Mundfäule bei Kindern: Symptome, Behandlung und Risiken

Letzte Aktualisierung: 05. August 2026Lesezeit: 6 Minuten
Mundfäule bei Babys und Kleinkindern gehört zu den häufigsten Virusinfektionen im Mundraum und kann sehr schmerzhaft sein. Da sie meist mit unspezifischen Symptomen beginnt, denken viele Eltern erstmal an einen grippalen Infekt oder Zahnschmerzen. Lest bei uns, woran ihr die Mundfäule erkennt, welche Ursache sie hat, wie lange sie anhält und wie sie behandelt wird.
Mutter hockt vor weinendem Kleinkind mit Mundfäule auf dem Fußboden und schaut in seinen offenen Mund

Was ist Mundfäule?

Mundfäule, medizinisch Gingivostomatitis herpetica, ist eine durch Herpesviren ausgelöste Entzündung der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches. Die Erkrankung tritt vor allem bei Babys und Kleinkindern bis etwa zum 5. Lebensjahr auf.

Was sind die Symptome?

Zu den häufigen Frühsymptomen gehören:

  • allgemeines Krankheitsgefühl (Müdigkeit, Abgeschlagenheit)
  • erhöhte Temperatur oder Fieber
  • Appetitlosigkeit
  • geschwollene Lymphknoten am Hals
  • Unruhe und vermehrtes Weinen

Danach treten die charakteristischen Beschwerden im Mund auf. 

Zu den Hauptsymptomen zählen:

  • sichtbare Bläschen und Geschwüre im Mundraum
  • entzündetes/blutiges Zahnfleisch
  • weiße oder gelbliche Beläge auf den Schleimhäuten
  • Schmerzen beim Essen, Trinken und Schlucken
  • starker Mundgeruch
  • vermehrter Speichelfluss
  • Aphten (Stomatitis aphthosa)
  • Rachenentzündung (Pharyngitis herpetica)
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Was sind die Ursachen und Risikofaktoren?

Verursacht wird Mundfäule durch eine Erstinfektion mit dem Herpes-simplex Virus (Typ 1). Die Übertragung erfolgt durch Tröpfchen- und Schmierinfektionen. Tückisch daran ist, dass viele Menschen trotz einer Infektion keine Symptome haben, wodurch eine Übertragung oft nicht verhindert werden kann.

Mögliche Ansteckungswege:

  • Küssen durch infizierte Personen
  • Kontakt mit Speichel auf Spielzeug oder Schnullern
  • direkter Kontakt mit Lippenherpes
  • gemeinsame Nutzung von Besteck oder Trinkgefäßen

Wieso infizieren sich Babys und Kleinkinder häufiger mit Mundfäule als Erwachsene?

Babys und Kleinkinder besitzen noch keine Immunität gegen das Herpes-simplex-Virus. Während viele Erwachsene bereits in jungen Jahren Kontakt mit dem Erreger hatten und Antikörper gebildet haben, infizieren sich Babys und Kinder zum ersten Mal. Hinzu kommt, dass Kinder in Kindertagesstätten, auf Spielplätzen oder innerhalb der Familie viel Kontakt zu anderen Kindern haben und Spielzeug, Besteck oder Trinkflaschen oft gemeinsam genutzt werden. Da Babys und Kleinkinder meist alles anfassen und häufig ihre Finger in den Mund stecken, begünstigt dies eine Ansteckung zusätzlich.

Wie wird Mundfäule bei Kindern diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eure kinder- oder zahnärztliche Praxis anhand der typischen Symptome wie Bläschen im Mund, gerötetem Zahnfleisch, Fieber und Trinkverweigerung. Wichtig ist außerdem die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen wie der Hand-Fuß-Mund-Krankheit.

Bei Säuglingen, Neugeborenen oder immungeschwächten Kindern erfolgt häufig eine zusätzliche Labordiagnostik, um andere Erkrankungen auszuschließen und Komplikationen früh zu erkennen.

Die Labordiagnostik erfolgt meist durch:


 

  • einen PCR-Test aus einem Abstrich der Bläschen auf HSV-1
  • einen Antikörpernachweis (Serologie) im Blut, vor allem zur Einordnung einer zurückliegenden oder bereit sichtbar abgeklungenen Infektion und weniger zur Akutdiagnose

Wie ist die Inkubationszeit und wie lange ist man ansteckend?

Die Inkubationszeit beträgt meist zwischen zwei und zwölf Tagen. In diesem Zeitraum vermehrt sich das Virus im Körper, ohne dass bereits sichtbare Symptome auftreten müssen. Ansteckend sind Infizierte vor allem dann, wenn sich Bläschen und offene Stellen im Mund befinden, da große Mengen an Viren über den Speichel ausgeschieden werden. Die Ansteckungsfähigkeit hält häufig etwa ein bis zwei Wochen an. In Einzelfällen kann sie auch länger bestehen, bis sämtliche Schleimhautveränderungen vollständig abgeheilt sind und weil der Körper nach der Abheilung immer noch Viren freisetzen kann (virus shedding).

Wie wird Mundfäule behandelt und welche Schutzmaßnahmen sollte man ergreifen?

Eine Behandlung, die das Herpesvirus vollständig aus dem Körper entfernt, gibt es nicht. Daher geht es darum, unter ärztlicher Aufsicht die Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu vermeiden, bis die Mundfäule abgeheilt ist. Danach kann es durch eine Immunsystemschwächung erneut zu Reaktivierungen kommen, die sich meist durch Lippenherpes zeigen.

Hilfreich sind folgende Behandlungen:

•    ausreichend trinken, um Austrocknung zu vermeiden (wählt gekühlte und entzündungshemmende Getränke wie stilles Wasser oder Kamillentee)
•    Speisen wie Joghurt, Kartoffelbrei, ungesüßtes Apfelmus 
•    Verzicht auf scharfe, saure oder stark gewürzte Lebensmittel (bei Babys und Kleinkindern sowieso nicht zu empfehlen)
•    altersgerechte Schmerzmittel und kühlende Gels oder Cremes nach ärztlicher Absprache 
•    gute Mund- und Handhygiene (z. B. antiseptische Mundspülungen nach ärztlicher Absprache) – hier gibt's Tipps für eine gute Toilettenhygiene bei Kindern
•    viel Ruhe und Liebe (nur mit ausreichend Abstand zum Mund und Speichel eurer Kleinen (gilt gerade für andere (Klein-)Kinder)
•    Trinkflaschen, Schnuller, Handtücher und Besteck nicht gemeinsam verwenden und gut reinigen bzw. abkochen (einen Schnuller etwa alle drei bis vier Stunden).
•    Virustatika nur bei schweren Verläufen

Dürfen Babys mit Mundfäule gestillt werden?

Viele Mütter fragen sich, ob sie ihr Baby trotz Mundfäule weiter stillen dürfen. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen ist das problemlos möglich und sogar sinnvoll. Muttermilch versorgt euer Kind nicht nur mit wichtigen Nährstoffen, sondern hilft auch dabei, den Flüssigkeitsbedarf zu decken. Gleichzeitig können die schmerzhaften Bläschen und Entzündungen im Mund dazu führen, dass Babys weniger trinken als gewöhnlich. Manche Säuglinge trinken deshalb nur sehr kurz, lassen die Brust immer wieder los oder verweigern sie zeitweise ganz. 

Entwickelt ihr während der Stillzeit Herpesbläschen an der Brust oder Brustwarze, solltet ihr dies ebenfalls ärztlich abklären und behandeln lassen und nicht weiter stillen. Als Alternative bietet sich abgepumpte und vielleicht sogar gekühlte statt warme Milch an und zur Not Milchersatznahrung. Achtet besonders darauf, ob euer Baby trotz der Beschwerden ausreichend Flüssigkeit aufnimmt und nasse Windeln hat. Zeigen sich Anzeichen einer Dehydrierung oder trinkt euer Kind über längere Zeit kaum noch, solltet ihr zeitnah ärztlichen Rat einholen. So viel sollten Babys und Kleinkinder trinken.

Welche Risiken und Spätfolgen hat Mundfäule?

Obwohl Mundfäule bei Kindern meist ohne bleibende Schäden ausheilt, können in seltenen Fällen Komplikationen auftreten. Besonders aufmerksam sollten Eltern bei Neugeborenen, Frühgeborenen und Kleinkindern mit geschwächtem Immunsystem sein. Bei ihnen verläuft Mundfäule teilweise schwerer und das Risiko für Komplikationen ist erhöht. Treten anhaltend hohes Fieber, auffällige Schläfrigkeit, Krampfanfälle oder Sehprobleme auf, sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Mögliche Komplikationen sind z. B.:

  • Dehydrierung (Austrocknung):durch eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme aufgrund der Schmerzen im Mund.
  • Herpes-Keratitis (Herpes corneae):eine Infektion der Hornhaut des Auges, die unbehandelt zu einer Trübung der Hornhaut, Sehstörungen und in schweren Fällen sogar zu dauerhaften Sehschäden führen kann.
  • Bakterielle Sekundärinfektionen:wenn sich zusätzliche Keime in den offenen Schleimhautverletzungen ansiedeln und Entzündungen verstärken.
  • Ekzema herpeticatum:eine großflächige Herpesinfektion der Haut, die vor allem bei Kindern mit Neurodermitis oder anderen Hauterkrankungen auftreten kann.
  • Ausbreitung des Virus:auf andere Körperregionen wie Finger, Lippen, Naseneingang oder Genitalbereich durch Schmierinfektionen.
  • Herpetische Meningoenzephalitis:eine sehr seltene Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten.
  • Herpes-Sepsis (Herpesbedingte Blutvergiftung):bei Neu- und besonders Frühgeborenen – sehr selten, aber lebensbedrohlich
Verfasst von
BIG Redaktion

Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.