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Vogelbeeren enthalten sehr viel Sorbit (bis zu 10%)

Sorbit – süßer Geschmack ohne Reue?

Sorbit gilt als kalorienarme Alternative zu Zucker und ist der Geheimtipp von vielen Diät-Ratgebern. Auch die geringen Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel werden oft angepriesen. Doch ist der Hype um den Zuckerersatzstoff gerechtfertigt?

Sorbit ist manchmal auch unter dem Namen Glucitol oder Sorbitol zu finden. Der Stoff findet sich in auffallend vielen Fertigprodukten und verarbeiteten Lebensmitteln. Und auch abgepackt in Paketen ist Sorbit ein Verkaufsschlager. Doch was ist Sorbit eigentlich? Und was unterscheidet Sorbit von Süßstoffen?

Was ist Sorbit und wo kommt es natürlich vor?

Sorbit ist kein normaler Zucker, sondern ein Zuckeralkohol – und zählt zu den sogenannten Zuckeraustauschstoffen. Diese sind ähnlich süß wie Zucker, haben aber deutlich weniger Kalorien. Zuckeraustauschstoffe sollten jedoch nicht mit Süßstoffen verwechselt werden, die chemisch ganz anders aufgebaut sind. Süßstoffe haben eine deutlich höhere Süßkraft als Zucker, sind dabei aber nahezu kalorienfrei. 

Sorbit kommt ganz natürlich in vielen Obst- und Gemüsesorten vor. Obstsorten mit hohem Sorbitgehalt wären zum Beispiel:

  • Äpfel
  • Birnen
  • Kirschen
  • Pflaumen
  • Mirabellen
  • Aprikosen
  • Pfirsiche

Gemüsesorten mit einem hohen Anteil von Sorbit sind unter anderem:

  • Paprika
  • Auberginen
  • Rosenkohl
  • Brokkoli
  • Fenchel

Früher hat man Sorbit vor allem aus den für Menschen giftigen Vogelbeeren gewonnen, die einen Sorbitgehalt von bis zu 10% aufweisen können. Heute ist der Bedarf der Lebensmittelindustrie jedoch so hoch, dass andere Verfahren entwickelt wurden.

Sorbit – der Liebling der Nahrungsmittelindustrie

Wegen seiner chemischen Eigenschaften wird Sorbit von der Lebensmittelindustrie sehr häufig als Zusatzstoff benutzt. Dort hat Sorbit die Kennzahl E 420 und kann in unterschiedlichsten Lebensmitteln verwendet werden, zum Beispiel in:

  • zuckerfreien Kaugummis oder Bonbons
  • Limonaden und andere Softdrinks
  • Desserts und Fertigsoßen
  • Backwaren
  • zuckerreduzierten oder zuckerfreien Süßigkeiten
  • Speiseeis
  • Nahrungsergänzungsmitteln

Besonders oft stecken Sorbit und andere Zuckeraustauschstoffe in Lebensmitteln, die mit dem Etikett „Light“ beworben werden. Eine Höchstmenge für Sorbit gibt es nur bei Getränken, nicht jedoch bei anderen Nahrungsmitteln.

Bei der industriellen Produktion wird Sorbit vor allem aus Mais- und Weizenstärke hergestellt. Bei diesem Prozess wirken manchmal auch gentechnisch veränderte Organismen mit.

Wie wirkt sich Sorbit auf den Blutzuckerspiegel aus?

Da Sorbit chemisch etwas anderes ist als Zucker, reagiert der Körper auch anders darauf. So lässt Sorbit den Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit gar nicht oder kaum ansteigen, da der Stoff insulinunabhängig verstoffwechselt wird.

Deshalb wurde Sorbit lange als Ersatzprodukt für Zucker empfohlen. Mit der Zeit hat man jedoch festgestellt, dass Menschen sich durch Süßungsmittel äußerst schnell an sehr süße Speisen gewöhnen – und ihr Verlangen nach Süßem sogar zunimmt.

Hilft Sorbit beim Abnehmen?

Sorbit schmeckt süß und liefert mit 240 Kilokalorien pro 100 Gramm weniger Energie als normaler Zucker, der bei gleicher Menge mit 400 Kilokalorien zu Buche schlägt. Das klingt erstmal gut, doch die Süßkraft von Sorbit beträgt nur etwa 60% von Zucker. Darum wird entsprechend mehr Sorbit benötigt, um eine vergleichbar süße Speise zu erhalten. Rechnet man die Zahlen konkret durch, kommt bei gleicher Süße sogar ziemlich exakt derselbe Kalorienwert heraus.

Kalorien zu sparen ist mit Sorbit also äußerst schwer. Außerdem verführen Süßstoffe dazu, die trotzdem vorhandenen Kalorien einer Mahlzeit eher zu unterschätzen – sodass viele Menschen dann entsprechend mehr essen. Das kann dann erst recht zu Übergewicht führen.

Zuckeralkohole können deshalb höchstens einen kleinen Beitrag zum Abnehmen leisten.

Volksleiden Sorbitunverträglichkeit

Sorbit wird eigentlich über die Darmwand ins Blut aufgenommen und dann in der Leber abgebaut. In der westlichen Bevölkerung gibt es jedoch sehr viele Menschen, bei denen die Aufnahme im Darm gestört ist. Dadurch bleibt ein erheblicher Teil des Sorbits im Darm zurück und kann dort zu Durchfall, Blähungen oder Bauchkrämpfen führen. Diese Menschen reagieren oft schon auf sehr geringe Mengen von Sorbit mit Bauchkrämpfen und Verdauungsproblemen.

Doch auch bei Menschen ohne gestörte Verdauung kann es zu Blähungen und Durchfall kommen.Für die Blähungen sind bestimmte Darmbakterien verantwortlich, die Sorbit verstoffwechseln und dabei die Gase produzieren. Zu Durchfall kommt es manchmal, da Sorbit Wasser aus den Darmzellen zieht und sich so sehr viel Wasser im Darm sammeln kann. Darum müssen Lebensmittel, die eine gewisse Menge an Sorbit enthalten, den Warnhinweis "kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ tragen.