Zwei Kinder hocken auf einem Waldboden und sammeln Eicheln

Waldkindergarten: Mit allen Sinnen spielen und lernen

Natur- und Waldkindergärten erfreuen sich in Deutschland einer immer größeren Beliebtheit. Zurecht! Passend zum Tag des Waldkindergartens nehmen wir für euch das tolle Konzept genauer unter die Lupe – die übrigens auch für den Wald eine super Idee ist.

Was bedeutet es für euch, euren Nachwuchs Kind sein zu lassen? In erster Linie natürlich, sie mit den Dingen spielen zu lassen, die sie gerne mögen. Und das sind gewiss Puppen, Bausteine, Brettspiele usw. Viel wichtiger und gesünder sind allerdings die Phasen, in denen sich euer Kind draußen so richtig schmutzig machen, austoben und die Natur mit allen Sinnen entdecken kann. Und weil diese Momente gerade bei Stadtkindern in klassischen Kitas zu kurz kommen, gibt es zum Glück den Natur- und Waldkindergarten!

Kleinkind isst Erdbeere im Gemüsebeet

Dreck hält gesund: Deshalb sollte euer Kind ein Dreckspatz sein!

"Du siehst ja aus wie ein Dreckspatz!", habt ihr sicher auch häufiger von euren Eltern gehört. Und genau dieser Umstand sollte bei Kindern so oft wie möglich eintreten, denn: Dreck hält gesund!

Infos und Tipps

Seit wann gibt es den Waldkindergarten und wer hat ihn erfunden?

Als Vorreiterin gilt die Dänin Ella Flatau aus Søllerød (Stadtrand von Kopenhagen). Gemeinsam mit ihren vier Kindern und den Nachbarskindern verbrachte sie in den 1950er-Jahren viel Zeit in der freien Natur. Besonders Wälder hatten es ihr angetan. Die ersten Waldkindergärten – Skovbørnehave genannt – wurden aber erst Anfang der 1970er-Jahre gegründet.

Seitdem erfreuen sie sich nicht nur in Dänemark, sondern auch in Schweden größter Beliebtheit. Dort sind sie unter der Bezeichnung „I Ur och Skur“ (bei Wind und Wetter) geläufig. In Deutschland wird der Waldkindergarten auch Naturkindergarten genannt. Erste Einrichtungen wurden bereits 1969 gegründet. 

Im Zuge der staatlichen Anerkennung Anfang der 1990er-Jahre – den ersten deutschen Waldkindergarten gab es 1993 in Flensburg – erlebte er dann einen regelrechten Boom. Während es im Jahr 2019 rund 300 Natur- und Waldkindergärten in Deutschland gab, waren es 2021 schon über 2.000. 😊

Ab welchem Alter können Kinder in den Waldkindergarten?

Normalerweise werden Kinder ab dem dritten Geburtstag im Waldkindergarten aufgenommen. In Ausnahmefällen auch schon mit zwei Jahren und neun Monaten. Das müsst ihr dann allerdings individuell mit den Natur- und Waldkindergärten in eurer Nähe klären. 

Was lernen Kinder im Natur- und Waldkindergarten?

In der freien Natur werden Kinder dazu angeregt, mit allen Sinnen zu lernen und zu erfahren. Die Förderung und Entwicklung der Grob- und Feinmotorik wird hierbei über natürliche und zufällige Bewegungsanlässe erfahren. Kinder haben im Wald unendlich viele Möglichkeiten, sich zu bewegen, zu spielen und dabei auch ihre körperlichen Grenzen auszutesten. Zudem werden Sprache und Wahrnehmen der Stille trainiert.

Außerdem lernt euer Nachwuchs die Natur kennen und wertschätzen. Von unterschiedlichen Pflanzen- und Tierarten, über Geräusche bis hin zu typischen Gerüchen. Auch bekommen sie ein erstes Gespür für ökologische Zusammenhänge und für die Jahreszeiten.
 

Wie sieht ein gewöhnlicher Tag im Waldkindergarten aus?

Jeder Natur- und Waldkindergarten gestaltet seinen Tagesablauf individuell. Es gibt jedoch einige Grundabläufe, die identisch sind:
  1. Morgenrituale In der Regel beginnt der Tag mit einem Morgenkreis, bei dem gesungen und getanzt wird. Hierfür gibt es zum Beispiel ein offizielles Waldkind-Lied, das mittlerweile in über 20 Sprachen übersetzt wurde.

    Außerdem lernen die Kinder spezielle Waldregeln, die vor dem Tag im Wald wiederholt werden.

    Die wichtigsten Waldregeln:

    • Wir lassen keinen Müll liegen!
    • Wir bleiben auf den Wegen!
    • Wir bleiben in Sichtweite und warten aufeinander!
    • Wir beschädigen keine Pflanzen!
    • Wir nehmen nichts in den Mund!
    • Wir waschen uns vor dem Essen die Hände!
    • Wir sind nicht zu laut!
    • Tiere beobachten wir ganz vorsichtig!
    • Wir klettern nicht auf gestapeltes Holz!
    Waldkind-Lied und Noten
  2. Freies Spielen Dann darf mit viel Fantasie und Spaß gespielt und getobt werden. Neben den unendlichen Möglichkeiten, die der Wald als Abenteuerspielplatz so bietet, sind außerdem Bollerwagen und Rucksäcke mit Mal- und Bastelsachen mit von der Partie.
    Freies Spiel zu Hause
  3. Geplantes Spielen Neben dem freien Spiel planen die Erzieher*innen außerdem gemeinsame Aktivitäten wie Geschichten erzählen, Lager bauen, singen oder basteln.
  4. Gemeinsames Frühstück/Mittagessen Nahrhafte Butterbrote werden wie sonst auch üblich von zu Hause mitgebracht und gemeinsam gegessen. In vielen Naturkindergärten wird auch ein gemeinsames Mittagessen angeboten. Nach der zweiten Mahlzeit folgt meist eine kurze Mittagsruhe. Um gesundheitliche Risiken zu minimieren, haben die Erzieher*innen auch wärmenden Tee und Wasser zum Händewaschen dabei.
  5. Abschiedsritual Bevor die Gruppe den Wald verlässt, findet sie sich wieder in einem Abschiedskreis zusammen. Es wird gesungen und getanzt und die Kinder können berichten, was ihnen an dem Tag gefallen hat und was nicht.
  6. Beheizte Unterkunft Ist das Wetter sehr schlecht, kann die Gruppe auf eine trockene und beheizte Unterkunft – wie etwa einen Bauwagen, eine Hütte oder ein Zelt – ausweichen. Dort wird dann zum Beispiel gebastelt, vorgelesen oder gesungen.

Welche Ausrüstung und Kleidung für Waldkindergärten?

Kleidung

Da sich die Kinder in der Regel ausschließlich im Wald aufhalten, sind wetterfeste Lagenkleidung und festes Schuhwerk unerlässlich. Zum Schutz vor Zecken und Co. sollte auch im Frühling und Sommer lange Kleidung getragen und je nach Bedarf Insektenschutzsprays und Schutzimpfungen ergänzt werden. Je nach Jahreszeit und Bundesland (gerade in puncto Zecken-Risikogebiete) bekommt ihr von eurem Kindergarten noch mal individuelle Tipps.

Zeckenimpfung: Wirksamster Schutz gegen FSME

Lest hier, wie ihr eure Kinder und euch mit einfachen Mitteln vor Zecken schützen könnt und wann eine Schutzimpfung gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis/Hirnhautentzündung) Sinn macht.

Alle Infos zur BIG-Leistung

Gepäck

Um das Frühstück, wärmende oder schützende Kleidung und Spielutensilien verstauen zu können, benötigt euer Kind einen feuchtigkeitsabweisenden Rucksack. Gegebenenfalls kann auch Wechselkleidung sinnvoll sein, die ihr dann am besten in einen ebenfalls feuchtigkeitsabweisenden Beutel in den Rucksack packt. 

Bollerwagen

In dem Bollerwagen der Erzieher*innen befinden sich nicht nur zusätzliche Spielsachen, sondern beispielsweise auch Wasser zum Waschen, Tee, (manchmal Wechselkleidung) und eine Erste-Hilfe-Ausrüstung.
 

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