepersonal und finanzielle Mittel für die Hygienevorsorge zur Verfügung gestellt werden. Und nah steht für eine gute Erreichbarkeit und die Stärkung der Notfallversorgung.

Damit sollen auch bisherige Schwachpunkte in der Krankenhausversorgung ausgeräumt werden. „Gut, versorgt, sicher und nah“ sind schöne Begriffe, doch was verbirgt sich dahinter? Was bedeutet das im Einzelnen?

Es tut sich folgendes, dass tatsächlich die Qualität im Krankenhaus verbessert werden soll. Erstmals auch mit einem finanziellen Anreiz für Krankenhäuser. So dass gute Leistungen auch besser bezahlt werden sollen mit Zuschlägen. Aber auch eine schlechte Leistung mit entsprechenden Abschlägen bestraft wird. Wobei die Krankenhäuser immer noch Zeit haben, sich vom schlechten Status wieder zu erholen. Nur wenn sie über einen längeren Zeitraum diese Qualitätsanforderungen nicht schaffen, dass sie dann auch mit Konsequenzen rechnen müssen.

Die Qualität wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss und von einem Institut bewertet, das noch gegründet werden soll. Auch bei Planungen für neue Krankenhäuser soll stärker auf die Qualität geachtet werden. Neben der Qualität geht es aber auch um das Personal: Ich denke schon, dass die Personalsituation im Krankenhaus eine kritische ist, weil der erste Faktor, den man als Kostenmanager schnell beeinflussen kann, die Personalkostensituation ist. Indem weniger Personal, insbesondere im pflegerischen Bereich, dem Krankenhaus zur Verfügung gestellt wird. Man versucht gerade auf der ärztlichen Schiene das nicht durchzusetzen, weil es sich schnell herumspricht, wenn zu wenige Ärzte anwesend sind. Dann fühlt man sich als Patient schlecht versorgt. Aber natürlich haben auch die Ärzte ein Problem nicht nur durch Schichtdienste, Sondern auch durch einen bestimmten wirtschaftlichen Druck nicht mehr alles das, was man gerne machen möchte, eventuell nicht finanziert mehr wird. Krankenhäuser werden immer mehr wie Wirtschaftsunternehmen geführt. Kostendruck und Wettbewerb spielen eine immer größere Rolle. Trotzdem setzt das Gesetz beim Personal an: Und das, was wir als Patienten ja merken, wenn wir im Krankenhaus sind, dass das Pflegepersonal verstärkt werden soll. Denn eine gute Pflege im Krankenhaus bedeutet auch eine entsprechende Mindestanzahl von Pflegepersonen, die dem Krankenhaus zur Verfügung gestellt werden.

Mehr Personal und mehr Qualität kosten natürlich Geld. So werden vom Bund 500 Millionen Euro aus den Reserven des Gesundheitsfonds für Investitionen zur Verfügung gestellt. Außerdem wird ein Pflegestellen-Förderprogramm eingerichtet, aus dem innerhalb von drei Jahren 660 Millionen Euro fließen. Doch woher kommt das Geld?

Das wird hergenommen zum Großteil aus dem Geldbeutel der Beitragszahler. Wir wissen, dass im nächsten Jahr die Diskussion um die Höhe der individuellen Zusatzbeiträge der Krankenkassen zunehmen wird.

Das ist auch ein großer Kritikpunkt an diesem Gesetz. Viele Krankenkassen werden gezwungen sein, einen Zusatzbeitrag zu verlangen. Und den zahlen am Ende die Versicherten.

Tipp des Monats

Wer ins Krankenhaus muss, der muss auch eine Zuzahlung leisten. Keine große Summe, aber immerhin. Und wenn Ihnen der übliche Standard ihrer Behandlung nicht ausreicht, dann können Sie auch Wahlleistungen dazu bestellen. Allerdings auf eigene Kosten. Außerdem müssen Sie auch nicht in das Krankenhaus, das nah an ihrem Wohnort ist. Sie haben freie Wahl. Wir haben diese und andere Tipps:

Egal ob Verletzungen durch einen Unfall, Probleme mit dem Herzen, eine geplante Operation oder eine Krebsbehandlung. Die Gründe für einen Krankenhausaufenthalt sind vielfältig. Für Mitglieder der Gesetzlichen Krankenversicherung – und das sind die meisten von uns – heißt das, eine Zuzahlung wird fällig. Achim Beissel, Bereichsleiter Stationäre Versorgung bei der BIG, erklärt, die grundsätzliche medizinische Versorgung, die Behandlung, ist frei:

Diese Kosten sind für den Patienten frei. Aber der Patienten hat einen Eigenanteil zu leisten von 10 Euro je Kalendertag. Maximal allerdings 28 Tage im Kalenderjahr. Es wird gesagt, man hat beim Krankenhausaufenthalt eine gewisse Einsparung an Lebenshaltungskosten. Es gibt Frühstück, Mittagessen, Abendessen, dafür zahlt man diese Eigenbeteiligung von 10 Euro. Im Höchstfall also 280 Euro. Wer besondere Leistungen im Krankenhaus haben will, der muss in die eigene Tasche greifen:

Das nennt sich auch Wahlleistungen. Darüber werde ich bei der Aufnahme auch informiert, ob ich das ganz normale Standardprogramm möchte oder aber im Rahmen der Unterbringung und Verpflegung mir etwas Besseres dazu kaufen möchte. Das Einbett-Zimmer oder das Zweibett-Zimmer. Ich habe aber auch die Möglichkeit, mir eine andere medizinische Versorgung vom Chefarzt zu kaufen. Also, die Chefarzt-Behandlung. Beides sind allerdings Leistungen, die die gesetzliche Krankenversicherung nicht finanziert.

Ähnlich wie bei den selbst zu zahlenden IGeL-Leistungen in der Arztpraxis. Eine freie Wahl gibt es auch bei der Auswahl des Krankenhauses. Wird man vom Haus- oder Facharzt in ein bestimmtes Krankenhaus überwiesen, dann muss man sich nicht unbedingt daran halten. Allerdings ist es meistens sinnvoll:

Es macht in der Regel Sinn, sich mit seinem Hausarzt über das geeignete Krankenhaus zu informieren und auszutauschen. Weil es ja einen Grund gibt, warum der Hausarzt oder der Facharzt, mich in ein bestimmtes Haus einweisen möchte. Wenn ich mich für ein anderes Krankenhaus entscheide, weil ich die Wahlfreiheit habe, dann kann ich das tun. Einziger Wermutstropfen ist, dass bestimmte Kosten, die dadurch entstehen, beispielsweise Fahrtkosten, nur zum nächste erreichbaren geeigneten Krankenhaus von der GKV übernommen werden.

Wer also in Dortmund lebt, aber unbedingt in ein Hamburger Krankenhaus möchte, der zahlt die Fahrtkosten selbst. Es sei denn, es ist medizinisch notwendig.

Das Gleiche gilt, wenn Eltern gerne bei ihren Kindern sein wollen, wenn diese ins Krankenhaus müssen.

Auch hier gilt die Regel, dass es medizinisch notwendig sein muss. Weil es nicht geht, dass alle Eltern ihre Kinder begleiten können. Dann hätten wir ein Platzproblem in den Krankenhäusern. Aber wenn es eine medizinische Indikation gibt, dann wird ein Elternteil mit aufgenommen Das ist auch Kostenfrei für die begleitende Person. Das Krankenhaus rechnet dann mit der Krankenkasse direkt ab.

Einen guten Überblick über Krankenhäuser in ihrer Nähe, deren Besonderheiten und sogar mit Bewertungen gibt das Onlineportal unter www.Weisseliste.de.

Hier noch einmal die Internetadresse zum Portal, das eine Übersicht über Deutschlands Krankenhäuser bietet: www.weisseliste.de

Und selbst, wenn es vorkommt, dass Sie oder einer ihrer Lieben Weihnachten im Krankenhaus verbringen müssen, das muss nicht zwingend ganz traurig sein. Viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf den Stationen kümmern sich rührend darum, ein wenig besinnliche Stimmung zu verbreiten. In einigen Krankenhäusern gibt es sogar Konzerte oder andere Veranstaltungen, die zur Weihnachtszeit passen. Dafür ein herzliches Dankeschön an alle, die dabei mitmachen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und einen tollen Start ins neue Jahr. Bis zum nächsten Mal und bleiben Sie gesund. Tschüss.

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