Gallensteine erkennen und behandeln

Letzte Aktualisierung: 10. Dezember 2025Lesezeit: 5 Minuten
Viele Menschen haben Gallensteine – oft ohne es zu merken. Beschwerden entstehen häufig erst, wenn ein Stein den Gallengang blockiert. Hier erfährst du alles über die Entstehung, Diagnose und Behandlung von Gallensteinen.
Hand in einem blauen Handschuh hält Gallenblasensteine

Inhalt

Gallensteine sind feste Ablagerungen aus Bestandteilen der Gallenflüssigkeit. Die meisten bleiben unbemerkt und brauchen dann auch keine Therapie. Typisch bei Beschwerden sind krampfartige Schmerzen im rechten Oberbauch, oft nach fettigem Essen.

Die Diagnose erfolgt vor allem per Ultraschall, bei Verdacht auf Gallengangssteine mit endoskopischen Verfahren oder einer speziellen Magnetresonanztomographie Ohne Beschwerden braucht es keine Behandlung. Bei wiederkehrenden Beschwerden empfiehlt sich häufig die Entfernung der Gallenblase, die heute fast immer minimalinvasiv erfolgt.

Das senkt das Risiko: Ein gesunder Lebensstil mit ballaststoffreicher Ernährung und Bewegung sowie ein Abbau von Übergewicht.

Was sind Gallensteine?

Bei Gallensteinen kristallisieren Bestandteile der Gallenflüssigkeit und formen kleine Steinchen. Die Gallenflüssigkeit besteht größtenteils aus Wasser (rund 80 Prozent) sowie Gallensäuren, Cholesterin, Bilirubin und Eiweißen. Sie wird in der Leber gebildet, in der Gallenblase eingedickt und gespeichert. Dein Körper braucht sie, um Fette zu verdauen und aufzunehmen. Nach dem Essen gibt die Gallenblase das Sekret in den Zwölffingerdarm, den oberen Abschnitt des Dünndarms, ab.

Verantwortlich für die Steinbildung sind nicht die Gallensäuren, sondern vor allem Cholesterin und Bilirubin:

Cholesterinsteine entstehen, wenn die Galle mit Cholesterin „übersättigt“ ist oder ihre Löslichkeit gestört ist. Dann lagern sich Cholesterin-Kristalle aneinander und bilden Steine. Etwa 80 Prozent der Gallensteine sind Cholesterinsteine.

Pigmentsteine (Bilirubinsteine) entstehen, wenn vermehrt Bilirubin, ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs, ausfällt und an einem Kern – oft Cholesterin – anlagert. Sie machen ungefähr 20 Prozent der Fälle aus.

Gallensteine werden auch nach ihrem Ort unterschieden: Die meisten entstehen in der Gallenblase und liegen dann auch da. SIe können aber aus der Gallenblase in den Gallengang rutschen. Steine im Gallengang (Choledocholithiasis) sitzen im Verbindungsgang zum Dünndarm. Meist werden sie mit der Flüssigkeit aus der Gallenblase in den Gang gespült und in diesem Strom transportiert. Hier können sie an der engsten Stelle, nämlich am Übergang zwischen Gallengang und Zwölffingerdarm steckenbleiben. Dort können sie Koliken und andere Probleme auslösen.

Ursachen und Risikofaktoren von Gallensteinen

Gallensteine kommen häufig vor: Je nach Bevölkerung und Messmethode liegen die Schätzungen etwa zwischen fünf und 25 Prozent. Viele Betroffene haben keine Beschwerden. Mit dem Alter steigt das Risiko, und Frauen sind häufiger betroffen als Männer, wahrscheinlich wegen hormoneller Einflüsse. Die folgenden Faktoren erhöhen das Risiko zusätzlich:

  • Schwangerschaft
  • hormonelle Verhütungsmittel
  • Alter (ab 40 Jahren steigt die Gefahr)
  • heller Hauttyp
  • Hormonersatztherapie in den Wechseljahren
  • starkes Übergewicht (Adipositas)
  • erbliche Veranlagung
  • Diabetes mellitus
  • Leberzirrhose
  • fettreiche, ballaststoffarme Ernährung

Ergänzend gilt: Schnelle, große Gewichtsverluste und sehr kalorienarme Diäten können das Risiko für Steinbildung zeitweise erhöhen. Bestimmte Erkrankungen mit erhöhter Auflösung roter Blutkörperchen (Hämolyse) begünstigen Pigmentsteine.

Symptome: Woran du Gallensteine erkennst

Viele merken nichts von ihren Gallensteinen. Beschwerden treten nur bei einem Teil der Betroffenen auf, oft nach fettigem Essen. Typische Symptome sind:

  • Schmerzen im rechten Oberbauch
  • Völle- oder Druckgefühl
  • Blähungen
  • Aufstoßen, Übelkeit und Erbrechen

Kommt es zu einer Gallenkolik, steckt meist ein Stein im Gallengang fest: Das verursacht starke, krampfartige Schmerzen im Mittel- und Oberbauch, die in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlen können. Zusätzlich sind Komplikationen möglich, zum Beispiel:

  • Gallenstau mit Entzündung des Gallengangs (Cholangitis) oder Gelbsucht (Ikterus: gelbe Haut und Augen)
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), wenn der Stein den gemeinsamen Ausführungsgang blockiert
  • Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis), die unbehandelt zu einer schweren Bauchfellentzündung (Peritonitis) führen kann
  • Leberentzündung durch Stau und Infektion

Wichtig: Bei Fieber, Schüttelfrost, starken Schmerzen, gelber Haut oder anhaltendem Erbrechen solltest du sofort ärztliche Hilfe holen.

Diagnose: So findet der Arzt Gallensteine

Wenn du Beschwerden hast, startet der Arzt mit einem Gespräch und der körperlichen Untersuchung. Standard ist danach der Ultraschall (Sonografie) des Oberbauchs, damit lassen sich Gallenblasensteine meist gut erkennen. Blutuntersuchungen zeigen, ob ein Gallenstau oder eine Entzündung besteht.

Gallengangssteine sind im Ultraschall schwieriger sichtbar. Bei Verdacht kommen folgende Verfahren zum Einsatz:

  • MRCP (Magnetresonanz-Cholangiopankreatikografie):eine spezielle MRT-Aufnahme, die die Gallengänge und den Bauchspeicheldrüsengang ohne Röntgenstrahlung detailliert darstellt.
  • Endosonografie:ein endoskopischer Ultraschall „von innen“, sehr empfindlich für kleine Steine in den Gängen.
  • ERCP (endoskopisch-retrograde Cholangiopankreatikografie):eine Endoskopie mit Röntgendarstellung der Gänge. Heute wird sie vor allem dann eingesetzt, wenn gleichzeitig eine Behandlung geplant ist, etwa um einen Stein direkt zu entfernen oder den Gang mit einem kleinen Schnitt zu eröffnen.

Behandlung: Was hilft wirklich gegen Gallensteine?

Keine Beschwerden? Dann ist in der Regel keine Therapie nötig. Bei Gallenkoliken helfen Schmerzmittel und krampflösende Medikamente. Gegen Übelkeit und Völlegefühl gibt es geeignete Mittel.

Kehren Beschwerden zurück oder drohen Komplikationen, empfehlen Ärztinnen und Ärzte häufig die operative Entfernung der Gallenblase, medizinisch: Cholezystektomie.

Gründe sind:

- wiederkehrende Gallenkoliken und Entzündungen

- große Steine oder viele Steine mit hohem Risiko

- verkalkte Gallenblasenwand („Porzellanblase“) wegen erhöhtem Krebsrisiko

Die Operation erfolgt in der Regel minimalinvasiv als „Schlüsselloch-OP“ (laparoskopisch) mit kleinen Schnitten. In etwa 95 Prozent der Fälle kann die Gallenblase so sicher entfernt werden. Nach der OP kann der Körper weiterhin Fette verdauen, die Leber gibt die Galle dann direkt in den Darm ab. Manche Menschen reagieren anfangs empfindlich auf sehr fettreiche Mahlzeiten. Das bessert sich meist.

Steinzertrümmerung durch Stoßwellen oder Laser wird wegen hoher Rückfallraten und begrenztem Nutzen nicht empfohlen. Eine medikamentöse Auflösung einzelner, kleinen Cholesterinsteine mit Ursodesoxycholsäure (UDCA) ist nur unter bestimmten Umständen möglich, nämlich wenn die Gallenblase funktioniert und keine Verkalkung vorliegt. Die Erfolgsraten sind mäßig und Rückfälle häufig. Bei Steinen im Gallengang werden diese endoskopisch (ERCP) meist direkt entfernt.

Vermeide sehr einseitige Diäten und rasche, extreme Gewichtsverluste. Wenn du abnimmst, setze lieber auf langsame, nachhaltige Strategien. Eine regelmäßige, eher mediterrane Kost mit viel pflanzlicher Nahrung, ungesättigten Fetten und wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln ist günstig.

Risiko senken: Das kannst du tun

Mit einem gesunden Lebensstil kannst du Gallensteinen vorbeugen. Dazu tragen bei:

- eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst

- regelmäßige Bewegung und Sport

- normales Körpergewicht anstreben und halten

Vermeide sehr einseitige Diäten und rasche, extreme Gewichtsverluste. Wenn du abnimmst, setze lieber auf langsame, nachhaltige Strategien. Eine regelmäßige, eher mediterrane Kost mit viel pflanzlicher Nahrung, ungesättigten Fetten und wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln ist günstig.

FAQ zu Gallensteinen

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS):
    Leitlinie Gallensteinleiden
  2. Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) :
    Aktualisierte S3-Leitlinie
  3. arzteblatt.de:
    Abwarten kann eine sinnvolle Option sein
Verfasst von
BIG Redaktion - geprüft von Vita Health Media

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