Angst nicht kleinreden
Für Menschen mit einer Angststörung sind die Gefühle und körperlichen Reaktionen real. Auch wenn du als Außenstehende oder Außenstehender erkennst, dass objektiv keine Gefahr besteht – für die betroffene Person fühlt sich die Situation völlig anders an. Oft hilft es bereits, zuzuhören. Betroffene möchten nicht immer sofort einen Ratschlag, manchmal brauchen sie zunächst jemanden, der ihre Situation versteht. Sätze wie „Du musst doch keine Angst haben“ oder „Denk einfach nicht darüber nach“ sind meist gut gemeint, helfen aber selten und können sogar das Gefühl vermitteln, nicht ernst genommen zu werden.
Hilfreicher sind Fragen wie:
- „Was macht dir gerade am meisten Angst?“
- „Was kann ich jetzt für dich tun?“
- „Möchtest du darüber sprechen, oder soll ich einfach bei dir bleiben?“
So bekommt die betroffene Person Unterstützung, ohne dass ihr vorgeschrieben wird, wie sie sich fühlen soll.
Wichtig zu wissen
Menschen mit Angststörung brauchen keine Vorwürfe und keinen Druck. Sie brauchen Verständnis, Geduld und – wenn sie bereit dafür sind – Unterstützung auf dem Weg zu professioneller Hilfe.
Vermeidung nicht dauerhaft erleichtern
Angst führt häufig dazu, dass bestimmte Situationen vermieden werden – vielleicht fährt die betroffene Person nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder geht nicht mehr zu Veranstaltungen. Dir kann es zunächst naheliegend erscheinen, diese Vermeidung zu erleichtern, etwa indem du die Person überallhin fährst oder unangenehme Situationen für sie übernimmst. Kurzfristig hilft das – langfristig kann es jedoch dazu beitragen, dass die Angst bestehen bleibt.
Das bedeutet nicht, dass du jemanden einfach „ins kalte Wasser werfen“ solltest. Der Umgang mit angstauslösenden Situationen sollte möglichst im Rahmen einer professionellen Behandlung erfolgen. Du kannst unterstützen, indem du Mut machst und kleine Schritte begleitest.
Bei einer Panikattacke ruhig bleiben
Eine Panikattacke kann sehr intensiv sein: Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern oder ein starkes Gefühl von Kontrollverlust. In diesem Moment hilft es, selbst möglichst ruhig zu bleiben, langsam zu sprechen und Sicherheit zu vermitteln. Geh, wenn möglich, gemeinsam mit der Person an einen ruhigeren Ort.
Hilfreiche Sätze sind zum Beispiel:
- „Ich bin bei dir.“
- „Du bist nicht allein.“
- „Wir warten gemeinsam, bis es wieder besser wird.“
Kennt die Person bereits Strategien aus einer Therapie, kannst du sie daran erinnern. Wichtig ist, nicht hektisch zu reagieren oder die Situation zusätzlich dramatisch wirken zu lassen.
Konkret unterstützen
Du kannst die betroffene Person zum Beispiel dabei unterstützen, einen Arzt- oder Therapietermin zu vereinbaren, bei der Suche nach einem Therapieplatz helfen oder sie zu einem Termin begleiten. Eine Angststörung selbst behandeln kannst du als Angehörige oder Angehöriger nicht – aber du kannst eine wichtige Stütze auf dem Weg sein.
Deine eigenen Grenzen kennen
Gleichzeitig solltest du auf deine eigenen Grenzen achten. Es ist nicht deine Aufgabe, jederzeit verfügbar zu sein oder jede Angst aus dem Weg zu räumen. Such dir bei Bedarf selbst Austausch oder Unterstützung – professionelle Hilfe kann für beide Seiten entlastend sein.
Quellen
- Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e. V.:Angststörungen
- Stiftung Gesundheitswissen:Angststörungen: Hilfestellungen für Angehörige
Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.