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Was ist Neuroathletik und woher stammt das Trainingskonzept?
Neuroathletik (auch neurozentriertes Training genannt) ist ein Trainingsansatz, der sich mit der Steuerung von Bewegung durch das zentrale Nervensystem beschäftigt. Beim sogenannten Neuroathletiktraining stehen daher nicht nur Muskeln oder Ausdauer im Mittelpunkt, sondern vor allem die Verarbeitung von Informationen im Gehirn. Entwickelt wurde das Konzept Anfang der 2000er-Jahre in den USA, wo sportwissenschaftliche Erkenntnisse aus Neurologie, Biomechanik und Trainingslehre zusammengeführt wurden.
Bekannt wurde Neuroathletik vor allem im Leistungs- und Profisport. Dort nutzen bis heute Trainer*innen und Therapeut*innen das Konzept, um Reaktionsgeschwindigkeit, Koordination und Bewegungsqualität gezielt zu verbessern. Mittlerweile findet Neuroathletik auch im Breitensport, in der Prävention und in der Rehabilitation Anwendung.
Wozu dient Neuroathletik?
Das zentrale Nervensystem entscheidet ständig, ob eine Bewegung „sicher“ ist. Wenn Informationen aus der Sicht unserer Augen, Gleichgewichtsorgane oder Muskeln unklar oder widersprüchlich sind, reagiert das Gehirn mit Schutzmechanismen – etwa eingeschränkter Beweglichkeit, geringerer Kraft oder Koordinationsproblemen. Nach der Theorie der Neuroathletik kann daher eine geringere Leistungsfähigkeit nicht nur mit zu wenig Training oder körperlicher Schwäche, sondern auch damit zusammenhängen, dass das Gehirn den Körper ausbremst.
Genauer verbessert Neuroathletik:
- Bewegungssteuerung
- Reaktionsfähigkeit und Koordination
- Stabilität und Gleichgewicht
- ökonomische und schmerzarme Bewegung
Wie funktioniert neurozentriertes Training konkret?
Im neurozentrierten Training werden gezielt sensorische Reize gesetzt, die das Gehirn besser verarbeiten lernen soll. Dieses soll die Zusammenarbeit von Nervensystem, Sinnesorganen und Muskulatur verbessern. Welche Übungen eingesetzt werden, hängt dabei von den individuellen Trainingszielen oder möglichen Bewegungseinschränkungen ab.
Dabei stehen drei große Informationssysteme im Mittelpunkt:
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Das visuelle System
Die Augen liefern einen Großteil der Informationen für Bewegung
Mögliche Übungen:
gezieltes Fixieren oder Verfolgen von Objekten Blickwechsel zwischen nahen und entfernten Punkten Koordinationsaufgaben mit Augen- und Kopfbewegungen stroboskopisches Training, bei dem z. B. spezielle Brillen das Sichtfeld kurzzeitig unterbrechen
Das Gleichgewichts-System
Das sogenannte vestibuläre System sitzt im Innenohr und ist entscheidend für Stabilität.
Mögliche Übungen:
Balancieren auf einem Bein kontrollierte Kopfbewegungen in verschiedenen Positionen Kombination aus Gleichgewicht und visuellen Aufgaben langsames Kopfnicken oder Kopfschütteln, um das Gleichgewichtssystem im Innenohr gezielt zu aktivieren
Das Körpersinn-System
Hier geht es um das Gefühl für Gelenkstellung und Muskelspannung.
Mögliche Übungen:
präzise Bewegungen einzelner Gelenke langsame, kontrollierte Mobilisationsübungen Wahrnehmungsaufgaben mit geschlossenen Augen
Wichtig: Neuroathletik ist kein Ersatz für Kraft- oder Ausdauertraining, sondern eine gezielte Ergänzung. Neuroathletik ist dir etwas zu komplex? Dann probiere es doch mal mit Gehirnjogging durch Life Kinetik!
Bei welchen Sportarten und Personengruppen wird Neuroathletik genutzt?
Neuroathletik ist vielseitig einsetzbar:
Sport
• Mannschaftssportarten (z. B. Fußball, Handball)
• Individualsportarten (z. B. Leichtathletik, Tennis, Kampfsport)
• Laufsport, Turnen, Wintersport
Gesundheit und Alltag
• Rehabilitation nach Verletzungen oder neurologischen Erkrankungen
• Training bei Koordinations- oder Gleichgewichtsproblemen
• Prävention von Stürzen
• Unterstützung bei Bewegungseinschränkungen im Alter
Für wen ist neurozentriertes Training geeignet?
- Leistungs- und Freizeitsportler*innen, die ihre Reaktionsfähigkeit, Koordination und Bewegungsqualität verbessern möchten.
- Para-Sportler*innen, die zum Beispiel Gleichgewicht, Orientierung und Koordination verbessern wollen.
- Menschen mit Koordinations- oder Gleichgewichtsproblemen
- Personen in der Rehabilitation nach Verletzungen oder neurologischen Erkrankungen
- Ältere Menschen zur Förderung von Gleichgewicht, Bewegungssicherheit und Selbstständigkeit im Alltag
Da die Übungen individuell eingesetzt werden sollten, ist zu Beginn ein fachkundiges Training unverzichtbar.
Wie oft muss man Neuroathletik trainieren?
Damit sich neue neuronale Verknüpfungen im Gehirn bilden und Bewegungsmuster stabilisieren, müssen die Übungen regelmäßig wiederholt werden. Viele Trainingskonzepte arbeiten daher mit kurzen Einheiten von etwa 20 Minuten pro Trainingsbereich, zum Beispiel für das visuelle System, den Gleichgewichtssinn oder die Körperwahrnehmung. Solche Übungen werden meist über mehrere Wochen hinweg durchgeführt. Wissenschaftlich eindeutig belegt ist die Wirkung allerdings bislang nicht.
Was sagt die Wissenschaft?
Die Forschung zur Neuroathletik steht noch am Anfang, nimmt aber zu. Zwar gibt es bereits einige Studien, die die positiven Effekte beweisen, manche Studien wiederum zeigen zum Beispiel bei der Schlaganfallrehabilitation, dass neurozentriertes Training keinen positiven Effekt hat. Zudem fehlen bislang große, langfristige Studien, die eindeutig belegen, dass Neuroathletik klassischen Trainingsmethoden überlegen ist.
Hier einige Studien-Quellen:
Quellen
- NIH:Does Visual Training Enhance Athletes' Decision-Making Skills and Sport-Specific Performance?
- NIH:Neuroathletic training in stroke rehabilitation?
- MDPI:Neuro-Athletic Training Enhances Flexibility, Serve Speed, and Upper Limb Performance in Elite Volleyball Players
- NIH:Effects of stroboscopic visual training on reaction time and movement accuracy in collegiate athletes
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