Uterusatonie: Häufigste Ursache für Blutungen nach der Geburt

Letzte Aktualisierung: 09. Oktober 2026Lesezeit: 4 Minuten
Wenn ihr direkt nach der Geburt eures Kindes plötzlich Nachblutungen entwickelt, kann es sich um eine Uterusatonie handeln. Obwohl sie gar nicht so selten ist, ist die nachgeburtliche Komplikation kaum bekannt. Wir erklären euch, was hinter einer Uterusatonie steckt, welche Anzeichen auftreten können und wie sie behandelt wird.
Schwangere liegt im Krankenhausbett in den Wehen

Was ist eine Uterusatonie?

Gewöhnlich zieht sich die Gebärmutter nach der Geburt eures Kindes wieder zusammen, indem sich die Blutgefäße an der Stelle verschließen, an der zuvor die Plazenta saß. Dieser Vorgang schützt euren Körper somit vor übermäßigem Blutverlust. Bei einer Uterusatonie passiert genau das unzureichend bis gar nicht. Dadurch können die Blutgefäße offenbleiben und es kommt zu starken Blutungen, weshalb die Uterusatonie ein medizinischer Notfall ist.

Welche Ursachen hat sie?

Eine Uterusatonie kann verschiedene Ursachen haben. Oft kommen mehrere Faktoren zusammen, die die Fähigkeit der Gebärmutter beeinträchtigen, sich nach der Geburt ausreichend zusammenzuziehen.

Zu den häufigsten Ursachen zählen:

  • Überdehnung der Gebärmutter, beispielsweise durch Mehrlingsschwangerschaften
  • sehr großes Kind 
  • erhöhte Fruchtwassermenge (Fruchtwassersucht)
  • hohes Alter der Mutter 
  • sehr lange Geburten 
  • sehr schnelle Geburten 
  • Erschöpfung der Gebärmuttermuskulatur 
  • Uterusatonie bei vorherigen Geburten
  • Kaiserschnitt oder andere operative Eingriffe während der Entbindung 
  • Plazentareste in der Gebärmutter 
  • bestimmte Medikamente, die die Gebärmuttermuskulatur beeinflussen 
  • angeborene oder erworbene Gerinnungsstörungen 
  • Gebärmutterinfektionen (z. B Endometritis)
  • Myome

Wichtig ist außerdem, dass nicht jede Frau mit einem oder mehreren Risikofaktoren eine Atonie entwickelt. Dennoch achten Geburtshelfer*innen bei bekannten Risiken besonders aufmerksam auf mögliche Komplikationen während und nach der Geburt.

Welche Uterusatonie-Symptome gibt es?

Das auffälligste Symptom bei einer Uterusatonie ist eine ungewöhnlich starke Blutung nach der Geburt. Da der Blutverlust innerhalb kurzer Zeit massiv zunehmen kann, fällt dies dem medizinischen Personal zum Glück meist sofort auf. Zudem können weitere Beschwerden auftreten, die auf den hohen Blutverlust hindeuten.

Dazu gehören: 

  • Schwindel/Bewusstlosigkeit
  • Blässe
  • Herzrasen
  • ausgeprägtes Schwächegefühl
  • Kaltschweiß 

Welche Risiken birgt sie?

Eine unbehandelte Uterusatonie kann sehr gefährlich für die Mutter sein. Der größte Risikofaktor ist der massive Blutverlust, der innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Sinkt die Blutmenge im Körper stark ab, werden Organe und Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. In schweren Fällen kommt es zu einem Kreislaufschock, der eine intensivmedizinische Versorgung notwendig macht. 

Weitere mögliche Folgen und Maßnahmen:

  • Bluttransfusionen aufgrund des hohen Blutverlustes 
  • Störungen der Blutgerinnung 
  • Organfunktionsstörungen bei schwerem Schock 
  • operative Maßnahmen bis hin zur Entfernung der Gebärmutter (sehr selten)

Wie häufig ist eine Uterusatonie?

Die Uterusatonie tritt bei zwei bis acht Prozent aller Entbindungen auf und ist mit 75 Prozent die häufigste Ursache für Blutungen nach der Geburt (postpartale Hämorrhagie). Genau deshalb sind Geburtsstationen sehr gut auf Notfälle wie diesen vorbereitet.

Wie wird sie diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt in erster Linie anhand der klinischen Beobachtung direkt nach der Geburt. Dabei beurteilt das medizinische Team die Stärke der Blutung sowie den Zustand der Gebärmutter.

Wichtige Hinweise:

  • sichtbarer Blutverlust 
  • Tastbefund einer weichen und schlecht kontrahierenden Gebärmutter 
  • Blutdruckabfall 
  • erhöhter Puls 
  • Kreislaufprobleme 

Um verbliebene Plazentareste oder andere Ursachen für die Blutung – wie eine Gebärmutterruptur – sicher auszuschließen, kommen ergänzend Ultraschalluntersuchungen zum Einsatz. Über anschließende Blutuntersuchungen lässt sich zudem das genaue Ausmaß des Blutverlusts einschätzen und das Vorliegen möglicher Gerinnungsstörungen überprüfen. Da jede Minute zählen kann, erfolgt die Diagnostik meist parallel zur Behandlung.

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Wie wird eine Uterusatonie behandelt?

Die Behandlung zielt darauf ab, die Gebärmutter möglichst schnell zur Kontraktion anzuregen und den Blutverlust zu stoppen. Parallel erhält die Betroffene Flüssigkeit, gegebenenfalls Bluttransfusionen und eine engmaschige Überwachung der Vitalwerte. Wird eine Uterusatonie früh erkannt und konsequent behandelt, kann die Blutung in den meisten Fällen erfolgreich gestoppt werden. 

Spezielle Behandlungsmaßnahmen:

  • Entleerung der Harnblase (volle Blase kann Kontraktion der Gebärmutter behindern)
  • gezielten Massage der Gebärmutter über die Bauchdecke 
  • Medikamente zur Gebärmuttermuskulaturstimulation und zur Verstärkung der Kontraktionen (meist Uterotonika wie Oxytocin oder Prostaglandine)
  • Entfernung verbliebener Plazentareste oder vollständige Lösung der Plazenta, falls die Plazenta nicht vollständig ausgestoßen wurde und die Blutung dadurch verursacht wird.
  • spezielle Ballonsysteme zur Blutstillung
  • operative/gefäßverschließende Verfahren (in sehr schweren Fällen eine Entfernung der Gebärmutter)

Kann man einer Uterusatonie vorbeugen?

Vollständig verhindern lässt sich eine solche Atonie zwar nicht, durch gezielte Strategien lassen sich Risiken jedoch minimieren und Komplikationen rechtzeitig feststellen. Das Erfassen von Vorerkrankungen sowie potenziellen Risikofaktoren erfolgt durch Ärzt*innen und Hebammen bereits im Rahmen der regelmäßigen Schwangerschaftsvorsorge. Das medizinische Fachpersonal plant und überwacht die Geburt bei bekannten Risiken und ergreift falls notwendig nach der Entbindung klinische Maßnahmen, um die natürliche Kontraktion der Gebärmutter zu fördern und das Risiko starker Blutungen zu minimieren.

Verfasst von
BIG Redaktion

Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.