Close Up vom Babybauch, Ärztin tastet Bauch ab, während Schwangere aufrecht im Bett liegt

Beckenendlage: Was passiert bei einer äußeren Wendung?

Jede Schwangere wünscht sich eine komplikationslose Geburt und ein gesundes Kind. Doch bei manchen Schwangeren liegt das Baby beispielsweise in Beckenendlage (Steißlage) – oft ist dann die äußere Wendung die letzte Option, um größere Komplikationen zu verhindern. Wir erklären euch, wann die äußere Wendung infrage kommt, was dabei passiert und welche Risiken eine Steißgeburt birgt.

Die äußere Wendung ist keine neumodische Erfindung, sondern wird bereits seit Jahrhunderten von Geburtsmediziner*innen praktiziert, um einen Kaiserschnitt oder eine vaginale Steißgeburt zu vermeiden.

Wann ist eine äußere Wendung sinnvoll?

Zur Option wird sie dann, wenn euer Kind in der 36. Schwangerschaftswoche noch immer nicht mit dem Kopf nach unten (und somit in der sogenannten Schädellage), sondern mit dem Po oder den Füßen voran – also in Beckenendlage (Steißlage) liegt. Bevor die äußere Wendung in Betracht gezogen wird, gibt es allerdings noch andere Methoden, mit denen Ärzt*innen und Hebammen gemeinsam mit euch versuchen, euer Kind in Schädellage zu drehen.

Schwangere berührt sanft ihren Bauch, um Beckenlage vorzubeugen

Mit sanften Methoden die Beckenendlage verhindern

Bevor ihr eine äußere Wendung in Betracht zieht, solltet ihr euch von einer Hebamme eures Vertrauens oder eurem Frauenarzt hilfreiche Tipps geben lassen, die euer Kind vielleicht schon ganz mühelos überzeugen, sich von selbst zu drehen.

Alle Tipps

Erst wenn diese Möglichkeiten erfolglos geblieben sind, ist die “äußere Wendung” eine Option. 

Wie erfolgsversprechend ist die äußere Wendung?

Die durchschnittliche Erfolgsquote einer äußeren Wendung zwischen 40 und 60 Prozent.


Im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf wird die äußere Wendung mit einer Erfolgsquote von 50-60 Prozent fast schon täglich durchgeführt. Im Jahr 2020 sind bei 234 Wendungsversuchen 54,4 Prozent geglückt. 
 

Gibt es optimale Bedingungen?

Das lässt sich nur schwer beantworten, da jeder Wendungsversuch ganz individuell behandelt werden muss und niemand genau sagen kann, wie euer Baby und ihr selbst darauf reagiert. Dennoch ist der Eingriff unproblematischer, wenn euer Baby eher zierlicher ist und genügend Fruchtwasser vorhanden ist. Im Idealfall also ungefähr bis zur 36. Schwangerschaftswoche. Dennoch kann es selbst nach einer geglückten Wendung passieren, dass sich euer Kind wieder zurück in Beckenendlage dreht. Dann würde sich die Frage stellen, ob ihr einen erneuten Eingriff angehen wollt.

Wann ist das Risiko zu hoch?

Der/die Ärzt*in wird euch darüber informieren, ob die Wendung für euch infrage kommt und welche Risiken bestehen. 

In diesen Fällen ist das Risiko eher zu hoch:

  • zu wenig Fruchtwasser
  • Baby ist unterversorgt
  • Plazenta liegt vor dem Muttermund (Vorderwandplazenta/Plazenta Preavia)
  • vorzeitiger Blasensprung
  • CTG zeigt Auffälligkeiten
  • Mehrlingsgeburt
  • Fehlbildung am Uterus/herzförmige Gebärmutter (Uterus bicornis)
  • Nabelschnurumschlingung (nicht immer im Ultraschall erkennbar)
  • Myome (gutartige Muskelknoten der Gebärmutter)

Was passiert bei einer äußeren Wendung genau?

Der Wendungsversuch wird meist ambulant in einem Krankenhaus durchgeführt. Falls möglicherweise doch Komplikationen auftreten, befindet sich für euch ein OP-Team in Rufbereitschaft.
  1. Zunächst wird der/die Ärzt*in mithilfe des Ultraschalls die Lage und Größe eures Kindes feststellen. Außerdem prüft er/sie, ob genügend Fruchtwasser vorhanden ist und wo genau die Plazenta sitzt.
  2. Sofern aus ärztlicher Sicht nichts gegen die Wendung spricht, werden die Mediziner*innen mit dem Versuch der äußeren Wendung beginnen.
  3. Mögliche Wehentätigkeiten werden dabei anhand des CTGs überwacht. Sofern ihr bereits Wehen habt, wird euch ein Medikament verabreicht, das diese hemmt. Nur so kann sich euer Uterus auch wirklich entspannen.
  4. Wenn auch ihr bereit seid, übt der/die Ärzt*in mit speziellen Handgriffen sanften Druck auf den Unterbauch beziehungsweise eure Gebärmutter aus, um den Po eures Kindes aus dem Becken zu heben, ertastet dann das Köpfchen und führt es entweder zu einer Vorwärts- oder Rückwärtsrolle heran.
  5. Dieser Eingriff verläuft nicht immer schmerzfrei und ihr habt die Möglichkeit, den Vorgang abzubrechen, wenn es für euch zu unangenehm wird. Im Optimalfall ist die Wendung aber bereits nach drei bis fünf Minuten vollbracht.
  6. Dann könnt ihr euch entspannen und werdet ungefähr noch eine Stunde unter Beobachtung stehen, in der auch die Herztöne eures Kindes kontrolliert werden. Erst wenn nach dieser Zeit alles in Ordnung ist, werdet ihr aus dem Krankenhaus wieder entlassen.
  7. Am Folgetag wird ein erneutes CTG geschrieben, um auch letzte Komplikationen ausschließen zu können.

Wieso ist die Beckenendlage eine Risikogeburt?

Bei etwa fünf Prozent der Schwangeren bleibt das Baby bis zum Ende der Schwangerschaft in Beckenendlage (Steißlage). Prinzipiell ist es möglich, ein Baby auch in Beckenendlage beziehungsweise in vaginaler Steißlage zu gebären. Je nach individueller Situation sind die Risiken für das Ungeborene dann erhöht beziehungsweise zu hoch. Beispielsweise kann es während der Geburt durch eine eingeklemmte Nabelschnur zu einem Sauerstoffmangel kommen, der, sofern er länger anhält, lebensbedrohlich sein und Folgeschäden nach sich ziehen kann.
 

Außerdem kann es je nach Lage des Kindes zu körperlichen Fehlformen und -funktionen bei ...
 

  • den Füßen (Sichelfüße, Kletterfüße, Hackenfüße),
  • Knien (Überstreckbarkeit der Kniegelenke)
  • sowie den Hüftgelenken (Hüftdysplasie) kommen.

Welche Beckenendlage-Arten gibt es?

Bei jeder Beckenendlage liegt der Kopf des Kindes oben und das Becken im unteren Teil des Mutterleibs. Allerdings können Bein- und Fußlage variieren.

  • Reine Steißlage (häufigste Art) -: Beine des Babys sind hochgeschlagen und die Füße sind vor dem Gesicht platziert. Der Steiß würde bei der Geburt vorangehen.
  • Vollkommende Steiß-Fuß-Lage -: Knie des Babys ziehen zum Bauch
  • Unvollkommene Steiß-Fuß-Lage -: Baby kniet mit einem Bein in der Hocke und schlägt das andere Bein hoch.
  • Vollkommende Fußlage - : Baby streckt beide Beine nach unten aus, die Füße gehen also voran.
  • Unvollkommene Fußlage -: Baby streckt ein Bein nach unten und das andere nach oben aus.
  • Vollkommene Knielage - : Baby hat beide Beine nach hinten angewinkelt.
  • Unvollkommene Knielage - : Baby kniet mit einem Bein, während das zweite Bein hochgeschlagen ist.

Diese Faktoren erschweren eine Geburt in Steißlage

  • erste Geburt
  • vorherige Kaiserschnittgeburt
  • Frühgeburt unter 37. SSW
  • Beckenverengung der Mutter
  • zu geringes oder zu hohes Schätzgewicht des Kindes
  • ungünstiges Kopf-/ Bauch-Verhältnis
  • ungünstige Fußlage
  • ungünstige Kopfhaltung

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