Hochschwangere lächelt und hält ihre Hand auf ihren Babybauch

Wehen fördern: Expertinnen-Tipps von Hebamme Sissi Rasche!

Wenn die Wehen am offiziellen Entbindungstermin nicht einsetzen, besteht kein Grund zur Sorge. Dennoch ist es verständlich, dass Unruhe und Aufregung der werdenden Mama steigen. Zudem machen sich viele Mütter dann auch Gedanken, ob die Wehen medizinisch eingeleitet werden müssen. Davor gibt es allerdings einige Möglichkeiten, die Wehen auf natürliche und sanfte Weise zu fördern. Und diese Tipps und weitere Infos verrät euch Hebamme Sissi Rasche in unserem Interview!

Übrigens ist der Entbindungstermin (ET) aus medizinischer Sicht kein Tag, sondern ein Zeitraum, der bei einer normalen Geburt drei Wochen vor dem Entbindungstermin beginnt und zwei Wochen nach dem ET endet. Nur vier von 100 Kindern werden am berechneten Stichtag geboren. Die meisten Babys kommen einige Tage später zur Welt.

Vorweg ist es natürlich wichtig, dass ihr wehenfördernde Maßnahmen erst nach Rücksprache mit eurem Arzt und eurer Hebamme ergreift. Möglicherweise seid ihr etwas zu ungeduldig oder die eine oder andere Maßnahme ist für euch und euer Baby nicht geeignet und ihr riskiert unnötige Komplikationen.

Sissi Rasche ist dreifache Mutter, seit vielen Jahren als Hebamme tätig und hat bereits unzählige werdende und Neu-Mamas betreut. Neben ihrer Hebammentätigkeit betreibt sie gemeinsam mit ihrer Mitgründerin die Babybox & Family. Nach dem Motto: „Es braucht nicht viel am Anfang, aber das Richtige!“ beraten sie euch in ihrem Laden und online rund um das Thema Erstausstattung. Jetzt gibt sie euch aber erst mal die wichtigsten Tipps und Tricks zum Wehen fördern mit auf den Geburtsweg.

Ab wann darf die werdende Mutter Wehen eigenständig fördern?

Prinzipiell gilt: Wehen sollten nie ohne Absprache mit dem Fachpersonal gefördert werden, also auch die alternativen Unterstützungsversuche sollten immer mit Hebamme und Arzt besprochen werden. Ab dem errechneten ET findet eine engmaschige Kontrolle von Mutter und Baby statt, zum Beispiel durch Fruchtwasserkontrollen via Ultraschall und CTG-Kontrollen. Für Arzt und/oder Hebamme ist es außerdem wichtig, einen Eindruck von der Mutter zu bekomme. Dafür sind Gespräche wichtig, aber auch Blutdruck- und Urinkontrollen sowie und gegebenenfalls Blutuntersuchungen. Geht es Mutter und Baby gut, sind keine Interventionen nötig. Ich verstehe natürlich die Ungeduld und Vorfreude auf den letzten Metern der Schwangerschaft, aber es gibt ein passendes Zitat, das ich den Müttern, die ich betreue, gerne mitgebe:

An einem Apfelbaum sind auch nicht alle Äpfel gleichzeitig reif.

(Ina May Gaskin)

Jedes Kind hat sein eigenes Timing, dem man in fast allen Fällen vertrauen kann.

Es gibt viele Tipps, um die Wehen als werdende Mutter natürlich und sanft zu fördern. Welche Methoden sind für dich die wirksamsten und risikoärmsten und welche funktionieren gar nicht?

Wehen fördern: Was hilft und was nicht?

  1. Treppensteigen bringt – außer dass es die Schwangere erschöpft – nichts. Diesen vermeintlichen Tipp könnt ihr euch also sparen!
  2. Gönnt euch zum Ende eurer Schwangerschaft genügend Ruhepausen und sammelt Kraft für die bevorstehende Geburt. Außerdem heißt es nicht umsonst: „Aus der Ruhe entstehen Wehen“.
  3. Viele werdende Mamas setzen auf Himbeerblättertee. Dieser soll am Ende der Schwangerschaft das „Weichwerden“ von Gebärmutterhals und Muttermund begünstigen. So kann dein Baby tiefer nach unten rutschen und das Gewebe bereitet sich auf das Öffnen während der Geburt vor. Man könnte also sagen, eure Babys kommen mit Himbeerblättern gut in eure Gebärmutter hinein – und auch gut wieder heraus. Wirklich geklärt ist die Wirkungsweise von Himbeerblättern auf wissenschaftlicher Ebene allerdings nicht. Aber Tee trinken entspannt und hat somit eine beruhigende Wirkung ... daher spricht auch nichts dagegen, dass ihr es versucht!
  4. Ein tolle Unterstützung zur natürlichen Geburtseinleitung ist die Louwen-Diät. Hier verzichtet ihr ab der (ca.) 32 SSW auf bestimmte Kohlenhydrate mit einem hohem glykämischen Index.
  5. Viele Frauen machen positive Erfahrungen mit Nelkenöl-Tampons, die ebenfalls dafür sorgen sollen, dass der Muttermund weicher wird – aber auch hier gibt es keine fundierten Studien. Manche Frauen schwören darauf, bei anderen kommt es zu Störungen der Schleimhaut. Besprecht die Methode also auf jeden Fall vorher mit eurem/eurer Arzt/Ärztin oder eurer Hebamme.

Was sollte die werdende Mutter auf jeden Fall erledigt/geklärt haben, bevor sie die Tipps in die Tat umsetzt?

Ich kann nur noch einmal unterstreichen, dass jede werdende Mutter mit einem Arzt oder einer Hebamme Rücksprache halten sollte, bevor sie irgendwelche Versuche startet, die Geburt eigenständig zu „fördern“. Außerdem sollte natürlich auch darüber hinaus alles für das Baby bereit sein – wer darüber nachdenkt, wie er die Wehen „herbeizaubert“, sollte auch die Kliniktasche gepackt und alles Wichtige für das Baby parat haben.