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Herzinfarkt erkennen und behandeln

Letzte Aktualisierung: 17. Mai 2026Lesezeit: 7 Minuten
Ein Herzinfarkt ist ein medizinischer Notfall. Dabei ist ein Herzkranzgefäß (also eine Arterie, die unseren Herzmuskel mit Blut versorgt) plötzlich so stark verengt oder verschlossen, dass der betroffene Teil des Herzmuskels nicht mehr genug Sauerstoff bekommt. Wird das Gefäß nicht rasch wiedereröffnet, kann Herzmuskelgewebe dauerhaft geschädigt werden und absterben. Je schneller behandelt wird, desto mehr Herzmuskel kann gerettet werden.
Stethoskop, rotes Herz und Kardiogramm auf einem Tisch

Inhalt

Herzinfarkte gehören in Deutschland weiterhin zu den häufigsten und besonders gefährlichen Herznotfällen. Männer sind insgesamt häufiger betroffen, aber auch bei Frauen ist der Herzinfarkt ein sehr ernstes und oft leider zu spät erkanntes Problem.

Laut der Deutschen Herzstiftung erleiden in Deutschland jedes Jahr über 300.000 Menschen einen Herzinfarkt (Myokardinfarkt). Meist treten die Symptome plötzlich und unerwartet auf. Bei einem Infarkt gelangt nicht ausreichend Blut in eine bestimmte Region des Herzens. Der Herzmuskel kann irreparablen Schaden nehmen.

Wie ensteht ein Herzinfarkt?

In den meisten Fällen steckt eine sog. koronare Herzkrankheit dahinter, also eine Arteriosklerose der Herzkranzgefäße. Dabei lagern sich über viele Jahre meist völlig unbemerkt Fette, Cholesterin und andere Stoffe in unserer Arterienwand ab. Entscheidend ist dann oft nicht einfach nur eine langsam zunehmende Verengung, sondern dass eine sog. instabile Plaque, also eine Ablagerung, plötzlich aufreißt. Daraufhin bildet sich dann plötzlich ein Blutgerinnsel an dieser aufgerissenen Ablagerung, die das Gefäß dann akut komplett verschließen kann. Das ist der eigentliche “Klassiker“ des Herzinfarkts.

Seltener haben Herzinfarkte andere Ursachen, zum Beispiel einen Gefäßkrampf der Herzkranzarterien oder eine spontane Einrissbildung in der Gefäßwand, die sogenannte SCAD. Letztere ist besonders wichtig, weil sie auch jüngere Frauen ohne klassische Risikofaktoren betreffen kann.

Ein Herzinfarkt ist so gefährlich, weil er nicht nur unseren Herzmuskel schädigt, sondern auch schwere Komplikationen auslösen kann, zum Beispiel eine Herzschwäche oder lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bis hin zum unbehandelt tödlichen Kammerflimmern. Deshalb zählt im Herzinfarkt wirklich jede Minute.

Herzinfarkt: Die wichtigsten Symptome

Das Wichtigste bei einem Herzinfarkt: schnell handeln! Kennen Sie die typischen Symptome, können Sie im Ernstfall sich und anderen das Leben retten. Jedoch sind die Anzeichen oft unterschiedlich, besonders Frauen zeigen häufig untypische Symptome. Wählen Sie daher immer den Notruf, auch wenn Sie sich unsicher sind. Anzeichen, die auf einen Herzinfarkt hindeuten sind:

  • Starke Schmerzen im Brustkorb: Die Schmerzen halten länger als fünf Minuten an und strahlen manchmal auch in andere Teile des Körpers, wie den linken oder rechten Arm, Rücken, Hals und Kiefer aus.
  • Enge- und Druckgefühl oder starkes Brennen im Brustkorb
  • Übelkeit bis hin zu Erbrechen
  • Atemnot
  • Schmerzen im Oberbauch

Herzinfarktsymptome bei Frauen:

Auch bei Frauen ist Brustschmerz das häufigste Symptom. Allerdings treten bei Frauen häufiger zusätzliche oder weniger typische Beschwerden in den Vordergrund, zum Beispiel Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Rückenschmerzen, Kieferbeschwerden, Oberbauchschmerzen, ungewöhnliche Erschöpfung oder kalter Schweiß. Das führt leider oft dazu, dass die Symptome mit Magenproblemen, Stress oder einer harmlosen Infektion verwechselt werden. 

Ein alltagsnahes Beispiel: Wenn jemand plötzlich ein starkes Druckgefühl im Brustkorb hat und dazu kaltschweißig wird, ist das hochverdächtig. Aber auch eine Frau, die ohne erkennbare Ursache plötzlich extreme Luftnot, Übelkeit und ein Druckgefühl im Oberbauch entwickelt, kann einen Herzinfarkt haben. Mehr zu Herzinfarkt bei Frauen.

Wichtig

Ein Herzinfarkt fühlt sich nicht immer an wie im Film mit der Faust auf der Brust. Manchmal ist es eher ein massiver Druck, ein Brennen oder einfach das Gefühl, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Genau deshalb sollte man bei Verdacht lieber einmal zu früh als einmal zu spät den Notruf unter der Europa Weiten 112 wählen.

Herzinfarkt: Vorboten nicht ignorieren

Ein Herzinfarkt kommt nicht immer aus völlig heiterem Himmel. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen gibt es in den Stunden oder ein bis zwei Tagen davor Warnzeichen, zum Beispiel Brustenge, Brennen oder Druck hinter dem Brustbein, Beschwerden bei Belastung, aber manchmal auch in Ruhe oder nachts. Wer solche neuen oder ungewohnten Beschwerden bemerkt, sollte sie ernst nehmen und rasch medizinisch abklären lassen.

Risikofaktoren für einen Herzinfarkt

Die wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren sind Rauchen, Bluthochdruck, ein zu hohes LDL Cholesterin, Diabetes beziehungsweise gestörter Zuckerstoffwechsel (Insulinresistenz), Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung. Aber auch chronischer Stress spielt häufig mit hinein, meist nicht als Einzelursache, sondern als Verstärker eines ohnehin ungünstigen Gesamtpakets. 

Daneben gibt es nicht zu beeinflussende Risikofaktoren, wie zum Beispiel höheres Alter und eine familiäre Veranlagung. Besonders wichtig ist eine Familiengeschichte mit früh aufgetretenen Herzinfarkten oder anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Verwandten ersten Grades. Das bedeutet nicht, dass das Schicksal besiegelt ist, aber es bedeutet: noch früher hinschauen und besonders konsequent vorbeugen.

Herzinfarkt: Was tun bis der Rettungsdienst eintrifft?

Bleiben Sie bei der betroffenen Person und sorgen Sie für Ruhe. Enge Kleidung lockern, bequem lagern, meist mit leicht erhöhtem Oberkörper, sofern die Person wach ist und normal atmet. Die Person sollte möglichst nicht allein gelassen werden. 

Wenn die Person bewusstlos wird, prüfen Sie die Atmung. Atmet sie normal, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage. Atmet sie nicht normal oder nur noch schnappend, beginnen Sie sofort mit Herzdruckmassage und nutzen Sie, wenn verfügbar, einen AED (Automatischer Defibrillator). Für Erwachsene gilt bei der Herzdruckmassage ein Tempo von etwa 100 bis 120 Kompressionen pro Minute (im Takt des populären Bee Gees Song "Stayin' Alive").

Wie wird ein Herzinfarkt behandelt?

Im Rettungswagen und in der Klinik wird rasch abgeklärt, ob tatsächlich ein Herzinfarkt vorliegt. Dafür sind vor allem Beschwerden, EKG und Blutwerte wie Troponin wichtig. Die Standardbehandlung besteht heute meist darin, das verschlossene Gefäß möglichst schnell im Herzkatheterlabor wieder zu eröffnen, oft mit Ballon und Stent. Eine medikamentöse Auflösung des Gerinnsels spielt vor allem dann eine Rolle, wenn eine Katheterbehandlung nicht rechtzeitig möglich ist, was aber in Deutschland praktisch nicht der Fall ist.

Was passiert nach dem Herzinfarkt?

Nach dem akuten Ereignis geht es nicht einfach nur darum, “wieder entlassen zu werden”, sondern das Risiko für einen zweiten Infarkt konsequent zu senken. Dazu gehören meist Medikamente zur Hemmung von Blutplättchen, eine intensive Senkung des LDL-Cholesterins und je nach individueller Situation weitere Medikamente, zum Beispiel ACE-Hemmer, Sartane oder Betablocker. 

Sehr wichtig ist außerdem die kardiologische Rehabilitation. Sie hilft nicht nur beim Wiedereinstieg in Alltag und Beruf, sondern verbessert auch Training, Medikamentenverständnis, Risikofaktorenkontrolle und langfristig die Prognose. Anders gesagt: Reha ist kein Wellnessprogramm mit Blutdruckmessgerät, sondern ein echtes Stück Sekundärprävention.

Herzinfarkt vorbeugen: Was wirklich hilft

Die beste Herzinfarkttherapie ist natürlich, erst gar keinen zu bekommen. Das gelingt nicht immer, aber das Risiko lässt sich deutlich senken. Seit der sogenannten Interheart-Studie wissen wir, dass acht - neun von zehn Infarkten letztlich lebensstilbedingt und dadurch durch uns zu verhindern sind:

  • Nicht rauchen.
  • Blutdruck, Blutzucker und LDLLDL-Cholesterin regelmäßig kontrollieren und, wenn nötig, behandeln lassen.
  • Sich regelmäßig bewegen. Für Erwachsene gelten mindestens 150 Minuten Bewegung mittlerer Intensität pro Woche plus Muskeltraining an zwei Tagen pro Woche als sinnvolles Ziel.
  • Sich überwiegend herzgesund ernähren, zum Beispiel mediterran mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn, Nüssen, pflanzlichen Ölen und eher wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln und rotem Fleisch.
  • Übergewicht reduzieren, wenn vorhanden.
  • Stress, Schlaf und Erholung ernst nehmen. Nicht weil Yoga jeden Stent ersetzt, sondern weil ein dauerhaft überlasteter Lebensstil selten herzfreundlich ist.

Vermutet Ihr Arzt bei Ihnen eine Erkrankung der Herzgefäße, unterstützt Sie das Versorgungsprogramm Herz der BIG. Statt einer risikoreichen Katheter-Untersuchung werden dabei sanfte Verfahren wie das Kardio-CT oder -MRT eingesetzt. Diese klären, ob und welche Art von Ablagerungen in den Arterien vorhanden sind und überprüfen den Zustand des Herzmuskels. So kann ihr behandelnder Arzt die weitere Therapie optimal anpassen.

Also nehmen Sie Ihre Herzgesundheit selbst in die Hand. Sie wissen jetzt, wie das geht.

Nahaufnahme einer Radiologin, die ein MRT-Gerät während der Patientendiagnostik bedient
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Quellen

  1. Robert Koch-Institut:
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  2. Deutsche Herzstiftung e. V.:
    Speziell zum Thema Herzinfarkt bei Frauen. Zur Seite
  3. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) – Gesundheitsinformation.de:
    Zur Seite
Verfasst von
BIG Redaktion - geprüft von Dr. Stefan Waller

Medizinisch geprüft von: Dr. Stefan Waller