(K)ein Tabu: Blasenschwäche in der Schwangerschaft und nach der Geburt

Letzte Aktualisierung: 06. März 2026Lesezeit: 4 Minuten
In Deutschland sind laut der Deutschen Kontinenzgesellschaft derzeit etwa 10 Millionen Menschen von Harn- und Stuhlinkontinenz betroffen*. Frauen machen einen großen Anteil dieser Betroffenen aus. Ein wesentlicher Grund: Blasenschwäche (Belastungsinkontinenz) in der Schwangerschaft und nach der Geburt. Lest hier, warum Schwangerschaft und Geburt die Beckenbodenmuskulatur so stark belasten und (ab) wann und wie ihr sie stärken könnt.
Frau liegt auf einer Yogamatte und macht Übungen mit einem Beckenboden-Tool, das sie mit aufgestellten Knien zwischen den Oberschenkeln zusammenpresst, um Blasenschwäche nach der Geburt vorzubeugen.

Inhalt

Warum ist unsere Beckenbodenmuskulatur so wichtig und was bedeutet Belastungsinkontinenz?

Der Beckenboden stabilisiert das Becken, hilft, Blase und After zu verschließen, und ermöglicht uns eine aufrechte Körperhaltung. In der Schwangerschaft und durch die Geburt wird diese Muskulatur stark beansprucht. Ein kräftiger Beckenboden kann dazu beitragen, einer Belastungsinkontinenz vorzubeugen – also dem unkontrollierten Urinverlust bei Lachen, Husten, Springen oder Niesen. In den ersten Monaten nach der Geburt berichten viele Mütter von Blasenschwäche bzw. Belastungsinkontinenz.

Grundschulkind mit Zopf küsst den Bauch der schwangeren Mutter

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Häufige Ursachen von Blasenschwäche in Schwangerschaft & nach der Geburt

Während der Schwangerschaft

  • Die wachsende Gebärmutter übt zunehmend Druck auf die Harnblase aus.
  • Im späteren Verlauf senkt sich der Kopf des Babys ins Becken, was den Druck zusätzlich verstärkt.
  • Hormonelle Veränderungen machen Muskeln, Bänder und Bindegewebe weicher. Gleichzeitig wird mehr Urin produziert und die Spannung der Harnröhre kann abnehmen. All das kann dazu führen, dass die Beckenbodenmuskulatur den Belastungen nicht mehr gewachsen ist.

Nach der Geburt

  • Besonders bei einer natürlichen Geburt wird der Beckenboden extrem gedehnt – das Gewebe wird stark beansprucht und geschwächt.
  • Auch nach einem Kaiserschnitt kann es zu Problemen kommen – etwa durch hormonelle Umstellungen oder genetische Veranlagungen. Das Alter der Mutter spielt ebenfalls eine Rolle.

Wann sollte mit Beckenbodentraining begonnen werden?

Beckenbodentraining ist in jedem Alter und in jeder Lebenslage sinnvoll. Für Frauen mit Kinderwunsch ist regelmäßiges Training natürlich sehr wichtig. 

Deshalb empfehlen euch Hebammen und Ärzt*innen Folgendes:

  • Vor der Schwangerschaft ist ideal:Wer bereits mit Beginn der Schwangerschaft einen gut trainierten Beckenboden hat, startet mit einem klaren Vorteil.
  • Während der Schwangerschaft :lohnt es sich, das Training fortzusetzen – schon kurze, regelmäßige Einheiten helfen.
  • Nach der Geburt:sollte ein gezieltes Rückbildungs- oder Beckenbodentraining fester Bestandteil werden. Auch kleine Übungen im Alltag (z. B. beim Zähneputzen oder unter der Dusche) sind sehr wirksam.

Der Schlüssel ist die Regelmäßigkeit – gerade mithilfe der Rückbildungsgynmnastik nach der Geburt: Schon kurze Trainingsreize führen dazu, dass sich der Beckenboden Schritt für Schritt wieder stabilisiert. Dabei unterstützt euch auch die Keleya-Mama-App.

Beispielübung für den Beckenboden

Stellt euch eure Beckenbodenmuskulatur am besten wie eine Seerose vor: Beim Einatmen entfaltet sich die Blüte, beim Ausatmen zieht sie sich zusammen. Dieses Bild hilft vielen Frauen, die schwer sichtbaren Muskeln bewusster wahrzunehmen. Eine einfache Übung, die sich leicht in den Alltag integrieren lässt:

  1. 1 Setzt euch im Schneidersitz oder auf eine Stuhlkante. Der Rücken ist aufrecht, die Hände liegen locker auf den Knien.
  2. 2 Atmet tief ein, entspannt dabei kräftig den Körper.
  3. 3 Beim Ausatmen zieht ihr den Beckenboden nach innen und oben. Spürt die Spannung und haltet sie für kurze Zeit.
  4. 4 Beim nächsten Einatmen entspannt ihr euch wieder.

Welche Vorteile hat ein gestärkter Beckenboden für die Geburt?

Ein gut trainierter Beckenboden kann die Geburt positiv beeinflussen, da die bewusste Wahrnehmung und Ansteuerung der Muskulatur in Kombination mit der Atmung eine wichtige Rolle spielt. Gerade während der Austreibungsphase, wenn das Baby nach unten drängt, unterstützt der Beckenboden durch gezieltes An- und Entspannen den Geburtsverlauf. 

Wichtig: Auch nach der Geburt bleibt regelmäßiges Training entscheidend, denn ein einzelner und zeitlich begrenzter Rückbildungskurs reicht oft nicht aus, damit sich die Muskulatur vollständig regeneriert. Jeder Körper braucht dafür unterschiedlich lange, und kleine Übungen, die täglich in den Alltag integriert werden, können bereits spürbare Verbesserungen bringen. Hier findet ihr alle Infos zur Rückbildung nach einem Kaiserschnitt.

Was tun, wenn nach der Rückbildung weiterhin Blasenschwäche besteht?

Sollten nach neun bis zwölf Monaten trotz regelmäßigen Trainings weiterhin deutliche Beschwerden bestehen, ist es sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen. Die Frauenärztin oder der Frauenarzt kann eine Verordnung für gezieltes Beckenbodentraining ausstellen, das von spezialisierten Physiotherapeut*innen durchgeführt wird. Nur in seltenen Fällen ist ein medizinischer Eingriff notwendig. 

Blasenschwäche muss in keinem Fall einfach hingenommen werden, denn mit der richtigen Unterstützung und konsequentem Training lassen sich Beschwerden oft deutlich lindern oder vollständig beheben. Und ganz wichtig: Blasenschwäche ist kein Grund für Scham. Sie kommt sehr häufig vor und es gibt viele wirksame Behandlungsmöglichkeiten. 

Quelle

  1. *Deutsche Kontinenz Gesellschaft:
    Inkontinenzversorgung in Deutschland
Verfasst von
BIG Redaktion

Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.