3-D-Illustration von Affenpockenviren

Affenpocken in Deutschland – besteht Grund zur Sorge?

Wirft man aktuell einen Blick in die Medien, fühlt man sich schnell zurückversetzt an den Beginn der Corona-Pandemie – jeden Tag eine neue Schlagzeile über Affenpocken. Die Regierung gibt Entwarnung: Es stehe uns keine neue Pandemie bevor, Vorsicht sei trotzdem geboten. Hier finden Sie alle aktuellen Infos zu Affenpocken.

Was sind Affenpocken?

Affenpocken sind eine Virusinfektion und eng verwandt mit den heute als ausgerottet geltenden menschlichen Pocken (Variola). Bei Affenpocken handelt es sich um eine sogenannte Zoonose, also eine Krankheit, die wechselseitig zwischen Tieren und Menschen übertragen werden kann. Zwar wurde sie zuerst bei Affen entdeckt, ihre Hauptwirte sind aber tatsächlich Nagetiere wie Ratten, Bilche (Schlafmäuse) oder Spitzmäuse. Affen und Menschen sind Fehlwirte für das Affenpocken-Virus.

Welche Symptome lösen Affenpocken aus und wie verläuft die Erkrankung?

Zu den frühen Anzeichen einer Infektion mit Affenpocken zählen grippeähnliche Symptome wie Fieber, Muskel-, Gelenk- und Rückenschmerzen sowie geschwollene Lymphknoten und Abgeschlagenheit.

Nach wenigen Tagen zeigt sich dann der namengebende Hautausschlag, zunächst als kleine Erhebungen, die sich später zu den charakteristischen sekretgefüllten Bläschen entwickeln. In den meisten Fällen tauchen die Pusteln zuerst im Gesicht auf und breiten sich von dort auf den ganzen Körper aus – bis hin zu Handflächen und Fußsohlen, Mundschleimhaut und Genitalien. Auch die Bindehaut oder Augenhornhaut können betroffen sein.

Ähnlich wie bei Windpocken oder Herpes verkrusten die Pusteln und fallen schließlich ab. Dabei können sie kreisförmige Narben hinterlassen.

Eine Infektion mit Affenpocken verläuft meist mild und heilt in der Regel innerhalb weniger Wochen aus. Schwere oder gar tödliche Verläufe sind selten.

Aktuelle Empfehlung des RKI

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt eine Isolierung von Infizierten bis zum Abfall der Krusten, aber mindestens von 21 Tagen. Für enge Kontakte rät das RKI zu einer Quarantäne von 21 Tagen.

Wie ansteckend ist die Erkrankung?

In Afrika stecken sich Menschen meist durch den Verzehr von oder den Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Ausscheidungen mit Affenpocken an. Für die seltene Übertragung von Mensch zu Mensch ist ein enger Kontakt nötig, denn – soweit der aktuelle Wissensstand – Affenpocken werden durch Schmier- und Tröpfcheninfektion übertragen.

Insbesondere das wässrige Sekret der Pusteln und die verschorfte Haut sind sehr infektiös. Das gilt auch für kontaminierte Gegenstände wie Kleidung oder Bettwäsche. Aber auch Körperflüssigkeiten wie Speichel können das Virus übertragen. Eine Tröpfcheninfektion ist zudem schon möglich, bevor der Hautausschlag auftritt. Man kann sich also z. B. im längeren Gespräch mit Infizierten über Speicheltröpfchen anstecken.

Die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der ersten Symptome – beträgt bei Affenpocken sieben bis 21 Tage.

Affenpocken sind keine explizit sexuell übertragbare Krankheit. Dennoch ist die Ansteckungsgefahr durch engen Körperkontakt beim Geschlechtsverkehr sehr hoch.

Droht eine neue Pandemie?

Bislang sind sich Experten einig, dass es zu keiner Affenpocken-Pandemie kommen wird. Das Virus ist deutlich weniger ansteckend als Covid, da es fast nur durch engen Körperkontakt bzw. Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen wird.

Zudem haben Affenpocken eine vergleichsweise lange Inkubationszeit, in der die Infizierten ersten Erkenntnissen zufolge wenig ansteckend sind, da sich noch keine infektiösen Pusteln gebildet haben.

Gibt es eine Impfung gegen Affenpocken?

Wegen der Verwandtschaft zu den menschlichen Pocken, sollen die Impfstoffe gegen diese auch einen gewissen Schutz vor den Affenpocken bieten. Zwei Pocken-Impfstoffe kommen dazu infrage.
  1. Der erste Pocken-Impfstoff ist ein Lebendimpfstoff, der über Jahrzehnte verabreicht wurde. Diese Impfung war in Deutschland bis 1976 verpflichtend; Anfang der 1980er wurde die Impfpflicht endgültig ausgesetzt. Menschen über 50 Jahren haben diese Pocken-Impfung demnach noch erhalten und besitzen somit noch einen gewissen Schutz vor Pocken – und wegen der großen Ähnlichkeit wahrscheinlich auch vor Affenpocken. Unklar ist aber, wie hoch der Impfschutz nach dieser langen Zeit tatsächlich noch ist.
  2. Der zweite Pocken-Impfstoff ist der Impfstoff Imvanex. Er ist seit 2019 in den USA und Kanada gegen die Pocken und die Affenpocken zugelassen. In der EU gilt die Zulassung offiziell nur gegen die Pocken, er wird aber auch gegen die Affenpocken eingesetzt. Imvanex enthält zwar ebenfalls Lebendviren, diese sind aber so verändert, dass sie sich anders als beim alten Impfstoff nicht vermehren können. Geimpfte können auch keine anderen Menschen anstecken. Er ist zudem besser verträglich. Die Schutzwirkung von Imvanex gegenüber Affenpocken soll bei 85 Prozent liegen.

Die Bundesregierung hat inzwischen 240.000 Imvanex-Dosen geordert. Bereits im Juni sollen die ersten 40.000 Einheiten davon geliefert werden. Sie sollen vor allem für die Impfung von Kontaktpersonen genutzt werden als sogenannte Ringimpfungen. Eine Impfung der allgemeinen Bevölkerung sei laut Bundesgesundheitsministerium bislang nicht im Gespräch.

Was mache ich beim Verdacht auf Affenpocken?

Auch wenn die Krankheit äußerst selten ist: Wenn Sie unter den oben genannten Symptomen leiden und/oder einen ungewöhnlichen Ausschlag an sich bemerken bzw. einen konkreten Verdacht auf Affenpocken haben, sollten Sie ihren Hausarzt oder gegebenenfalls eine HIV-Schwerpunktpraxis telefonisch kontaktieren.

Hatten Sie engen Kontakt zu einer infizierten Person, rät das RKI, dies dem lokalen Gesundheitsamt zu melden. Bei ersten Symptomen sollten Sie den Kontakt zu anderen Menschen vermeiden.

Diagnose von Affenpocken

Bisher wird nur in bestimmten Fällen eine Labordiagnostik für Affenpockenviren angeordnet. Voraussetzung sind die entsprechenden Symptome und zusätzlich

  • Tierkontakt,
  • Aufenthalt in einem Endemiegebiet (Zentral- und Westafrika) oder
  • enger Kontakt zu einer mit Affenpocken infizierten Person.

Aufgrund der aktuellen Lage sollen laut RKI eventuell demnächst auch Menschen mit unklaren pockenähnlichen Hautveränderungen, auf die die zusätzlichen Kriterien nicht zutreffen, für eine Labordiagnostik infrage kommen.

Wie wird die Erkrankung behandelt?

In der Regel heilen Affenpocken innerhalb weniger Wochen von allein aus. Symptome wie Fieber und Schmerzen können bei Bedarf mit Medikamenten gelindert werden.

Das Medikament Tecovirimat kann die Vermehrung der Viren im Körper hemmen. Es wird Patienten mit schweren Verläufen oder Immunschwäche verabreicht.

Nach Angaben der US-Seuchenschutzbehörde (Centers for Disease Control and Prevention, kurz CDC) kann der Impfstoff Imvanex den Ausbruch von Symptomen verhindern, sofern der Patient die Impfung innerhalb von vier Tagen nach der Ansteckung erhält.

Welche Vorsichtsmaßnahmen kann ich treffen?

Im Kontakt mit Infizierten sollten Sie infektiöse Hautveränderungen nicht berühren. Ein Mund-Nasen-Schutz kann zudem eine Infektion über Tröpfchen verhindern, die Infizierte beim Sprechen, Husten und Niesen an die Umgebung abgeben.

Menschen, die gegen Pocken geimpft sind, haben nach aktuellen Erkenntnissen in gewissem Maße auch einen Schutz vor Affenpocken.

Video: Affenpocken – nächste Pandemie oder harmloser Infekt?

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Affenpocken – nächste Pandemie oder harmloser Infekt?

Aktuell verbreiten sich die Affenpocken immer weiter und bei vielen Menschen steigt die Sorge vor einer neuen Pandemie. Wir erklären im Video, was hinter der Erkrankung steckt und ob wirklich Grund zur Sorge besteht.

Weitere Infos zu Affenpocken finden Sie auf der Website des RKI