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Hauptübertragungsweg: Geschlechtsverkehr
Gonorrhoe – umgangssprachlich Tripper genannt – ist eine der häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen in Deutschland. Die Erreger sind bestimmte Bakterien, die Gonokokken. Die Bakterien befallen vor allem die Schleimhäute der Harnröhre und des Gebärmutterhalses, können aber auch Rachen und Enddarm betreffen. Die Ansteckung erfolgt durch engen Kontakt der Schleimhäute beim Geschlechtsverkehr – beim vaginalen, analen oder oralen Sex. Auch Hände und gemeinsam genutzte Sexspielzeuge können Gonokokken an Schleimhäute übertragen. Oft verläuft die Erkrankung symptomlos, Infizierte können andere dennoch anstecken. Unbehandelt drohen Spätfolgen wie ein erhöhtes Risiko für Unfruchtbarkeit.
In Deutschland und Europa zeigen aktuelle Daten einen deutlichen Anstieg der Gonorrhoe-Erkrankungen. In Europa sind die Fallzahlen zwischen 2014 und 2023 um 300 Prozent gestiegen. Besonders häufig sind junge Menschen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren betroffen. Im Normalfall helfen Antibiotika bei der Behandlung der Geschlechtskrankheit. Doch die zunehmende Resistenzentwicklung der Bakterien gegen Antibiotika ist problematisch, da sie die Wirksamkeit bewährter Therapien bedroht.
STI – Sexuell übertragbare Infektionen
STI steht für sexuell übertragbare Infektionen (Sexually Transmitted Infections). Mehr als 30 Erkrankungen gelten als STI, darunter Gonorrhoe, HIV, Syphilis, Chlamydien und Hepatitis B. Auslöser sind Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten. Manche STIs sind unangenehm und lästig, aber harmlos. Andere können – vor allem unbehandelt – lebensbedrohlich werden. Eine frühzeitige Diagnose und ärztliche Behandlung sind wichtig. Viele STIs lassen sich mit der richtigen Therapie gut heilen oder kontrollieren.
Tripper (Gonorrhoe): Diese Symptome sind typisch
Folgende Beschwerden können bei Frauen auftreten, in der Regel 1 bis 14 Tage nach der Ansteckung:
- gelb-grünlicher Ausfluss
- Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
- Schmier- und Kontaktblutungen sind in schweren Fällen bei und nach dem Geschlechtsverkehr möglich.
Etwa die Hälfte der betroffenen Frauen hat anfangs keine Symptome. Unbehandelt kann Tripper zu Gebärmutterhals- und Eileiterentzündungen führen. Diese machen sich durch Fieber und starke Unterbauchschmerzen bemerkbar und können das Risiko für Unfruchtbarkeit erhöhen.
Bei Männern zeigt sich Tripper meist als Harnröhrenentzündung mit:
- Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen
- eitrigem, milchig-gelblicher Ausfluss
- geröteter, gereizter Harnröhrenöffnung
- morgendlicher Ausfluss aus der Harnröhre – der sogenannte „Bonjour-Tropfen“
Bis zu etwa ein Drittel der Männer bleibt symptomfrei. Später können Schwellungen und Schmerzen an den Hoden (Nebenhodenentzündung) sowie Unterbauchschmerzen hinzukommen.
Entzündungen im Rachen sind häufig symptomarm und werden daher leicht übersehen. Im Enddarm können Schmerzen, Juckreiz, Blutungen und Schleimabgang auftreten.
Tripper (Gonorrhoe): So verläuft die Infektion
Die ersten Anzeichen treten meist 2 bis 6 Tage nach Ansteckung auf. Auch wenn Beschwerden nach einigen Wochen abklingen, bedeutet das nicht, dass die Bakterien verschwunden sind: Ohne Behandlung bleibt die Infektion bestehen und ist weiterhin ansteckend. Deshalb infizieren sich viele Betroffene unbemerkt bei ihren Sexualpartnern.
Breitet sich das Bakterium im Körper aus, sind Entzündungen in anderen Organen möglich. Eileiterentzündungen können Verklebungen verursachen und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Bei Männern sind Prostata- oder Nebenhodenentzündungen mögliche Komplikationen. Die Erreger können unbehandelt Entzündungen der Gelenke verursachen, die mit schmerzhaften, manchmal chronischen Gelenkbeschwerden einhergehen. Sehr selten sind Hirnhautentzündungen oder Blutvergiftungen.
Wenn eine schwangere Frau infiziert ist, können die Bakterien unter der Geburt an das Kind weitergegeben werden und eine schwere Bindehautentzündung auslösen. Ohne rasche Therapie kann diese im schlimmsten Fall bis zur Erblindung führen. Auch das Risiko für Frühgeburten aufgrund einer unbehandelten Gonorrhoe ist erhöht.
Eine Gonokokken-Infektion erhöht zudem das Risiko, sich bei ungeschütztem Sex zusätzlich mit HIV zu infizieren, weil Entzündungen die Schleimhaut empfindlicher machen.
Tripper (Gonorrhoe): Diagnose und Behandlung
Bei ersten Anzeichen solltest du ärztlichen Rat suchen – Urologe oder Gynäkologin/Gynäkologe sind geeignete Ansprechpersonen. Für die Diagnose der Gonokokken-Infektion wird bei Männern ein Harnröhrenabstrich, bei Frauen ein Vaginal- bzw. Gebärmutterhalsabstrich vorgenommen. Zusätzlich erfolgen Abstriche aus Rachen und Enddarm, wenn Anal- oder Oralsex stattfindet oder entsprechende Beschwerden bestehen. Die Diagnose einer Gonorrhö erfolgt durch direkten Erregernachweis in der Kultur oder mittels Nukleinsäure-Amplifikationstechniken (NAT).
Die medizinischen Leitlinien empfehlen eine antibiotische Behandlung. In vielen Ländern ist eine Einmalgabe eines Antibiotikums oder auch zwei verschiedener Antibiotika Standard. Nach jeder Therapie soll kontrolliert werden, ob die Behandlung erfolgreich war. Während der Therapie und bis zur vollständigen Ausheilung solltest du keinen Sex haben, um andere nicht zu gefährden.
Wichtig: Informiere Sexualpartner der letzten Wochen über die Diagnose, damit sie sich testen und gegebenenfalls behandeln lassen können. Eine parallele Behandlung von Partnern verhindert Reinfektionen.
Safer Sex: Tripper (Gonorrhoe) vorbeugen
Eine überstandene Tripper-Infektion macht dich nicht immun. Du kannst dich erneut anstecken. weltweit entwickeln Gonokokken Resistenzen gegen Antibiotika, die WHO stuft das als besorgniserregend ein. Schutz ist deshalb besonders wichtig – vor allem bei häufig wechselnden Partnern.
So senkst du dein Risiko:
- Kondome oder Femidome bei vaginalem, analem und oralem Sex nutzen
- Regelmäßige Tests bei erhöhtem Risiko (z. B. neue oder mehrere Partner), inklusive Rachen- und Enddarmabstrichen je nach Sexualpraktiken
- Sexspielzeuge nur mit Kondom teilen und nach Gebrauch reinigen
- Bei Symptomen früh ärztlich abklären lassen
- Partner über eine bestätigte Infektion informieren, um Infektionsketten zu unterbrechen, und simultan behandeln lassen
Quellen
- RKI:RKI Übersicht zu Gonorrhö (Tripper)
- awmf.org:Diagnostik und Therapie der Gonorrhoe
- liebesleben.de:Gonorrhö (Tripper): Infos über Schutz
- Urologische Stiftung Gesundheit:Gonorrhö (Tripper) – Symptome, Behandlung und Schutz
- derma.de:Partieller Schutz vor Tripper durch bestimmten Meningokokken-B-Impfstoff
- BMG:Sexuell übertragbare Infektionen (STI)
- WHO:Multi-drug resistant gonorrhoea
- WHO:Sexually transmitted infections (STIs)
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