Pfeiffersches Drüsenfieber: Die „Kuss-Krankheit“ trifft vor allem Jugendliche und junge Erwachsene

Letzte Aktualisierung: 25. November 2025Lesezeit: 4 Minuten
Das Pfeiffersche Drüsenfieber klingt bedrohlicher, als es meist ist: Hinter dem komplizierten Namen steckt eine Virusinfektion, die häufig auftritt, meist mild verläuft und sich mit etwas Geduld vollständig ausheilen lässt.
Kranke Frau sitzt mit Schal, warmer Decke und einer Tasse Tee im Bett

Inhalt

Das Pfeiffersche Drüsenfieber, medizinisch infektiöse Mononukleose, wird durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) ausgelöst. Die Erkrankung ähnelt zunächst einer starken Erkältung, geht aber oft mit Fieber, Halsschmerzen und geschwollenen Lymphknoten einher. Nach ein bis drei Wochen verschwinden die Symptome meist, doch die Erholung des Körpers dauert nicht selten länger.

Was genau ist Pfeiffersches Drüsenfieber?

Das Pfeiffersche Drüsenfieber, auch bekannt als „Kuss-Krankheit“, betrifft vor allem Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren. Im Kindesalter verläuft die Infektion dagegen häufig unbemerkt oder sehr mild.

Entdeckt wurde die Erkrankung Ende des 19. Jahrhunderts vom Kinderarzt Emil Pfeiffer, der sie wegen der typischen Lymphknotenschwellungen „Drüsenfieber“ nannte.

Ursache: das Epstein-Barr-Virus (EBV)

Verantwortlich ist das Epstein-Barr-Virus, ein Mitglied der Herpesvirus-Familie. Es ist weltweit verbreitet, rund 90 bis 95 Prozent aller Erwachsenen hatten irgendwann Kontakt damit. Nach einer Infektion bleibt das Virus lebenslang im Körper, wird aber vom Immunsystem in Schach gehalten.

 

Wie steckt man sich an?

Das Virus wird vor allem über Speichel übertragen, daher der Spitzname „Kuss-Krankheit“. Am häufigsten wird das Virus wahrscheinlich von Eltern auf Kinder übertragen. Auch das gemeinsame Benutzen von Besteck, Gläsern oder Zahnbürsten kann ansteckend sein. Seltener erfolgt die Übertragung über Husten, Niesen oder beim Geschlechtsverkehr. Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit, beträgt zwei bis acht Wochen. Schon vor dem Ausbruch und noch Monate nach Abklingen der Symptome kann das Virus weitergegeben werden.
Wer einmal erkrankt war, ist danach in der Regel lebenslang immun.

Typische Symptome

Zunächst fühlt man sich einfach „krank“, ähnlich wie bei einer Grippe oder starken Erkältung. Symptome sind:

- Müdigkeit, Abgeschlagenheit
- Kopf- und Gliederschmerzen
- Halsschmerzen
- Fieber zwischen 38 und 39 °C
- Lichtempfindlichkeit
 

Nach einigen Tagen zeigen sich die typischen Anzeichen:

- entzündete Mandeln mit weißlichem oder gelblichem Belag
- geschwollene Lymphknoten am Hals, im Nacken oder in der Leistengegend
- starke Erschöpfung („Fatigue“)
- vergrößerte Milz, seltener auch die Leber
 

In seltenen Fällen treten zusätzlich Hautausschläge, Nachtschweiß oder Schwindel auf. Wird versehentlich ein Antibiotikum wie Amoxicillin verschrieben, kann es zu einem juckenden Hautausschlag kommen – ein typischer Hinweis auf EBV.

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Diagnose: So erkennt der Arzt das Pfeiffersche Drüsenfieber

Weil die Symptome leicht mit anderen Infekten verwechselt werden können, erfolgt die Diagnose meist durch eine Blutuntersuchung. Dabei zeigen sich typische Veränderungen der weißen Blutkörperchen (Lymphozytose). Möglich ist auch ein EBV-Antikörper-Test (Schnelltest) sowie Ultraschall von Milz und Leber, um Vergrößerungen zu erkennen.

Pfeiffersches Drüsenfieber: Verlauf und Dauer

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen verläuft die Krankheit meist ausgeprägter als bei Kindern. Nach ein bis drei Wochen bessern sich die Symptome deutlich, doch Körper und Immunsystem brauchen Zeit: Schonung von etwa sechs Wochen ist sinnvoll, um Komplikationen zu vermeiden – insbesondere eine Sportpause, da eine vergrößerte Milz leicht reißen kann.

So wird Pfeiffersches Drüsenfieber therapiert

Ein spezielles Medikament gegen das Epstein-Barr-Virus gibt es nicht. Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden:

- Ruhe und Schlaf
- viel trinken, um Fieber und Halsschmerzen zu lindern
- weiche, milde Kost
- fiebersenkende Mittel (z. B. Ibuprofen oder Paracetamol – letzteres nur vorsichtig wegen der Leber!)
- Antibiotika helfen nicht, da es sich um eine Virusinfektion handelt.

Mögliche Komplikationen

Die meisten Fälle verlaufen harmlos. Selten können jedoch folgende Komplikationen auftreten:

 

- starke Mandel- oder Rachenentzündung mit Atemnot

- bakterielle Zusatzinfektionen

- Lungenentzündung

- Entzündung von Gehirnhaut, Herzmuskel oder Leber

- Milzriss (sehr selten, aber lebensgefährlich)

 

Deshalb ist körperliche Schonung so wichtig, vor allem in den ersten Wochen nach der Erkrankung.

Löst das Pfeiffersche Drüsenfieber Spätfolgen aus?

In fast allen Fällen heilt das Pfeiffersche Drüsenfieber vollständig aus. Nur etwa zehn Prozent der Betroffenen fühlen sich noch Monate später ungewöhnlich erschöpft. Diese Post-Infekt-Fatigue kann Geduld erfordern, verschwindet aber meist von selbst.

Eine Reaktivierung des Virus ist zwar möglich, führt aber bei gesunden Menschen kaum zu Symptomen. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann EBV jedoch schwerere Erkrankungen auslösen.

Studien zeigen außerdem, dass das Virus bei bestimmten Krebsarten (z. B. Morbus Hodgkin, Burkitt-Lymphom, Nasopharynxkarzinom) sowie möglicherweise bei Multipler Sklerose eine Rolle spielt, allerdings betrifft das nur sehr wenige Menschen, und das Risiko bleibt insgesamt gering. Ein direkter Zusammenhang mit dem Chronic Fatigue Syndrome (CFS) wird seit Jahren diskutiert, ist aber wissenschaftlich bislang nicht eindeutig belegt.

Quellen

  1. Nationales Gesundheitsportal:
    Pfeiffersches Drüsenfieber Übersicht
  2. HNO-Ärzte im Netz:
    Pfeiffersches Drüsenfieber – Definition und Häufigkeit
  3. Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt:
    Epstein-Barr-Virus: Von harmlos bis folgenschwer
Verfasst von
BIG Redaktion - geprüft von Vita Health Media

Medizinisch geprüft von: Vita Health Media