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Psychische Gewalt im Kreißsaal: Annas Erfahrung und Doula Fran gibt Tipps
Anna war voller Hoffnungen und Erwartungen, als sie zur Geburt ihres ersten Kindes ins Krankenhaus kam. Doch statt der erhofften Geborgenheit fühlte sie sich immer wieder unsicher und überfordert: Manche Interventionen erschienen ihr unnötig, im Stress des Geburtsverlaufs fühlte sie sich übergangen und nicht wirklich gehört.
Fran, selbst zweifache Mutter und angehende Doula, erklärt: „Viele Frauen erleben unter der Geburt, dass ihnen Sprüche gesagt werden wie ‚Stell dich nicht so an‘ oder ‚Andere schaffen das auch‘. Solche Kommentare sind psychische Gewalt, weil sie verunsichern, Ängste verstärken und das Selbstvertrauen der Gebärenden untergraben.“
„Natürlich kann eine Geburt anstrengend sein, und manchmal müssen Entscheidungen schnell getroffen werden, etwa wenn die Geburt stockt oder Komplikationen auftreten. Aber auch in solchen Situationen gilt: Respekt und Kommunikation müssen immer gewahrt bleiben. Eine Intervention darf nur dann erfolgen, wenn sie medizinisch notwendig ist und die Frau, wenn möglich, informiert und einbezogen wird.“
Fran betont: „Selbst in einer Notfallsituation habt ihr das Recht, informiert zu werden und, wenn möglich, euer Einverständnis zu geben — selbst durch ein Nicken oder Zeichen. Danach sollte erklärt werden, was gemacht wurde. Eine respektvolle Intervention unterscheidet sich grundlegend von Gewalt: Sie ist verhältnismäßig, transparent und wahrt die Würde und Autonomie der Gebärenden.“
Studien zu Gewalt und Fehlbehandlung während der Geburt
Weltweit erleben viele Gebärende negative Erfahrungen während der Geburt.
Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit fand, dass rund 54,5 Prozent aller Frauen mindestens einmal Formen von Missachtung, Respektlosigkeit oder Misshandlung während der Geburt erlebt haben¹. Zu den dokumentierten Formen zählen fehlende Zustimmung vor Eingriffen, Vernachlässigung, verbale oder physische Gewalt, mangelnde Privatsphäre oder nicht ausreichend einfühlsame Versorgung.
Auch in der Region der World Health Organization (WHO) — also in Europa und nahestehenden Ländern — zeigen Daten: In einer großen Studie mit über 50.000 Probandinnen berichteten 15,2 Prozent von respektloser oder missbräuchlicher Behandlung während der Geburt².
Das zeigt deutlich: Gewalt und Missachtung während der Geburt sind kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem, das ernst genommen werden muss.

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So könnt ihr euch vor psychischer und körperlicher Gewalt im Kreißsaal schützen!
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Vertrauensvolle Begleitung suchen
Steht während der gesamten Schwangerschaft in engem Austausch mit eurer Hebamme, sofern ihr eine habt. Zusätzlich kann eine Doula eine wertvolle Unterstützung sein, da sie sich ausschließlich um euer Wohl kümmert und euch während der Geburt begleitet. Außerdem sollte euch eure private Begleitperson unbedingt auch bei der Kommunikation mit medizinischem Personal unterstützen.Geburtsvorbereitung für Partner*innen mit „Hey Papa“ von keleya - 2
Geburtsplan erstellen
Notiert eure Wünsche und Grenzen, z. B. zu Schmerzmitteln, PDA oder Interventionen, und besprecht diese vorab mit dem Kreißsaalpersonal.Periduralanästhesie - 3
Rechte kennen und einfordern
Ihr habt das Recht auf Information, Zustimmung zu Maßnahmen und die Ablehnung von Eingriffen und müsst euch keine herablassenden oder entmutigenden Kommentare gefallen lassen. Lasst euch nicht drängen und besprecht vorher mit eurer Hebamme, Doula und Begleitpersonen, welche Aussagen ihr z. B. nicht duldet und kommuniziert eure Wünsche respektvoll aber deutlich, um Missverständnisse zu vermeiden. - 4
Auf das eigene Bauchgefühl hören
Besonders Erstgebärende wissen oft nicht genau, wie sich Wehen und Schmerzen anfühlen. Wenn ihr überfordert seid, besteht auf Unterstützung und hilfreiche Interventionen wie eine PDA oder Lachgas.Lachgas bei der Geburt: Alternative zur PDA? - 5
Nachsorge und Reflexion
Euch sind trotzdem belastende Dinge widerfahren? Dann ist es nach der Geburt hilfreich, das Erlebte zu besprechen, sich psychologische Unterstützung zu holen oder Selbsthilfegruppen zu nutzen.
Notfallintervention bei der Geburt: Wann sie nötig ist und wie sie respektvoll abläuft
In manchen Situationen, z. B. bei Geburtskomplikationen wie einer Schulterdystokie, vorzeitigen Plazentaablösung oder wenn die Geburt stockt, kann schnelles Handeln nötig sein, um Leben oder Gesundheit von Mutter und Kind zu schützen. Wie schon Fran betont hat, bedeutet eine Notfallintervention jedoch nicht automatisch Gewalt.
So sollte eine respektvolle Notfallintervention ablaufen:
- Klare Kommunikation:Das Team erklärt ruhig, warum eine Maßnahme notwendig ist.
- Einwilligung einholen:Wenn möglich durch Nicken, Handzeichen oder kurze verbale Zustimmung der Gebärenden oder der Doula/Begleitperson.
- Minimal notwendige Maßnahmen:Nur das, was medizinisch notwendig ist - so sanft wie möglich.
- Würde und Autonomie wahren:Keine Drohungen, kein Druck, keine Schuldgefühle, keine Bevormundung.
- Nachsorge und Aufklärung:Im Anschluss wird erklärt, was gemacht wurde und warum. Psychologische Nachbetreuung kann helfen, belastende Erfahrungen aufzuarbeiten.
💡 Euer Merksatz : Notfallinterventionen dienen dem Schutz von Mutter und Kind. Gewalt entsteht, wenn Autonomie, Rechte und Würde missachtet werden.
Eure zweite Stimme: Doula oder Begleitpersonen
Fran betont ebenfalls: „Eine Doula oder Begleitperson kann euch helfen, selbst in stressigen Situationen gehört zu werden. Sie unterstützt euch emotional, achtet auf eure Wünsche und kann vermitteln, wenn etwas unklar ist.“
Begleitung kann helfen, psychische und körperliche Gewalt im Kreisßsaal zu vermeiden und nach der Geburt belastende Erfahrungen aufzuarbeiten, sofern ihr sie dadurch nicht schon komplett verhindert habt.
Häufige Fragen zu Gewalt im Kreißsaal
Quellen
- ¹Springer Nature:Prevalence of mistreatment and disrespect of women during childbirth in the world
- ²PubMed:DOI: 10.1002/ijgo.70516
