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3-D-Illustration von Affenpockenviren

Affenpocken in Deutschland – besteht Grund zur Sorge?

In Europa und auch in Deutschland gibt es seit Mai 2022 Fälle von Affenpocken. Zum Glück ist die Erkrankung meistens nicht schwerwiegend. Wir haben aktuelle Informationen über Ansteckung, Symptome, Schutz und Impfung zusammengestellt.

Was sind Affenpocken?

Affenpocken sind eine Virusinfektion und eng verwandt mit den heute als ausgerottet geltenden menschlichen Pocken (Variola). Bei Affenpocken handelt es sich um eine sogenannte Zoonose, also eine Krankheit, die wechselseitig zwischen Tieren und Menschen übertragen werden kann. Zwar wurde sie zuerst bei Affen entdeckt, ihre Hauptwirte sind aber tatsächlich Nagetiere wie Ratten, Bilche (Schlafmäuse) oder Spitzmäuse. Affen und Menschen sind Fehlwirte für das Affenpocken-Virus.

Gibt es eine Impfung gegen Affenpocken?

Ja. Der Impfstoff Imvanex/Jynneos ist bereits 2013 als Impfstoff für Pocken zugelassen worden und im Juli 2022 auch als Schutzimpfung gegen Affenpocken in der Europäischen Union (EU) und damit auch in Deutschland. In den USA ist der Impfstoff unter dem Namen Jynneos und in Kanada unter dem Namen Imvamune bereits seit mehreren Jahren gegen Affenpocken zugelassen.

Es handelt sich um einen Lebendimpfstoff mit Viren, die im Menschen nicht vermehrungsfähig sind. Der Impfstoff beruht auf einem abgeschwächten Kuhpockenvirus (modifiziertes Vaccinia-Virus Ankara, MVA-Impfstoff). 

Derzeit wird in Deutschland mit dem Impfstoff Jynneos geimpft. Da aktuell nicht genug Impfstoff vorrätig ist, um alle Personen, die in der Impfempfehlung umfasst sind, zu impfen, sollen aktuell zunächst die Erstimpfungen durchgeführt werden. Diese bieten bereits einen sehr guten Schutz. Dafür sollte die zweite Impfstoffdosis etwas später gegeben werden. 

Die Kosten der Impfung werden bei Personen, für die das RKI eine Impf-Empfehlung gibt, direkt bequem über die Versichertenkarte abgerechnet.

RKI empfiehlt die Impfung für folgende Menschen

  • Personen, die ein erhöhtes Risiko haben, sich mit Affenpocken angesteckt zu haben (Postexpositionsprophylaxe) Dazu zählen laut RKI Personen, die Kontakt zu Menschen hatten, die an Affenpocken erkrankt sind:

    -Enge körperliche Kontakte über nicht intakte Haut oder über Schleimhäute (z.B. sexuelle Kontakte, zwischenmenschliche Kontakte von Familienangehörigen) oder längerer ungeschützter face-to-face-Kontakt <1m mit einer an Affenpocken erkrankten Person (z.B. Haushaltskontakte).
    -Nach engem Kontakt ohne ausreichende persönliche Schutzausrüstung (Handschuhe, FFP2-Maske/medizinischer Mund-Nasenschutz und Schutzkittel) zu einer Person mit einer bestätigten Affenpockenerkrankung, ihren Körperflüssigkeiten oder zu kontaminiertem potenziell infektiösen Material (z.B. Kleidung oder Bettwäsche von Erkrankten) in der medizinischen Versorgung.
    -Personal in Laboratorien
  • Personen, bei denen ein erhöhtes Risiko für einen Kontakt zu einer infizierten Person oder zu infektiösen Laborproben besteht (sogenannte Indikationsimpfung). Dazu zählt das RKI aktuell Männer ab 18 Jahren, die Sex mit Männern haben und dabei häufig die Partner wechseln.
    Personal in Speziallaboratorien, das gezielte Tätigkeiten mit infektiösen Laborproben, die Orthopockenmaterial enthalten, ausübt und nach individueller Risikobewertung durch den Sicherheitsbeauftragten als infektionsgefährdet eingestuft wird.

Welche Symptome lösen Affenpocken aus und wie verläuft die Erkrankung?

Zu den frühen Anzeichen einer Infektion mit Affenpocken zählen grippeähnliche Symptome wie Fieber, Muskel-, Gelenk- und Rückenschmerzen sowie geschwollene Lymphknoten und Abgeschlagenheit.

Nach wenigen Tagen zeigt sich dann der namengebende Hautausschlag, zunächst als kleine Erhebungen, die sich später zu den charakteristischen sekretgefüllten Bläschen entwickeln. In den meisten Fällen tauchen die Pusteln zuerst im Gesicht auf und breiten sich von dort auf den ganzen Körper aus – bis hin zu Handflächen und Fußsohlen, Mundschleimhaut und Genitalien. Auch die Bindehaut oder Augenhornhaut können betroffen sein.

Ähnlich wie bei Windpocken oder Herpes verkrusten die Pusteln und fallen schließlich ab. Dabei können sie kreisförmige Narben hinterlassen.

Eine Infektion mit Affenpocken verläuft meist mild und heilt in der Regel innerhalb weniger Wochen aus. Schwere oder gar tödliche Verläufe sind selten.

Aktuelle Empfehlung des RKI

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt eine Isolierung von Infizierten bis zum Abfall der Krusten, aber mindestens von 21 Tagen. Für enge Kontakte rät das RKI zu einer Quarantäne von 21 Tagen.

Wie ansteckend ist die Erkrankung?

In Afrika stecken sich Menschen meist durch den Verzehr von oder den Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Ausscheidungen mit Affenpocken an. Für die seltene Übertragung von Mensch zu Mensch ist ein enger Kontakt nötig, denn – soweit der aktuelle Wissensstand – Affenpocken werden durch Schmier- und Tröpfcheninfektion übertragen.

Insbesondere das wässrige Sekret der Pusteln und die verschorfte Haut sind sehr infektiös. Das gilt auch für kontaminierte Gegenstände wie Kleidung oder Bettwäsche. Aber auch Körperflüssigkeiten wie Speichel können das Virus übertragen. Eine Tröpfcheninfektion ist zudem schon möglich, bevor der Hautausschlag auftritt. Man kann sich also z. B. im längeren Gespräch mit Infizierten über Speicheltröpfchen anstecken.

Die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der ersten Symptome – beträgt bei Affenpocken sieben bis 21 Tage.

Affenpocken sind keine explizit sexuell übertragbare Krankheit. Dennoch ist die Ansteckungsgefahr durch engen Körperkontakt beim Geschlechtsverkehr sehr hoch.

Droht eine neue Pandemie?

Bislang sind sich Experten einig, dass es zu keiner Affenpocken-Pandemie kommen wird. Das Virus ist deutlich weniger ansteckend als Covid, da es fast nur durch engen Körperkontakt bzw. Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen wird.

Zudem haben Affenpocken eine vergleichsweise lange Inkubationszeit, in der die Infizierten ersten Erkenntnissen zufolge wenig ansteckend sind, da sich noch keine infektiösen Pusteln gebildet haben.

Was mache ich beim Verdacht auf Affenpocken?

Auch wenn die Krankheit äußerst selten ist: Wenn Sie unter den oben genannten Symptomen leiden und/oder einen ungewöhnlichen Ausschlag an sich bemerken bzw. einen konkreten Verdacht auf Affenpocken haben, sollten Sie ihren Hausarzt oder gegebenenfalls eine HIV-Schwerpunktpraxis telefonisch kontaktieren.

Hatten Sie engen Kontakt zu einer infizierten Person, rät das RKI, dies dem lokalen Gesundheitsamt zu melden. Bei ersten Symptomen sollten Sie den Kontakt zu anderen Menschen vermeiden.

Diagnose von Affenpocken

Bisher wird nur in bestimmten Fällen eine Labordiagnostik für Affenpockenviren angeordnet. Voraussetzung sind die entsprechenden Symptome und zusätzlich

  • Tierkontakt,
  • Aufenthalt in einem Endemiegebiet (Zentral- und Westafrika) oder
  • enger Kontakt zu einer mit Affenpocken infizierten Person.

Aufgrund der aktuellen Lage sollen laut RKI eventuell demnächst auch Menschen mit unklaren pockenähnlichen Hautveränderungen, auf die die zusätzlichen Kriterien nicht zutreffen, für eine Labordiagnostik infrage kommen.

Wie wird die Erkrankung behandelt?

In der Regel heilen Affenpocken innerhalb weniger Wochen von allein aus. Symptome wie Fieber und Schmerzen können bei Bedarf mit Medikamenten gelindert werden.

Das Medikament Tecovirimat kann die Vermehrung der Viren im Körper hemmen. Es wird Patienten mit schweren Verläufen oder Immunschwäche verabreicht.

Nach Angaben der US-Seuchenschutzbehörde (Centers for Disease Control and Prevention, kurz CDC) kann der Impfstoff Imvanex den Ausbruch von Symptomen verhindern, sofern der Patient die Impfung innerhalb von vier Tagen nach der Ansteckung erhält.

Welche Vorsichtsmaßnahmen kann ich treffen?

Im Kontakt mit Infizierten sollten Sie infektiöse Hautveränderungen nicht berühren. Ein Mund-Nasen-Schutz kann zudem eine Infektion über Tröpfchen verhindern, die Infizierte beim Sprechen, Husten und Niesen an die Umgebung abgeben.

Menschen, die gegen Pocken geimpft sind, haben nach aktuellen Erkenntnissen in gewissem Maße auch einen Schutz vor Affenpocken.

Video: Affenpocken – nächste Pandemie oder harmloser Infekt?

Affenpocken – nächste Pandemie oder harmloser Infekt?

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Affenpocken – nächste Pandemie oder harmloser Infekt?

Aktuell verbreiten sich die Affenpocken immer weiter und bei vielen Menschen steigt die Sorge vor einer neuen Pandemie. Wir erklären im Video, was hinter der Erkrankung steckt und ob wirklich Grund zur Sorge besteht.

Weitere Infos zu Affenpocken finden Sie auf der Website des RKI