Bulimie: Weshalb die Essstörung entsteht – und was Betroffenen hilft

Letzte Aktualisierung: 17. Dezember 2025Lesezeit: 4 Minuten
Bulimie ist mehr als nur übermäßiges Essen und dann Erbrechen. Sie ist eine ernsthafte psychische Erkrankung, die mit großem Leid verbunden ist. Wir zeigen dir, wie die Essstörung entsteht und wo Erkrankte Hilfe finden.

Frau betrachtet sich im Spiegel

Inhalt

Bulimie ist eine psychische Erkrankung und gehört zu den Essstörungen. Betroffene verlieren die Kontrolle über ihre Ernährung und leiden immer wieder unter Essanfällen. Da sie sich selbst als zu dick empfinden, greifen sie im Anschluss oft zu drastischen Maßnahmen, um die aufgenommenen Kalorien wieder loszuwerden. Das Problem: Viele Betroffene erscheinen ihrer Umwelt normalgewichtig und verheimlichen die Erkrankung aus Scham. Dennoch leiden sie unter gesundheitlichen und psychischen Folgen – mit erhöhtem Risiko für Suizid, Organprobleme und lebensbedrohliche Zustände. Es gibt wirksame Therapieformen, und je früher behandelt wird, desto größer ist die Chance auf Erholung.

Was ist Bulimie?

Bulimia nervosa wird auch oft Ess-Brech-Sucht genannt und ist eine psychische Erkrankung, bei der sich zwei Hauptsymptome abwechseln.

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    Essanfälle

    Mehr als zwei Mal pro Woche wird vieles und schnell gegessen, oft große Mengen von kalorienreicher Nahrung in kurzer Zeit, oft begleitet von Gefühlen des Kontrollverlusts. Das Ganze ist nicht nur über wenige Tage der Fall, sondern über einen längeren Zeitraum von mindestens drei Monaten.
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    Gegenmaßnahmen

    Danach versuchen Erkrankte durch radikale Gegenmaßnahmen eine Gewichtszunahme zu verhindern, etwa Erbrechen, übertriebene sportliche Betätigung, Fasten, strenge Diäten oder Einsatz von Abführmitteln.

Es liegt ein suchtartiges, zwanghaftes Verlangen nach Essen vor. Neben der Angst zuzunehmen, haben Betroffene auch ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper. Häufig wird die Krankheit geheim gehalten: aus Scham oder Angst vor Ablehnung.

Anzeichen – woran du Bulimie erkennst

Auch wenn Bulimie-Betroffene häufig äußerlich unauffällig sind, gibt es Hinweise. Hellhörig solltest du werden, wenn eine Person:

  • sich starke Sorgen um das eigene Gewicht macht. Ständig Diät hält, Kalorien zählt und auffallend gut über Inhaltsstoffe in Lebensmitteln Bescheid weiß.
  • unerreichbare Wunschgewichte oder unrealistische Zielvorstellungen hat.
  • vermeidet, Mahlzeiten in Gesellschaft einzunehmen – oder wenn „nur ganz gesunde“ Lebensmittel isst, wenn andere dabei sind.
  • große Mengen ungesunder Lebensmittel kauft, oft heimlich. Manchmal haben Betroffene dadurch sogar finanzielle Probleme.
  • sich isoliert und kaum oder gar keine sozialen Kontakte mehr pflegt.
  • Essensverstecke oder ungewöhnliche Vorräte von Lebensmitteln hat.
  • Abführmitteln oder Medikamenten benutzt, um das Gewicht zu kontrollieren oder sich häufig erbricht.

Mögliche Auslöser – wer ist besonders gefährdet?

Bulimie entsteht meist nicht durch einen einzelnen Grund, sondern durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Dazu können zählen:

 

- Niedriges Selbstwertgefühl und Unzufriedenheit mit dem Aussehen

- Soziale Umstände: Konflikte in Familie/Freundeskreis, Missbrauch oder Gewalt in der Vergangenheit

- Genetische Veranlagung

- Einflüsse durch Medien und soziale Netzwerke, die unrealistische Schönheitsideale verbreiten

 

Von Bulimie sind überwiegend junge Frauen betroffen. 85 Prozent der Erkrankten sind weiblich. Doch auch immer mehr Männer leiden unter der Essstörung.

Gesundheitliche Folgen – was Bulimie mit Körper und Psyche macht

Bulimie belastet den Körper auf verschiedene, zum Teil gefährliche, Arten:

  • Störungen im Elektrolythaushalt (z. B. Kalium), besonders durch Erbrechen oder Abführmittel. Risiko für Herzrhythmusstörungen oder Nierenschäden.
  • Schäden an Mund, Zähnen, Speiseröhre und Magen durch die Magensäure.
  • Verdauungsprobleme, Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen.
  • Immunschwäche, Infektionsanfälligkeit.
  • Haarausfall, Hautprobleme.
  • Menstruationsstörungen bei Frauen.
  • Psychische Erkrankungen: Depressionen, Angststörungen, hoher Stress.

Auch wenn das Risiko, zu sterben, statistisch gesehen niedriger ist als bei Anorexie, ist es doch deutlich erhöht: Studien zeigen, dass Menschen mit Bulimie ein mehrfach höheres Sterblichkeitsrisiko haben, besonders wenn Suizidversuche oder sehr niedriges Körpergewicht vorliegen.

Wie läuft die Behandlung ab – und was hilft wirklich?

Bulimie kann behandelt werden. Ziel ist der Aufbau eines gesunden Körperbildes, Stärkung des Selbstwerts, Strategien zur Stress- und Gefühlsbewältigung. Dafür stehen verschiedene Therapieformen zur Verfügung, zum Beispiel die Psychotherapie. Die Behandlung erfolgt überwiegend ambulant, befinden sich Betroffene in einer körperlich oder psychisch gefährlichen Lage, kann auch eine stationäre Aufnahme notwendig sein.

Wichtig sind auch die Nachsorge und Rückfallprophylaxe, damit die Erkrankten langfristig stabil bleiben. Dafür gibt es Angebote, wie Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen sowie regelmäßige therapeutische Sitzungen.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) (Hrsg.):
    S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Essstörungen
  2. Caroline Huas, Nathalie Godart, Agnès Caille, Alexandra Pham-Scottez, Christine Foulon, Snezana M Divac, Guillaume Lavoisy, Julien-Daniel Guelfi, Bruno Falissard, Frédéric Rouillon:
    Mortality and its predictors in severe bulimia nervosa patients
  3. Scott J Crow, Carol B Peterson, Sonja A Swanson, Nancy C Raymond, Sheila Specker, Elke D Eckert, James E Mitchell:
    Increased mortality in bulimia nervosa and other eating disorders
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BIG Redaktion - geprüft von Vita Health Media

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