Hyperurikämie erkennen und therapieren

Letzte Aktualisierung: 28. Januar 2026Lesezeit: 5 Minuten
Wenn dein Harnsäurespiegel zu hoch ist, kann das Gicht begünstigen. Erfahre, ab wann es kritisch wird, wie du Warnzeichen erkennst, welche Ursachen dahinterstecken und welche Therapien deine Gelenke und Nieren schützen.
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Hyperurikämie bedeutet, dass die Harnsäure in deinem Blut dauerhaft erhöht ist. Wenn zu viel Salz in einer Flüssigkeit ist, dann können sich Kristalle daraus bilden. Das nennt man auskristallisieren. Diese Kristalle können sich in Gelenken, Sehnen und Organen absetzen.

Hyperuikämie kann Gichtanfälle begünstigen. Wichtig: Ein erhöhter Harnsäurespiegel führt nicht automatisch zu Gicht – entscheidend sind die Höhe und Dauer der Hyperurikämie sowie weitere Risikofaktoren.

Hyperurikämie: Ursachen einfach erklärt

Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen. Purine sind natürliche Eiweiß-Bestandteile deiner Zellen und stecken auch in Lebensmitteln. Wenn zu viel Harnsäure gebildet wird oder die Niere sie nicht ausreichend ausscheidet, steigt der Spiegel im Blut. Häufige Ursachen:

  • verminderte Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren (häufigste Ursache),
  • vermehrter Zellabbau (z. B. bei Tumorlyse, wenn ein Tumor zerfällt, oder bestimmten Blutkrebserkrankungen),
  • eiweißreiche Ernährung, hoher Fleischkonsum z. B., und Alkohol,
  • Medikamente, die die Harnsäureausscheidung bremsen (z. B. bestimmte harntreibende Medikamente).

Man unterscheidet zwei Formen von Hyperurikämie: Die primäre Hyperurikämie beruht meist auf einer genetisch bedingten Störung des Purin- oder Harnsäurestoffwechsels beziehungsweise der Nierenausscheidung. Hier ist die Niere oft nicht in der Lage, genügend Harnsäure aus dem Körper zu entfernen, oder es wird zu viel Harnsäure produziert. Die sekundäre Hyperurikämie entsteht dagegen als Folge anderer Erkrankungen oder Behandlungen. Dazu zählen insbesondere Nierenerkrankungen, die die Ausscheidung begrenzen, oder Situationen mit starkem Zellzerfall. Auch bestimmte Arzneimittel können den Harnsäurewert erhöhen.

Hyperurikämie: Symptome und Warnzeichen

Viele Menschen spüren zunächst nichts. Die symptomlose Hyperurikämie verläuft häufig ohne Beschwerden und fällt im Labor bei Routineuntersuchungen auf. Beschwerden zeigen sich oft erst, wenn Gicht ins Spiel kommt: Ein akuter Anfall macht sich durch ein plötzlich stark schmerzendes, gerötetes und überwärmtes Gelenk bemerkbar, typischerweise an der Großzehe. Möglich sind auch Harnsäuresteine oder Nierengrieß. Bei langanhaltend hohen Werten können sich Gichtknoten unter der Haut oder an Sehnen bilden. Wichtig zu wissen: Ein normaler Harnsäurewert schließt einen akuten Gichtanfall nicht sicher aus, und ein hoher Wert allein bedeutet noch keine Gicht.

Hyperurikämie: Wer ist besonders gefährdet?

Erhöhte Harnsäurewerte treten häufiger bei Männern sowie bei Frauen nach der Menopause auf. Das Risiko steigt außerdem bei chronischen Nierenerkrankungen, Bluthochdruck, metabolischem Syndrom und Typ-2-Diabetes. Übergewicht – insbesondere Bauchfett – spielt eine Rolle, ebenso regelmäßiger Alkoholkonsum (vor allem Bier und Spirituosen), eine stark purinreiche Kost mit vielen Innereien, rotem Fleisch sowie manchen Fischen und Meeresfrüchten. Auch fruktosereiche, zuckergesüßte Getränke können den Harnsäurespiegel erhöhen.

Hyperurikämie unbehandelt: Was kann passieren?

Je länger und je höher die Hyperurikämie anhält, desto eher lagern sich Kristalle ab und es kommt zu Harnsäuresteinen oder zu Gichtanfällen. Das Risiko, an Gicht zu erkranken, steigt zusätzlich, bei sehr purinreichen Mahlzeiten, viel Alkohol, Crash-Diäten mit abrupten Stoffwechselumschwüngen, akuten Infektionen oder Operationen.

Hyperurikämie: So läuft die Diagnostik ab

Am Anfang steht die Bestimmung des Harnsäurewerts im Blut. Bildgebende Verfahren wie der Gelenkultraschall können typische Zeichen von Harnsäurekristallen zeigen. Bei unklarem Gelenkerguss liefert eine Gelenkpunktion mit dem Nachweis von Mononatriumurat-Kristallen die sicherste Bestätigung für Gicht. Röntgenaufnahmen sind vor allem bei fortgeschrittener, chronischer Gicht hilfreich. Parallel sollten Nierenfunktion und individuelle Risikofaktoren beurteilt werden. Eine routinemäßige Gelenkspiegelung ist zur Diagnose der Hyperurikämie nicht notwendig.

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Hyperurikämie mit Medikamenten behandeln

Ob Medikamente nötig sind, hängt von deinem individuellen Risiko ab. Bei asymptomatischer Hyperurikämie stehen zunächst Lebensstiländerungen im Vordergrund. Eine harnsäuresenkende Dauertherapie kommt in Betracht, wenn die Werte sehr hoch sind, Harnsäuresteine bestehen, eine chronische Nierenerkrankung vorliegt oder das Risiko für stoffwechselbedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen insgesamt hoch ist. Liegt bereits eine Gicht vor – akut, wiederkehrend oder mit kristallbedingten Schäden – hilft eine langfristige Harnsäuresenkung, Anfälle zu verhindern und Ablagerungen abzubauen.

Für die medikamentöse Therapie gelten klare Zielwerte: In der Regel sollte der Harnsäurespiegel auf unter 6 mg/dl (unter 360 µmol/l) gesenkt werden; bei sichtbaren Gichtknoten wird häufig ein Ziel von unter 5 mg/dl (unter 300 µmol/l) empfohlen. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind Allopurinol oder Febuxostat, die die Bildung von Harnsäure hemmen. In ausgewählten Fällen kommen sogenannte uricosurische Mittel zum Einsatz, die die Ausscheidung fördern. Zu Beginn der Harnsäuresenkung kann es übergangsweise häufiger zu Anfällen kommen; deshalb wird in der Startphase oft eine niedrig dosierte Prophylaxe mit Colchicin oder einem entzündungshemmenden Schmerzmittel gegeben. Grundsätzlich gilt: langsam einschleichen, regelmäßig kontrollieren und die Dosis so anpassen, dass der Zielwert stabil erreicht wird. Begleiterkrankungen und Nierenfunktion sollten immer mitberücksichtigt werden, und oft ist eine dauerhafte Therapie nötig, um Rückfälle zu vermeiden.

Hyperurikämie vorbeugen: Auf gesunde Ernährung achten

Eine Hyperurikämie entsteht oft durch Stoffwechselstörungen oder Begleiterkrankungen, daher ist Vorbeugung nur teilweise möglich. Du kannst dein Gichtrisiko jedoch deutlich senken: Reduziere purinreiche Lebensmittel wie Innereien, rotes Fleisch, Wurst sowie einige Fische/Meeresfrüchte und setze stärker auf pflanzenbetonte Kost. Fettarme Milchprodukte sind ebenfalls geeignet. Trinke Alkohol nur maßvoll – besonders Bier und Spirituosen erhöhen den Harnsäurespiegel – und meide fruktosereiche Limonaden. Achte auf ein gesundes Gewicht und nimm langsam ab statt mit Crash-Diäten, die Stoffwechselschwankungen provozieren. Trinke ausreichend Wasser, bewege dich regelmäßig und baue Stress ab. Wenn in deiner Familie Gicht vorkommt oder du Medikamente nimmst, die Harnsäure beeinflussen, sprich frühzeitig mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über Prävention und mögliche Alternativen.


 

Verfasst von
BIG Redaktion

Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.