Modell des Frauensymbols mit einer Spritze und einem Skalpell

Gendermedizin: Frauen sind gesundheitlich oft benachteiligt

Sagt Ihnen die Bezeichnung Gendermedizin etwas? Zwar lässt sich erahnen, was mit dieser Fachrichtung gemeint ist, tatsächlich existiert sie aber noch gar nicht lange und macht deutlich, dass selbst auf dem Gebiet der Gesundheit noch immer keine Gleichberechtigung herrscht.

Obwohl man natürlich weiß, dass Frauen und Männer biologisch gesehen unterschiedlich sind und daher geschlechtsspezifisch behandelt werden müssten, haben vor allem Frauen in Gesundheitsfragen das Nachsehen. Wir stellen Ihnen im Folgenden vor, was Gendermedizin ist, wieso sie notwendig ist und welche Bereiche besonders wichtig sind.

Was ist Gendermedizin?

Eine geschlechtsspezifische Medizin berücksichtigt die Unterschiede von Frauen und Männern in Bezug zu verschiedenen Krankheiten. Dabei spielen biologische Unterschiede sowie soziokulturelle Unterschiede eine Rolle. Beide Bereiche beeinflussen sich je nach Geschlecht ganz unterschiedlich und erfordern daher eine geschlechtsspezifische Diagnose, Pathogenese (Entstehung und Entwicklung einer Krankheit), Therapie und Prävention von Erkrankungen.

Studium und Forschung

Lange Zeit stand ausschließlich der männliche Körper im Mittelpunkt des Medizinstudiums. Eine Umfrage des Deutschen Ärztinnenbundes (DÄB) aus dem Jahr 2016 ergab, dass geschlechtsspezifische Medizin an den medizinischen Fakultäten in Deutschland bislang nur unzureichend und sehr unterschiedlich gelehrt wird. Zudem wird bemängelt, dass auch die Medizinstudierenden selbst noch nicht offen genug für eine geschlechtssensible Medizin seien. Nähere Informationen zur Studie finden Sie beim Deutschen Ärzteblatt.

Auch in der Forschung werden beispielsweise Tests eines Wirkstoffes oft nur an männlichen Mäusen durchgeführt. Schlägt ein Wirkstoff nur bei weiblichen Mäusen gut an, spielt dieser für die weitere Entwicklung eines Medikaments gewöhnlich keine Rolle mehr. Von Medikamententests werden Frauen bis heute häufig ausgeschlossen. Die Gründe dafür seien beispielsweise Hormonschwankungen, die die Ergebnisse unbrauchbar machen könnten und gefährliche Risiken und Spätfolgen durch eine Schwangerschaft und Geburt eines Kindes.