Hitzetod im Auto: Kinder in parkenden Autos schnell in Lebensgefahr!

Letzte Aktualisierung: 26. August 2025Lesezeit: 5 Minuten
Das Kind kurz im Auto zurĂŒcklassen, weil es seelenruhig schlĂ€ft und ihr schnell was erledigen wollt? So eine Situation ist verlockend. Doch ab einer Außentemperatur von 16 Grad Celsius solltet ihr euren Nachwuchs nicht mehr allein im Auto zurĂŒcklassen, da bereits dann ein Hitzetod/Hitzschlag (Hyperthermie) droht.
Kleinkind schlĂ€ft in Sommerkleidung auf dem AutorĂŒcksitz im Kindersitz und wirkt erschöpft

Immer wieder sorgen weltweit Eltern fĂŒr Schlagzeilen, weil sie ihre Kinder „kurz“ im Auto gelassen oder sogar dort vergessen haben. HĂ€ufig werden dann aufmerksame Passant*innen zu Lebensretter*innen, weil sie die Lage richtig einschĂ€tzen, den Notruf wĂ€hlen oder das Auto aufbrechen. Eltern droht in solch einem Fall eine Anzeige wegen Körperverletzung und Kindesmisshandlung. Und dann gibt es auch noch die FĂ€lle, in denen die Kinder an Hyperthermie im Auto verstorben sind und somit jede Hilfe zu spĂ€t kam.

Vergesslichkeit der Eltern ist Hauptursache fĂŒr Hitzetod im Auto

In den USA geht man laut einer Statistik, die in der kanadischen Fachzeitschrift Paediatrics & Child Health veröffentlicht wurde, von jÀhrlich durchschnittlich 37 Kindern aus, die einen Hitzetod/Hitzschlag in parkenden Fahrzeugen erleiden. Und der US-Meteorologe Jan Null geht noch weiter. Er veröffentlicht auf der Internetseite noheatstroke.org, wo und wie genau US-Kinder seit 1998 an einem Hitzetod im Auto verstorben sind. Seiner Website zufolge sind Bis Ende August 2025 in den USA bereits 23 Kinder verstorben, 39 Kinder im Jahr 2024 und seit 1998 insgesamt 1033 Kinder.

Die GrĂŒnde:

  • Kinder wurden im Auto vergessen (55 Prozent).
  • Kinder sind selbststĂ€ndig in das unverschlossene Fahrzeug gestiegen (28 Prozent).
  • Kinder wurden absichtlich unbeaufsichtigt im Auto zurĂŒckgelassen (13 Prozent).
  • Ursache unbekannt (vier Prozent)

60 Grad und mehr!

Ärzte und der ADAC warnen davor, Kinder gerade in den warmen Monaten allein im Auto zurĂŒckzulassen, da sich der Körper eines Kindes drei- bis fĂŒnfmal schneller erwĂ€rmt als bei Erwachsenen. Dies gilt insbesondere fĂŒr Babys und Kleinkinder. Bei direkter Sonneneinstrahlung kann die Temperatur im Pkw bereits nach 30 Minuten auf 60 Grad und mehr aufheizen. Und selbst dann, wenn das Auto im Schatten geparkt wird, kann durch den sich verĂ€ndernden Sonnenstand das Auto plötzlich in der prallen Sonne stehen. Eine italienische Statistik zeigt, dass bereits bei einer Außentemperatur von etwa 16 Grad Celsius ein Hitzschlag im Auto droht. 

Auch ein Kinderwagen kann im Sommer zur Gefahrenzone fĂŒr Babys und Kleinkinder werden. Wollt ihr nĂ€mlich eure Kleinen unterwegs vor der Sonne schĂŒtzen und habt zum Beispiel keinen Sonnenschirm parat, greifen viele Eltern auf eine Kinderwagenabdeckung zurĂŒck, die sehr gefĂ€hrlich fĂŒr eure Kinder werden kann.

Kinder nie in parkenden Autos zurĂŒcklassen!

“Nur kurz“ in den Supermarkt, weil dieser gerade leer zu sein scheint und das Kind schlĂ€ft endlich mal auf dem RĂŒcksitz? Auf dem Weg in den Urlaub ohne Kind “schnell" an der RaststĂ€tte etwas essen? Genau diese AusnahmefĂ€lle enden oft verheerend. NatĂŒrlich ist irren immer menschlich. In diesem Fall riskiert ihr aber, dass euer Kind einen Hitzetod im Auto erleidet. Bedenkt immer, dass ihr auch bei dem kleinsten Einkauf plötzlich an einer vollen Kasse stehen könntet, das Kind vergesst, weil ihr gestresst seid oder auf einen alten Bekannten trefft oder euch selbst etwas zustoßen kann. Nehmt euren Nachwuchs daher auch bei der kleinsten Besorgung immer mit.

Hilft es, ein Fenster im Auto leicht zu öffnen?

Nein! Auch ein nur leicht geöffnetes Fenster bringt kaum einen kĂŒhlenden Effekt. Der sogenannte Hitzestau bleibt im Auto bestehen, sodass das Risiko fĂŒr Überhitzung weiterhin gegeben ist.

Noch mehr Sicherheitstipps gegen Hitzetod im Auto bei Kindern

  1. 1

    Forgotten-Baby-Syndrome vorbeugen

    Falls die Gefahr besteht, dass ihr euer Kind auf dem RĂŒcksitz vergesst - der Fachbegriff dazu heißt Forgotten-Baby-Syndrome - legt beispielsweise eure Handtasche oder Handy einfach neben es auf den RĂŒcksitz oder klebt euch eine Haftnotiz mit einer Erinnerung neben das Lenkrad.
  2. 2

    Kindersitze mit Alarmsystem oder Sensormatten

    In Italien sind bereits seit 2020 Autokindersitze mit Alarmsystem gegen das Vergessen gesetzlich vorgeschrieben und auch große US-Hersteller ziehen mittlerweile nach. Bei diesen Kindersitzen befindet sich unter dem Sitz ein Sensor, der mit einer App verknĂŒpft ist. Der Alarm geht los, sobald ihr euch mit eurem Smartphone zu weit von eurem Auto und somit dem Sitz entfernt habt und euer Kind noch drinsitzt. Zudem gibt es Sensormatten, mit denen ihr den Kindersitz aufrĂŒsten könnt.
  3. 3

    Auto immer abschließen

    Schließt euer Auto immer ab, wenn ihr es verlasst und bewahrt die AutoschlĂŒssel außerhalb der Reichweite eurer Kinder auf.
  4. 4

    Auto ist kein Spielplatz

    Lasst eure Kinder nicht im Kofferraum spielen und achtet darauf, dass sie durch umgeklappte RĂŒcksitze nicht unbemerkt in den Kofferraum steigen.
  5. 5

    Kind im Auto entdeckt?

    Ihr entdeckt ein Kind in einem fremden Auto? PrĂŒft, ob das Kind ansprechbar ist/atmet und schaut euch nach den Besitzer*innen um und wĂ€hlt die 112. Befindet sich das Kind (oder ein Haustier) bereits in Gefahr, könnt ihr notfalls auch das Auto aufbrechen beziehungsweise die Scheibe einschlagen.
  6. 6

    Welche rechtlichen Konsequenzen drohen Eltern oder Zeugen?

    Eltern, die ihr Kind zurĂŒcklassen, riskieren Anzeigen wegen fahrlĂ€ssiger Körperverletzung oder KindeswohlgefĂ€hrdung.

    Zeug*innen, die nichts unternehmen, können sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig machen.

    Helfende, die im Notfall das Auto aufbrechen, sind rechtlich durch den „rechtfertigenden Notstand“ gedeckt, sofern ihre Handlung verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig ist.
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