Lachgas bei der Geburt: Alternative zur PDA?

Letzte Aktualisierung: 04. März 2026Lesezeit: 5 Minuten
Lachgas bei der Geburt wird wieder häufiger als Möglichkeit zur Schmerzlinderung eingesetzt. Zwar gilt die Periduralanästhesie (PDA) als wirksamste Methode, um Geburtsschmerzen zu vermeiden. Doch sie ist nicht in jeder Situation möglich. Setzen die Wehen früher ein als geplant oder möchtet ihr während der Geburt zum Beispiel den Ort wechseln, kommt eine PDA häufig nicht infrage. Aber ist Lachgas wirklich eine Alternative?
Frau liegt im Krankenhausbett bei der Geburt und versucht die Wehen wegzuatmen

Inhalt

Lachgas kann bei der Geburt eine Alternative zur Schmerzlinderung sein. Und die Methode ist keineswegs neu. Bis in die 1970er-Jahre wurde Lachgas bei Geburten regelmäßig eingesetzt. 

Und warum fand Lachgas über Jahrzehnte in den Kreißsälen beziehungsweise als Sedierungsmittel nur noch wenig Anklang? Das liegt unter anderem daran, dass es sich zeitweise auch als Partydroge einen Namen gemacht hat. Vor allem aber daran, dass bislang nicht eindeutig geklärt ist, ob Lachgas bei der Geburt mögliche Risiken für Mutter und Kind birgt.

 

Seit wann wird Lachgas eingesetzt und wie wirkt es?

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird Lachgas (N₂O) als kurzzeitiges Narkosemittel verwendet. In den USA, Großbritannien, Kanada und in skandinavischen Ländern gehört die Anwendung bereits zum Standardangebot vieler Krankenhäuser. Heute wird es vor allem bei Angstpatient*innen als Sedierungsmittel eingesetzt. Lachgas ersetzt kein Schmerzmittel, kann Schmerzen jedoch dämpfen und wirkt entspannend. Die Wirkung tritt schnell ein und hält nur so lange an, wie ihr das Gas einatmet. Nehmt ihr die Atemmaske wieder ab, wird Lachgas über die Atmung rasch wieder ausgeschieden und verlässt den Körper meist nach wenigen Atemzügen.

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Wirkung von Lachgas während der Geburt

Wünscht ihr euch also eine möglichst natürliche Geburt oder möchtet ihr euch nicht auf einen invasiven Eingriff wie eine Periduralanästhesie verlassen, etwa weil die Wehen früher als geplant einsetzen könnten, klärt am besten frühzeitig mit eurem Wunschkrankenhaus, ob dort Lachgas während der Geburt angeboten wird und ob es in eurem Fall vertretbar ist. 

Das leicht süßlich riechende Gas wird bei Gebärenden als Mischung aus jeweils 50 Prozent Lachgas (N₂O) und Sauerstoff verabreicht. Dieses Mischverhältnis sorgt dafür, dass ihr nicht zu viel Lachgas einatmen könnt. In der Regel stellen Krankenhäuser die Mischung über mobile Vorrichtungen in Druckflaschen bereit. Wenn ihr die Schmerzen nicht mehr aushaltet, könnt ihr euch selbstständig die Maske vor Mund und Nase halten. Das Gas wirkt etwa 30 Sekunden nach dem Einatmen. Lassen die Schmerzen nach, könnt ihr die Maske wieder abnehmen. Nach zwei bis drei Atemzügen ist die Wirkung bereits wieder verflogen. Daher müsst ihr euch auch nicht auf einen bestimmten Geburtsort oder eine bestimmte Geburtsposition, etwa liegend im Bett, festlegen. Ihr bleibt mit der Atemmaske bei vollem Bewusstsein und könnt meist schnell wieder aufstehen oder herumlaufen. Zudem hilft euch das bewusste Ein- und Ausatmen dabei, euch auf euch selbst und das Wegatmen der Geburtswehen zu konzentrieren.

Lachgas führt nicht zum Lachanfall

Der Name wirkt zunächst etwas irreführend und kann abschreckend klingen. Ihr müsst jedoch nicht befürchten, dass ein Lachanfall euch während der Geburt die Kräfte raubt. Lachgas wirkt vielmehr entspannend und kann dafür sorgen, dass ihr die Situation leicht berauscht wahrnehmt. Ein weiterer Vorteil ist die angstlösende Wirkung von Lachgas. Schon der Gedanke daran, diese Methode bei Bedarf nutzen zu können, kann dabei helfen, der Geburt weniger angespannt entgegenzusehen.

 

Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?

In einer Stellungnahme* der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) heißt es:

„Die Apgar-Werte und neurophysiologischen Testergebnisse von Kindern, deren Mütter Lachgas unter der Geburt benutzt haben, unterscheiden sich nicht signifikant von denen, die keine Lachgas-Exposition hatten."

„Die Anwendung von Lachgas unter der Geburt vor oder anstatt einer Periduralanästhesie bedarf angesichts seines bislang nicht hinreichend belegten analgetischen Nutzens sowie des bestehenden Nebenwirkungspotentials einer sehr kritischen Nutzen-Risikoabwägung. Der Einsatz darf nur bei Einhaltung der entsprechenden Rahmenbedingungen (s. Stellungnahme oben) erfolgen. Es kann derzeit nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden, dass Lachgas das Potential hat, Mutter, Neugeborenes und Personal schädigen zu können. Dieses wird von den Fachgesellschaften als aufklärungspflichtig angesehen."

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken von Lachgas unter der Geburt

  • Übelkeit und Erbrechen können während der Anwendung auftreten.
  • Schwindel, Benommenheit oder ein Gefühl der Desorientierung sind möglich.
  • In seltenen Fällen wurden auch Halluzinationen beschrieben.
  • Lachgas kann die Wirkung anderer sedierender Medikamente verstärken.
  • Es kann derzeit nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass Lachgas Mutter, Neugeborenes oder medizinisches Personal schädigen könnte (unter anderem werden mögliche neurotoxische Effekte diskutiert).

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn bei euch bestimmte Vorerkrankungen oder Mangelzustände vorliegen. Dazu gehören zum Beispiel Herzerkrankungen sowie ein Vitamin-B12- oder Folsäuremangel. Lachgas kann Vitamin B12 im Körper vorübergehend inaktivieren und damit Stoffwechselprozesse beeinflussen, an denen auch Folsäure beteiligt ist und die unter anderem für Nervenfunktion und Zellteilung wichtig sind. Besteht bereits ein Mangel, kann sich das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen. Bei bestimmten Herzerkrankungen kann zudem eine sorgfältige ärztliche Abwägung notwendig sein, weil Sedierungen den Kreislauf beeinflussen können. Klärt daher am besten gemeinsam mit euren behandelnden Ärzt*innen und eurer Hebamme, ob die Anwendung von Lachgas während der Geburt für euch infrage kommt. Kommt Lachgas für euch also nicht infrage oder sind euch oder dem Krankenhaus generell die Risiken zu hoch, kann vielleicht HypnoBirthing eine hilfreiche Alternative sein. 

Die BIG bietet euch übrigens mit ihrem zusätzlichen Schwangerschaftsbudget die Möglichkeit, einem Folsäuremangel in der Schwangerschaft vorzubeugen, ohne dass ihr dafür hohe Kosten auf euch nehmen müsst.

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Häufige Fragen zu Lachgas bei der Geburt

Verfasst von
BIG Redaktion

Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.