Fakten und Irrtümer über Angststörungen

Letzte Aktualisierung: 23. September 2026Lesezeit: 2 Minuten
Über Angststörungen kursieren viele Halbwahrheiten – oft gut gemeint, aber wenig hilfreich. Wir räumen mit den häufigsten Irrtümern auf.
Umklappen eines Holzwürfels, um von „Fake“ zu „Fakt“ zu wechseln

Irrtum 1: „Man kann eine Angststörung einfach wegdenken.“

„Denk einfach positiv.“ „Du musst nur deine Gedanken ändern.“ Solche Sätze hörst du als Betroffene oder Betroffener häufig – meistens gut gemeint, aber sie greifen zu kurz. Deine Gedanken beeinflussen zwar, wie du Situationen wahrnimmst, und in einer Psychotherapie können angstverstärkende Denkmuster gezielt bearbeitet werden. Aber Angst entsteht nicht ausschließlich durch Gedanken – auch körperliche Reaktionen und erlernte Verhaltensmuster spielen eine Rolle. Deshalb reicht es meist nicht, dir einfach zu sagen: „Ich habe keine Angst.“

Irrtum 2: „Wenn man lange genug wartet, geht die Angst von allein weg.“

Auch das vollständige Vermeiden angstauslösender Situationen kann die Angst langfristig verstärken. Wer beispielsweise aus Angst vor einer Panikattacke nicht mehr einkaufen geht, erlebt zwar kurzfristig Erleichterung – gleichzeitig fehlt dir aber die Erfahrung, dass du die Situation bewältigen kannst. Eine wirksame Behandlung zielt deshalb oft darauf ab, Vermeidungsstrategien schrittweise zu verändern, zum Beispiel mit Unterstützung einer Therapeutin oder eines Therapeuten.

Irrtum 3: „Eine Angststörung ist ein Zeichen von Schwäche.“

Eine Angststörung ist keine Charakterschwäche und kein Zeichen von mangelnder Willenskraft. Sie ist eine ernstzunehmende, aber gut behandelbare Erkrankung. Angst ist eine komplexe Reaktion, an der Gedanken, Gefühle, körperliche Prozesse und Verhalten beteiligt sind – kein „nicht genug zusammenreißen“.

Irrtum 4: „Angststörungen sind selten.“

Tatsächlich zählen Angststörungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen: Schätzungen zufolge entwickelt etwa jede fünfte bis siebte Person im Laufe ihres Lebens irgendeine Form einer Angststörung. Trotzdem wird das Thema noch oft tabuisiert.

Irrtum 5: „Wenn es keinen erkennbaren Auslöser gibt, ist die Angst nicht echt.“

Häufig beginnt eine Angststörung mit einer einzelnen belastenden Situation oder einer Phase erhöhten Stresses. Aber nicht immer lässt sich ein einzelner Auslöser benennen – manche Menschen entwickeln eine Angststörung, ohne ein bestimmtes Ereignis nennen zu können. Das bedeutet nicht, dass sie sich die Erkrankung einbilden. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen: biologische Voraussetzungen, persönliche Erfahrungen, Stress und erlernte Verhaltensweisen.

Irrtum 6: „Man ist selbst schuld an einer Angststörung.“

Das Vorhandensein einzelner Risikofaktoren – etwa eine genetische Veranlagung oder Stress – bedeutet nicht zwangsläufig, dass jemand eine Angststörung entwickelt. Meist braucht es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Eine Angststörung ist selten „selbst verschuldet“. Die Frage sollte deshalb nicht nur lauten: „Warum habe ich das?“, sondern auch: „Was kann mir jetzt helfen?“

Irrtum 7: „Wer eine Angststörung hat, muss für immer damit leben.“

Mit einer passenden Behandlung – insbesondere Psychotherapie – ist die Prognose gut: Viele Betroffene erleben eine deutliche Verbesserung ihrer Symptome oder werden nahezu beschwerdefrei. Je früher eine Behandlung beginnt, desto besser sind in der Regel die Erfolgsaussichten. Aber auch nach langjährigem Verlauf profitierst du meist noch deutlich von einer Therapie.

Fakt ist: Angst zu behandeln bedeutet nicht, schwach zu sein

Im Gegenteil: Dir Hilfe zu holen, kann ein wichtiger Schritt sein, um wieder mehr Kontrolle über dein eigenes Leben zu gewinnen. Angst muss nicht einfach weggedacht werden – sie kann verstanden, behandelt und Schritt für Schritt bewältigt werden.

Quellen

  1. ADAA Anxiety & Depression Association of America:
    GAD Myths & Realities
  2. Stiftung Gesundheitswissen:
    Was ist eine Angststörung?
Verfasst von
BIG Redaktion

Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.