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HIV ist ein Virus, das ohne Therapie über Jahre das Immunsystem schwächt und zu AIDS führen kann. Mit moderner antiretroviraler Therapie (ART) wird HIV unterdrückt und Betroffene können gesund leben und andere mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit nicht mehr anstecken. Der beste Schutz ist einfach: Kondome, keine geteilten Spritzen und es gibt zusätzlich wirksame Medikamente zur Vorbeugung (PrEP) sowie zur Notfallverhütung (PEP).
HIV und AIDS – der Unterschied
HIV ist das Virus. Die Abkürzung steht für Human Immunodeficiency Virus. AIDS (Acquired Immunodeficiency Syndrome) ist das Krankheitsbild, das entsteht, wenn HIV unbehandelt das Immunsystem so stark geschwächt hat, dass normalerweise gut kontrollierbare Erreger schwere Krankheiten auslösen. Mit frühzeitiger und konsequenter Therapie musst du keine AIDS‑Erkrankung entwickeln.
Was ist HIV und wann entsteht AIDS?
Der Auslöser von AIDS ist eine Infektion mit HIV, dem „humanen Immunschwäche‑Virus“. HIV wird über bestimmte Körperflüssigkeiten übertragen, zum Beispiel Blut, Sperma, Vaginalflüssigkeit, Rektalschleim. Es gelangt in Immunzellen, vor allem CD4‑T‑Helferzellen, und kann sie nach und nach zerstören. Ohne Behandlung wird das Immunsystem mit der Zeit zu schwach, um Krankheitserreger abzuwehren. Dann können sogenannte opportunistische Infektionen oder bestimmte Krebsarten auftreten: das nennt man AIDS.
Ohne Therapie vergeht bis zum Auftreten von AIDS im Durchschnitt viele Jahre. Wie schnell das geht, hängt von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise von der Viruslast, Begleiterkrankungen und Zugang zur Therapie. Wichtig: Mit heutiger Behandlung lässt sich AIDS verhindern und bereits eingetretene AIDS‑Definierende Erkrankungen können sich unter wirksamer ART oft zurückbilden.
HIV: Symptome erkennen und AIDS verhindern
Kurz nach einer Ansteckung, meist 2–4 Wochen, können unspezifische Beschwerden auftreten, die an eine Grippe erinnern:
- Fieber
- Durchfall
- fleckiger Hautausschlag
- Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen
- geschwollene Lymphknoten
Diese Zeichen können auf vieles hindeuten, nicht nur auf HIV. Manche Menschen haben in dieser frühen Phase auch keine Symptome. Die akuten Beschwerden klingen meist nach ein bis zwei Wochen ab. Es folgt oft eine längere, symptomarme Zeit, diese dauert im Mittel zirka zehn Jahre. Unbehandelt können später – mit sinkenden CD4‑Zellen – u. a. auftreten:
- anhaltend geschwollene Lymphknoten
- Gürtelrose
- Nachtschweiß
- ungewollter Gewichtsverlust
- länger anhaltender Durchfall
- Pilzinfektionen in Mund, Rachen oder Vagina
- Kribbeln, Schmerzen oder Taubheit in Armen/Beinen (Neuropathien)
- Fieberhafte Temperaturen (>= 38,5 °C)
- Abfall der Blutplättchen mit kleinfleckigem, rotem Hautausschlag
- Im Mund nicht abstreifbare Beläge an der Zunge (Orale Haarleukoplakie)
Im fortgeschrittenen Stadium (AIDS) treten schwere Infektionen oder bestimmte Krebsarten auf, z. B. Pneumocystis-jirovecii‑Lungenentzündung, Ösophagus‑Pilzbefall, Kaposi‑Sarkom. Ziel ist es, durch frühe Diagnose und sofortigen Therapiebeginn gar nicht erst dorthin zu kommen.
Therapie: So funktioniert die Behandlung von HIV und AIDS
Die Behandlung heißt antiretrovirale Therapie (ART). Ärztinnen und Ärzte kombinieren Wirkstoffe, die verschiedene Schritte der Virusvermehrung blockieren. So sinkt die Virusmenge im Blut (Viruslast) auf „nicht nachweisbar“.
Das hat drei entscheidende Vorteile:
- Das Immunsystem erholt sich, AIDS wird verhindert.
- Personen bleiben gesund und haben nahezu die gleiche Lebenserwartung wie Menschen ohne HIV.
- Infizierte stecken andere beim Sex nicht an.
Die Therapie muss regelmäßig und dauerhaft eingenommen werden. Eine Heilung im Sinne einer vollständigen Beseitigung des Virus ist bisher nicht verfügbar, aber die Medikamente sind sehr wirksam und gut verträglich. Moderne Leitlinien empfehlen heute einen sofortigen Therapiebeginn nach der Diagnose.
Wichtig: „Nicht nachweisbar“ bezieht sich auf die Viruslast im Blut und – mit stabilen Befunden über mindestens mehrere Monate. Unter stabiler, erfolgreicher Therapie ist Sex ohne Kondom hinsichtlich HIV‑Übertragung sicher. Das Benutzen ist dennoch sinnvoll, da es auch andere sexuell übertragbare Infektionen gibt.
Schutz: So reduzierst du dein Risiko
In Alltagssituationen (Küssen, Umarmen, gemeinsame Toilettennutzung, Niesen) wird HIV nicht übertragen. Das Risiko besteht vor allem bei Sex ohne Kondom und beim Teilen von Spritzen.
Zusätzliche wirksam im Fall einer Erkrankung:
- PrEP (Prä‑Expositions‑Prophylaxe): Hierbei handelt es sich um ein Medikament, das eine nichtinfizierte Person nach dem Sexualkontakt mit einer infizierten Person nehmen kann, um sich vor einer HIV-Infektion zu schützen.
- PEP (Post‑Expositions‑Prophylaxe): Die Notfall‑Medikation ist ebenfalls für die oben beschriebene Situation gedacht: Ein nichtinfizierter Mensch hatte Sexualkontakt zu einem infizierten Menschen. Sollte innerhalb von 72 Stunden nach einem möglichen Risiko eingekommen werden – je früher, desto besser.
Diese Maßnahmen sind nachweislich hochwirksam und werden in Leitlinien weltweit empfohlen.
HIV‑Test: Keine Scheu – Klarheit hilft
Ein Test bringt Sicherheit und ermöglicht frühzeitige Behandlung. Es gibt verschiedene Tests:
- Labortest (Kombinations‑Antigen/Antikörper‑Test): schließt eine Infektion frühestens nach 6 Wochen sicher aus.
- Schnelltest (z. B. in Beratungsstellen oder als Selbsttest aus der Apotheke): zeigt oft schon nach etwa 3 Wochen eine Infektion an, endgültige Sicherheit erst 3 Monate nach Risiko.
- Viele Beratungsstellen (z. B. AIDS‑Hilfe) testen anonym und vertraulich. Je früher Betroffene Bescheid wissen, desto besser lässt sich HIV behandeln und Ansteckungen vermeiden.
FAQs zu HIV und AIDS
Quellen
- RKI:Übersicht HIV & Aids
- Bundesministerium für Gesundheit (BMG):Übersicht AIDS & HIV
- Deutsche AIDS-Gesellschaft e.V. (DAIG):Aktuelle Leitlinien
- Deutsche AIDS-Gesellschaft e.V. (DAIG):S2k-Leitlinie Medikamentöse Postexpositionsprophylaxe (PEP) nach HIV-Exposition
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