Schwangere liegt im Bett und trinkt Wehencocktail

Diese Risiken birgt ein Wehencocktail

Wenn ihr euren errechneten Entbindungstermin (ET) bereits überschritten habt, ist das kein Grund zur Besorgnis. Gerade mal vier Prozent aller Babys kommen pünktlich zum ET auf die Welt. Ihr wollt trotzdem nicht mehr warten und spielt mit dem Gedanken, euch einen sogenannten Wehencocktail „zusammenzubrauen“? Wir erklären euch, welche Risiken und Nebenwirkungen ein Getränk, das die Geburtswehen auslösen kann, mit sich bringt und verraten euch Alternativen!

Ja, die letzten Wochen oder Tage der Schwangerschaft sind nervenaufreibend und kräftezehrend. Der Bauch wird immer schwerer, es schmerzt hier und da, die Angst vor den Geburtsschmerzen und der Wunsch, sein Kind endlich in den Armen zu halten, macht das Warten auf die Geburtswehen ziemlich anstrengend. Wichtig ist in dieser Phase, dass ihr in einem engen Kontakt mit eurer Hebamme und eurem*eurer Arzt*Ärztin beziehungsweise der Geburtsstation steht. Dann wird gemeinsam entschieden, ob es notwendig ist, die Wehen natürlich oder durch Medikamente einzuleiten. Letzteres kann allerdings mehrere Tage dauern. Besprecht diesen „letzten Schritt“ vor eurer Entscheidung noch mal ganz in Ruhe mit der Hebamme eures Vertrauens.

Was ist ein Wehencocktail und wie wirkt er?

Da sich im Netz viele Infos und Rezepte zu Wehencocktails finden und manche Hebammen ebenfalls dazu raten, wollen wir euch die wichtigsten Infos dazu nicht vorenthalten.

Meist beinhaltet ein Wehencocktail Rizinusöl, Eisenkraut (oder Mandelmus) und Aprikosensaft. In manchen Rezepten ist sogar Alkohol wie Sekt oder Schnaps enthalten, damit sich das Rizinusöl im Saft auflösen kann. Rizinusöl sowie Alkohol wirken abführend und regen die Darmtätigkeit an, die auch die Kontraktionen der Gebärmutter verstärken und dadurch die Geburtswehen auslösen kann. Da Rizinusöl und Alkohol aufgrund der abführenden Wirkung einen Kalium- und Elektrolytverlust mit sich bringt, ist Aprikosensaft ebenfalls ein wichtiger Bestandteil eines Wehencocktails. Eisenkraut kann die Wehen zusätzlich in Gang bringen.

Voraussetzungen für einen Wehencocktail

Egal, wie viele Frauen in eurem Umfeld einen Wehencocktail getrunken haben und wie groß eure Ungeduld ist – einen Wehencocktail solltet ihr nur unter bestimmten Voraussetzungen trinken.
  1. Euer Muttermund ist bereits weich, leicht geöffnet und euer Gebärmutterhals gedehnt.
  2. Euer Baby liegt mit dem Kopf nach unten und tief im Becken.
  3. Ihr seid mental bereit für die Geburt.
  4. Euer ET ist mindestens zehn Tage überschritten.
  5. Ihr nehmt den Wehencocktail nur nach Absprache, unter Aufsicht und Kontrolle (CTG) eurer Hebamme oder eurer Ärzt*innen und nicht im Alleingang ein.

Wie schnell wirkt ein Wehencocktail?

Wenn ein Wehencocktail überhaupt die erwünschte Wirkung erzielt, tritt diese nach ungefähr zwei bis sechs Stunden ein.

Welche Risiken und Nebenwirkungen birgt ein Wehencocktail?

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kreislaufbeschwerden durch zu großen Flüssigkeits-, Kalium- und Elektrolytverlust
  • Erschöpfung
  • Rizinusöl kann in den Blutkreislauf eures Babys gelangen und bei ihm ebenfalls Durchfall auslösen (grünes Fruchtwasser).
  • Sauerstoffmangel beim Baby
  • Baby ist gestresst
  • Wehensturm, Mangeldurchblutung der Plazenta, zu schnelle Geburt
  • Probleme bei der Gebärmutterrückbildung

Alternativen zum Wehencocktail

Erfahrene Hebammen können auf einige Hausmittel zurückgreifen, um eure Wehen natürlich und sanft einzuleiten. Dazu zählt beispielsweise die Louwen-Diät, mit der ihr allerdings schon acht bis sechs Wochen vor eurem ET beginnen solltet. Weitere Tipps bekommt ihr von Hebamme Sissi Rasch in unserem Interview zum Thema Wehen fördern!