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Mit der Schwangerschaft beginnen häufig auch die kleinen und größeren gesundheitlichen Beschwerden. Viele von ihnen sind kein Grund zur Besorgnis, sofern ihr ein paar Dinge beachtet. Während die Morgenübelkeit bei den meisten Schwangeren also wieder verschwindet und keine Gefahr für euch und das Ungeborene darstellt, ist Hyperemesis gravidarum ein Risiko und daher behandlungsbedürftig.
Wann spricht man von Hyperemesis gravidarum?
Meist beginnt Hyperemesis gravidarum zwischen der sechsten und achten Schwangerschaftswoche (SSW), steigert sich bis zur 12. SSW und lässt ungefähr in der 20. SSW wieder nach. Von ständigem Erbrechen in der Schwangerschaft spricht man, wenn sich die werdende Mutter mehr als zehnmal täglich nach dem Essen und Trinken übergibt und mehr als fünf Prozent ihres Körpergewichts verliert. Anhaltendes Erbrechen ist einer der häufigsten Gründe für einen Krankenhausaufenthalt in der ersten Schwangerschaftshälfte.
Wieso ist ständiges Erbrechen in der Schwangerschaft gefährlich?
Ständige Übelkeit und ständiges Erbrechen in der Schwangerschaft kann eine Vielzahl an Folgen für die Mutter und das Ungeborene nach sich ziehen.
Mögliche Folgen für die Mutter
- massiver Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung)
- Gewichtsverlust
- Speiseröhren- und Magenbeschwerden z. B. Sodbrennen oder Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
- Elektrolytstörungen
- Nierenprobleme
- Bluthochdruck
- Herzrasen
- Vitamin-, Mineralstoff- und Fettmangel
- körperliche Erschöpfung bzw. Schwächeanfälle und Kreislaufprobleme
- seelische Beschwerden wie seelische Erschöpfung, Schlafstörungen, Ängste oder Depressionen
- Übersäuerung des Blutes (Ketose)
- Blutarmut (Anämie)
- Thrombose
- Nerven- und Hirnerkrankungen (Wernicke-Enzephalopathie)
Präeklampsie und Plazentalösung durch Hyperemesis gravidarum
Zudem steigt laut einer schwedischen Studie um Dr. Marie Bolin von der Universität Uppsala speziell im zweiten Trimenon das Risiko von Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie und einer Plazentalösung. So ist das Risiko einer Plazentalösung bei Frauen mit Hyperemesis gravidarum um fast 50 Prozent erhöht. Im zweiten Drittel der Schwangerschaft ist das Risiko um das Dreifache höher und die Gefahr einer Präeklampsie doppelt so hoch.
Mögliche Folgen für das Ungeborene
- Frühgeburt (vor der 37. SSW)
- geringes Geburtsgewicht (unter 2,5 Kilogramm)
- verringerte Größe
Einen Spontanabort (Geburt vor der 20. SSW) und Kindstod im Mutterleib schließen Mediziner*innen dagegen eher aus.
Was ist die Ursache für Hyperemesis gravidarum?
Bislang gibt es nur Vermutungen, was zu Hyperemesis gravidarum führt. Man geht von einem Zusammenspiel mehrerer genetischer und hormoneller Risikofaktoren aus. Wichtig: Die Annahme, dass die Erkrankung psychische Ursachen hat, stimmt nicht. Sollte euch ein/e Ärzt*in dies einreden wollen, lasst euch nicht verunsichern und holt euch eine ärztliche Zweitmeinung ein.
Mögliche Ursachen für Hyperemesis gravidarum
- Mageninfektion mit dem Keim Helicobacter pylori
- erhöhter Östrogen-Spiegel
- laut der schwedischen Studie: auffälliger bzw. hoher Wert des Schilddrüsenhormons Tyroxin und hoher Spiegel des Schwangerschaftshormons/Peptidhormons hCG bzw. beta-hCG (humanes Choringonadotropin) im zweiten Trimenon
- Überreaktion des mütterlichen Immunsystems bzw. stark erhöhte Immunwerte nach Einnistung des Fetus, wodurch ihre Hormone beeinflusst werden.
Diagnose
Wenn ihr unter anhaltender Übelkeit und unter ständigem Erbrechen in der Schwangerschaft leidet, an Gewicht verliert und/oder euch kraftlos fühlt, lasst eure Beschwerden auf jeden Fall ärztlich abklären. Eine Diagnose wird im Ausschlussverfahren gestellt, da Schwangerschaftsübelkeit auch auf andere Erkrankungen hindeuten kann wie:
- neurologische Erkrankungen z. B. Migräne
- Magen-Darm-Erkrankungen z. B. Infektionen, Gastritis, Bauchspeicheldrüsenentzündung
- Harnwegserkrankungen
- Stoffwechselerkrankungen
- Essstörungen
- Molenschwangerschaft/Blasenmole (Fehlbildung der Plazenta)
Wie wird Hyperemesis gravidarum behandelt?
Bei Hyperemesis gravidarum steht zunächst die engmaschige ärztliche und gynäkologische Betreuung im Vordergrund. Dazu gehören unter anderem Blutdruckmessungen sowie die Kontrolle des kindlichen Wohlbefindens mithilfe des Doppler Ultraschalls. Ziel ist es, Komplikationen frühzeitig zu erkennen und Mutter sowie Kind bestmöglich zu schützen.
Je nach Schweregrad der Beschwerden kommen zusätzlich verschiedene therapeutische Maßnahmen zum Einsatz. Dazu zählen die klassischen Tipps gegen Morgenübelkeit als auch komplementäre und medikamentöse Behandlungsformen.
Komplementäre Behandlungsverfahren
- Akupressur/Akupunktur
- Elektrostimulation
- autogenes Training
- Massagen
- homöopathische Mittel wie Nux vomica oder Pulsatilla
- Kräuter, die gegen Übelkeit und Erbrechen wirken: Ingwer, Kamille und Pfefferminze
Medikamente
- Vitamin B6
- Antiemetika
- Antihistaminika
- Dopaminantagonisten, H3-Antagonisten oder Serotoninantagonisten
- in der Klinik: künstliche Ernährung (Infusion oder Sonde)
In schweren Fällen kann eine stationäre Behandlung erforderlich sein. Dabei wird der Flüssigkeits und Nährstoffhaushalt unter anderem durch Infusionen oder eine Ernährung über Sonde sichergestellt. Da anhaltende Übelkeit und Erbrechen für viele Schwangere auch psychisch sehr belastend sind, ist eine unterstützende Begleitung durch Ärzt*innen und Hebammen besonders wichtig. Sie stehen euch in dieser Phase mit fachlichem Rat und praktischer Hilfe zur Seite.

Schwangerschaft und Geburt

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Quelle
- NIH:Weiterführende Infos
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