Kennst du das?
Nach einem Tag am Computer, einem intensiven Tennismatch oder dem großen Wohnungsumzug: Erst ist da nur ein Ziehen, dann wird jede Bewegung unangenehm. Wenn das Handgelenk, der Daumen oder der Ellenbogen bei jeder Kleinigkeit protestieren, steckt oft eine Sehnenscheidenentzündung – medizinisch Tendovaginitis – dahinter.
Die gute Nachricht: Mit rechtzeitiger Entlastung, passenden Therapien und etwas Geduld heilt eine Sehnenscheidenentzündung meist vollständig aus. Wichtig ist, die Warnsignale ernst zu nehmen und nicht einfach „weiter durchzuziehen“.
Was passiert bei einer Sehnenscheidenentzündung?
Sehnen verbinden Muskeln mit den Knochen. Viele Sehnen verlaufen in einer schützenden Hülle, der Sehnenscheide. In ihr liegt ein Gleitgewebe, das wie ein Schmierfilm wirkt und dafür sorgt, dass die Sehne sanft hin‑ und hergleiten kann.
Bei einer Sehnenscheidenentzündung ist dieses Gleitgewebe gereizt oder entzündet. Durch Überlastung reibt die Sehne zu stark an der Innenwand, die Sehnenscheide schwillt an, wird schmerzhaft und manchmal sogar hörbar „knirschend“.
Seltener sind rheumatische Erkrankungen, hormonelle Veränderungen (z. B. in Schwangerschaft oder Wechseljahren) oder Infektionen nach kleinen Verletzungen Auslöser der entzündeten Sehnenscheide.
Ursachen: Warum kommt es zur Sehnenscheidenentzündung?
Am häufigsten entsteht eine Sehnenscheidenentzündung durch einseitige, häufig wiederholte Bewegungen im Sinne einer Überlastung. Typische Beispiele sind langes Tippen oder Arbeiten mit der Maus, monotone Handgriffe am Fließband, intensives Musizieren oder Sportarten wie Tennis, Klettern und Golf.
Auch ungewohnte Belastungen, etwa ein Wochenende Renovieren oder ein Umzug mit vielen Kartons, können eine sonst gesunde Sehne schlagartig überfordern. Ist die Muskulatur nicht vorbereitet und fehlen Pausen, kann sich die Sehnenscheide entzünden.
Einige Faktoren erhöhen das Risiko zusätzlich: schlechte Ergonomie am Arbeitsplatz, bestehende Gelenk- oder Sehnenerkrankungen, entzündlich‑rheumatische Krankheiten oder Stoffwechselstörungen. Bekannt sind auch spezielle Formen wie der „Schnappfinger“ (Tendovaginitis stenosans).
Symptome: So erkennst du eine Sehnenscheidenentzündung
Typisch für eine Sehnenscheidenentzündung sind zunächst belastungsabhängige Schmerzen entlang der betroffenen Sehne, zum Beispiel an Handgelenk, Unterarm oder Achillessehne. Sie können dumpf ziehend oder stechend sein und sich bei bestimmten Bewegungen schlagartig verstärken.
Häufig kommen Druckschmerz, eine tastbare Verdickung, Schwellung, Rötung und ein Wärmegefühl hinzu. Manche Betroffene hören oder fühlen ein Reiben oder Knirschen, wenn die Sehne bewegt wird. Mit der Zeit werden die Schmerzen stärker, treten auch in Ruhe oder nachts auf und führen zu Schonhaltungen und Bewegungseinschränkungen.
Bleibt die entzündete Sehnenscheide unbehandelt, kann die Tendovaginitis chronisch werden und die Beweglichkeit dauerhaft einschränken.
Diagnose: Wie stellt der Arzt die Sehnenscheidenentzündung fest?
Die Diagnose wird meist schon durch das Gespräch und die körperliche Untersuchung gestellt. Ärztin oder Arzt fragen nach Art, Dauer und Verlauf der Beschwerden sowie typischen Belastungen im Alltag oder Beruf. Anschließend wird die betroffene Region abgetastet und vorsichtig bewegt, um Schmerzpunkte und Bewegungseinschränkungen zu prüfen.
Zur Absicherung kann ein Ultraschall eingesetzt werden, der Flüssigkeit in der Sehnenscheide oder Verdickungen sichtbar macht. Ein Röntgenbild dient eher dazu, knöcherne Ursachen auszuschließen. Besteht der Verdacht auf eine rheumatische Erkrankung oder Infektion, können Blutuntersuchungen folgen.
Behandlung: Was hilft bei einer Sehnenscheidenentzündung?
Entscheidend ist, die Überlastung zu stoppen. Ohne Entlastung der entzündeten Sehne kann keine Therapie nachhaltig wirken. Zunächst werden auslösende Bewegungen konsequent reduziert oder vorübergehend ganz gemieden. Schienen, Bandagen oder Tapes helfen, Handgelenk oder Finger zu stabilisieren und unbewusste Fehlbewegungen zu verhindern. Bei akuter Schwellung empfinden viele Betroffene kühlende Umschläge als angenehm. Sie sollten jedoch nie direkt auf der Haut liegen.
- Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac als Tablette oder in Form von Gelen und Salben können die Beschwerden deutlich lindern. In hartnäckigen Fällen kann der Arzt Kortison in die Umgebung der Sehne spritzen. Direkt in die Sehne darf es jedoch nicht gelangen, da dies eine gefährliche Nekrose nach sich ziehen kann.
- Sobald die akute Entzündung abklingt, unterstützen Physio- und Ergotherapie die Heilung. Gezielte Übungen kräftigen die Muskulatur, verbessern die Beweglichkeit und korrigieren ungünstige Bewegungsabläufe. Ergotherapeuten und Ergotherapeutinnen beraten außerdem zu ergonomischem Arbeiten und hilfreichen Hilfsmitteln.
- Wenn trotz konsequenter Schonung und konservativer Behandlung längerfristig keine Besserung eintritt oder eine starke Einengung der Sehnenscheide vorliegt, kann ein kleiner operativer Eingriff notwendig sein. Dabei wird die verengte Sehnenscheide vorsichtig gespalten, sodass die Sehne wieder frei gleiten kann.
Verlauf und Vorbeugung: Wie lange dauert das und wie schützt du dich?
Wie lange eine Sehnenscheidenentzündung dauert, hängt stark vom Zeitpunkt der Behandlung und vom Ausmaß der Überlastung ab. Bei frühzeitigem Gegensteuern bessern sich akute Verläufe oft innerhalb weniger Tage bis Wochen. Wird der betroffene Bereich jedoch trotz Schmerzen weiter belastet oder liegt eine Grunderkrankung zugrunde, kann sich die Tendovaginitis über Monate hinziehen.
Du kannst selbst viel tun, um einer Sehnenscheidenentzündung vorzubeugen:
- Plane bei Computerarbeit oder monotonen Tätigkeiten regelmäßige Pausen ein,
- lockere Hände und Unterarme und
- achte auf eine ergonomische Haltung.
Im Sport sind langsames Steigern der Trainingsintensität, gründliches Aufwärmen und Dehnen sinnvoll. Ergonomische Werkzeuge und gut eingestellte Arbeitsplätze entlasten Sehnen und Gelenke zusätzlich.
Häufige Fragen zu Sehnenscheidenentzündung
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie e.V:Flyer Sehnenscheidenentzündung
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)|GI:Sehnenscheidenentzündung
- DocCheck Flexikon:Sehnenscheidenentzündung
- Apotheken Umschau:Sehnenscheidenentzündung: Ursachen, Beschwerden, Behandlung
Osteopathie: Leistungsplus der BIG
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