Vater schaut mit Kleinkind auf dem Bett ein Bilderbuch an

Vorlesemonitor 2022: Jedem fünften Kind wird selten oder nie vorgelesen

Einmal jährlich untersucht der Vorlesemonitor (ehemals Vorlesestudie) im Rahmen des Bundesweiten Vorlesetages, initiiert von der Stiftung Lesen, ob und in welchem Maße Kindern in Deutschland vorgelesen wird. Obwohl das Vorlesen für die kindliche Entwicklung extrem wichtig ist, wird jedem fünften Kind zwischen einem und acht Jahren selten oder nie vorgelesen.

Was ist der Vorlesemonitor?

Seit 2007 befragen im Zuge des Bundesweiten Vorlesetages die Stiftung Lesen gemeinsam mit DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung bundesweit Familien, um zu erfahren, wie es um ihr Vorleseverhalten bestellt ist und gehen dabei der Bedeutsamkeit des Vorlesens auf den Grund. Für den Vorlesemonitor 2022 (ehemals Vorlesestudie) wurden 797 Mütter und 42 Väter von Kindern im Alter zwischen ein und acht Jahren zu ihrem Vorleseverhalten befragt. Die Eltern wurden bundesweit nach bestimmten Merkmalen des Kindes wie Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund sowie nach dem Schulabschluss des Haushaltsvorstands und dem Familienstand der Mutter ausgewählt.

Was heißt vorlesen?

Das Vorlesen umfasst nicht nur das eigentliche Vorlesen, sondern auch das gemeinsame Anschauen und Erläutern von Bilderbüchern, die keinen bis wenig Text oder Bilder haben und aus Materialien wie Stoff oder Holz sind.

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Familie sitzt auf dem Sofa

Die wichtigsten Ergebnisse des Vorlesemonitors 2022

39 Prozent der Kinder zwischen einem und acht Jahren, also jedem fünften Kind, wird selten oder nie vorgelesen. Zum Vergleich: 2019 lag der Anteil der Familien, in denen wenig bis nie vorgelesen wird, noch bei 32 Prozent. 61 Prozent der befragten Eltern lesen ihren Kindern dagegen mehrmals die Woche vor.

Mütter lesen häufiger vor als Väter.

Der Anteil der Mädchen und Jungen, denen regelmäßig vorgelesen wird, blieb im Vergleich zu den Vorjahren stabil. Das Geschlecht der Kinder spielt dabei kaum eine Rolle. Mädchen wird im Vergleich zu Jungen also ähnlich häufig oder selten bis nie vorgelesen.

Familien mit einem formal geringeren Bildungsniveau lesen seltener vor als Eltern mit einer formal höheren Bildung. So lesen 31 Prozent der Eltern, die einen Volks- oder Hauptschulabschluss oder keinen Schulabschluss haben, nie vor. Bei Eltern, die einen höheren Abschluss wie zum Beispiel das Abitur haben, sind es 18 Prozent.

Ein Migrationshintergrund der Eltern spiele laut Vorlesemonitor weniger eine Rolle als die damit oft einhergehende formale Bildung.

Wenn Kindern selbst vorgelesen worden sei, erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie als Eltern auch ihren Kindern vorlesen, selbst wenn die formale Bildung tendenziell gering sei.

Je mehr Kinderbücher in den Haushalten der befragten Eltern vorhanden waren, desto regelmäßiger lesen sie ihren Kindern vor.

Viele Eltern fangen erst mit oder nach dem zweiten Geburtstag an ihren Kindern vorzulesen. Laut der Stiftung Lesen ist das zu spät. Am häufigsten wird zwei- bis vierjährigen Kindern vorgelesen. Mit dem Schuleintritt wird das Vorlesen immer seltener. Bei den über Achtjährigen liegt der Anteil der Kinder, denen nie vorgelesen wird, bei mehr als der Hälfte.

Laut Vorlesemonitor nutzen 34 Prozent der Kinder digitale Bücher oder Kinderbuch-Apps – unabhängig davon, ob ihre Eltern regelmäßig vorlesen oder nicht. Dabei bleiben allerdings die Eltern die zentralen Vorlese-Akteure. Beschäftigen sich Kinder allein mit Smartphone oder Tablet, hören sie vor allem Musik, beschäftigen sich kreativ, schauen Filme oder Serien und spielen Spiele, bei denen es vornehmlich um Spaß und Unterhaltung geht.

Welche Vorteile hat regelmäßiges Vorlesen bei Kindern?

Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, …

  • lernen schneller und leichter sprechen, lesen und schreiben
  • haben ein besseres Textverständnis
  • haben einen größeren Wortschatz
  • sind fantasievoller
  • haben bessere Schulnoten
  • haben generell bessere Bildungs- und Lebensschancen
  • haben höhere sozio-emotionale Kompetenzen (sind z. B. einfühlsamer)
  • haben eine engere Bindung zu den Eltern
  • lesen im Erwachsenenalter häufiger ihren Kindern vor

Das fordern die Initiatoren des Vorlesemonitors

Die Stiftung Lesen plädiert unter anderem dafür, Eltern durch Fördermaßnahmen darin zu bestärken und zu unterstützen, dass Kindern regelmäßig vorgelesen wird.

Fördermaßnahmen sollten vor allem sozial- und bildungsbenachteiligten Familien zur Verfügung stehen. So könne nur eine bessere Verfügbarkeit von Büchern und digitalen Vorlesematerialien dazu beitragen, dass Eltern ihren Kindern öfter vorlesen und durch das Selbstlesen die Kinder zum Lesen zu animieren.

Das Vorlesen und weitere sprachfördernde Aktivitäten sollten bereits VOR dem zweiten Geburtstag der Kinder beginnen.

Auch sei es wichtig, dass Kindern mit dem Schuleintritt weiterhin vorgelesen wird, um die Lesemotivation durch einen gleitenden Übergang so lange zu stärken, bis die Kinder gut genug selbst lesen können.

Hier geht's zur kompletten Studie.