Spitzwegerich: Heilkraut gegen Husten, Insektenstiche und Hautunreinheiten

Letzte Aktualisierung: 25. November 2025Lesezeit: 4 Minuten
Spitzwegerich ist ein altbekanntes Heilmittel und wurde schon in der Antike gegen Hautreizungen und Magen-Darm-Beschwerden angewendet. Heute steckt es vor allem in Hustensaft und Bonbons. Welche Wirkungen wissenschaftlich belegt sind?
Spitzwegerich Pflanze auf einer Wiese

Inhalt

Was ist Spitzwegerich und wie sieht er aus?

„Der König des Weges“ wurde der Wegerich im Althochdeutschen genannt, denn dieses europäische Kraut wächst nahezu überall: auf Feldern, Wiesen, Parks und eben entlang des Weges. Der Spitzwegerich verdankt seinen Namen seinen spitzen Blättern, die wie eine Lanze in Rosettenform herausstechen. Auffällig sind die deutlich erkennbaren Blattrippen.

In seiner Blütezeit von Mai bis September bildet der Spitzwegerich lange Ähren mit klebrigen, dunklen Samen. Die gesamte Pflanze (außer den Wurzeln) wird als Heilmittel verwendet. Am besten eigenen sich jedoch die jungen Blätter im Frühjahr.

Pflanzen-Lexikon: Welche Wirkstoffe stecken in Spitzwegerich?

Spitzwegerich hemmt Entzündungen und wirkt antibakteriell. Er enthält Schleimstoffe, die bei Atemwegserkrankungen helfen: Sie legen sich wie ein schützender Film auf die Schleimhäute und lindern so Reizhusten. Bitterstoffe lösen den Hustenschleim. Hier findet ihr Infos zu Halsschmerzen.

Dank seiner Gerbstoffe, Kieselsäure, Kalium und Zink fördert der Spitzwegerich die Wundheilung der Haut, zum Beispiel bei Entzündungen oder Insektenstichen. Die Gerbstoffe wirken adstringierend. Das heißt, sie wirken durch Eiweißfällung austrocknend, blutstillend und entzündungshemmend, und arbeiten so gegen Hautunreinheiten. Ihr könnt eure Hautbeschwerden nicht zuordnen und wollt schnell Gewissheit? Wenn ihr zu lange auf einen ärztlichen Termin warten müsst, nutzt als BIG-Versicherte einfach die dermanostic App!

Blumenwiese mit Heilkräutern
Sanfte Linderung durch alternative Arzneimittel
Die BIG unterstützt ihre Versicherten bei natürlichen Arzneimitteln aus der Apotheke, die ärztlich verordnet und apothekenpflichtig, aber nicht verschreibungspflichtig sind. Für Medikamente der Homöopathie, Phytotherapie und Anthroposophie halten wir ein jährliches Budget von bis zu 50 Euro bereit.
50 Euro jährlich für alternative Arzneimittel

Kräuterapotheke: Hilft Spitzwegerich wirklich?

Spitzwegerich gilt in der traditionellen Naturheilkunde – also in der Phytotherapie, Homöopathie und Anthroposophie – als wirksames Kraut gegen verschiedene Beschwerden:

  • Er lindert Atemwegserkrankungen wie Reizhusten oder Bronchitis.
  • Spitzwegerich reduziert Entzündungen in Mund und Rachen.
  • Die enthaltenen Gerbstoffe helfen bei Hautirritationen wie Insektenstichen, Sonnenbrand oder Nesselsucht.
  • Die blutstillenden Wirkstoffe lassen Wunden schneller heilen.

Studienübersicht

Laborstudien zeigen, dass Plantago lanceolata antibakterielle Eigenschaften besitzt: In einer In-Vitro-Untersuchung hatten Wurzelextrakte gegen verschiedene Bakterien (z. B. Pseudomonas aeruginosa) eine hemmende Wirkung.¹

Außerdem legt eine pharmakologische Übersicht nahe, dass die Schleimstoffe des Spitzwegerichs reizlindernd wirken und so bei Husten eine palliative Wirkung entfalten könnten – klinische Langzeit-Studien am Menschen fehlen bislang aber weitgehend.²

Zudem belegen präklinische Studien (z. B. in vitro) eine wundheilungsfördernde Wirkung von P. lanceolata-Extrakten, etwa durch Förderung von Fibroblasten-Differenzierung.³

Dennoch kürte der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ der Universität Würzburg den Spitzwegerich zur Arzneipflanze des Jahres 2014.⁴

Wichtig

Spitzwegerich ersetzt keine schulmedizinische Therapie. Das Kraut unterstützt lediglich eine Behandlung. Nebenwirkungen sind keine bekannt. Kinder unter drei Jahren sollten allerdings nicht ohne ärztliche Empfehlung damit behandelt werden.

Spitzwegerich: So stellt ihr Spitzwegerich-Heilmittel selbst her

Spitzwegerich wird vielfältig verarbeitet. Ihr findet ihn in Tee, Hustensirup, Hustenbonbons und -dragees. In der Apotheke erhaltet ihr getrocknete Blätter, die ihr selbst verarbeiten könnt. Zerreibt ihr frische Blätter, lässt sich der Saft direkt auf eine Wunde oder Hautirritation geben. Auch könnt ihr frische Blätter auch als „grünes Pflaster“ auf eine wunde Stelle legen, um Blasen vorzubeugen. 

Tee oder Aufguss aus Spitzwegerich:

  • Drei bis fünf frische oder getrocknete Blätter waschen, klein schneiden und mit kochendem Wasser aufgießen.
  • Etwa zehn Minuten ziehen lassen und anschließend abseihen.
  • Gerne mit Honig süßen, da Spitzwegerich sehr bitter schmecken kann.
  • Langsam in kleinen Schlucken trinken und möglichst lange im Mund behalten.
  • Alternativ: Bis zu zehn frische Blätter verarbeiten. Ein Baumwolltuch mit dem abgekühlten Aufguss tränken und auf eine Wunde legen.

Hustensirup aus Spitzwegerich:

  • Eine Handvoll frische Blätter waschen und klein schneiden.
  • Die geschnittenen Blätter und 200 Gramm Kandiszucker abwechselnd in ein steriles Schraubglas schichten. Die letzte Schicht besteht aus Zucker.
  • Das Glas für einige Wochen an einem dunklen Ort lagern. In dieser Zeit setzt sich der Zucker ab.
  • Nach etwa zwei bis drei Monaten: Den Sirup im Wasserbad erwärmen, bis er geschmeidig wird. Anschließend die Blätter abseihen.
  • Etwas Zitronensaft hinzufügen.
  • Den fertigen Sirup in ein steriles Schraubglas füllen.

Spitzwegerich selbst anpflanzen:

Spitzwegerich ist eine anspruchslose Pflanze, die ihr leicht in eurem Kräutergarten anpflanzen könnt. Auf dem Balkon gedeiht sie weniger gut. Wählt einen sonnigen Ort und einen lockeren, leicht feuchten Boden. Achtet darauf, dass die Pflanzen nicht zu eng stehen. Das Heilkraut muss nur im Hochsommer gegossen werden. Es ist zudem mehrjährig und winterhart. Spitzwegerich wird bis zu 60 Zentimeter hoch.

Heilkräuter allgemein

Heilkräuter und Heilpflanzen sind Arzneimittel aus der Natur. Deren Blüten, Blätter, Wurzeln, Sprossteile, Früchte oder Beeren lindern Krankheiten und Beschwerden. Und das bereits seit der Antike. Heute kennen wir etwa 3.000 Heilpflanzen – aus etwa 500 von ihnen werden pflanzliche Arzneimittel hergestellt.

Viele Arzneimittel aus der Schulmedizin basieren auf Pflanzenextrakten. Und auch dort kommen rein pflanzliche Arzneimittel nach wie vor zum Einsatz: zum Beispiel Johanniskraut gegen depressive Verstimmungen oder Mönchspfeffer bei Regelschmerzen. Daneben gibt es auch Heilpflanzen, deren Wirksamkeit nicht eindeutig bewiesen ist.

Was viele nicht wissen: Pflanzliche Medikamente können Wechselwirkungen mit chemischen Arzneimitteln haben – deshalb solltet ihr die Einnahme immer ärztlich ab.

Verfasst von
BIG Redaktion

Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.