Warum ist Fruchtwasser wichtig?
Das Ungeborene schwimmt fast während der gesamten Schwangerschaft im Fruchtwasser, das mehrere lebenswichtige Aufgaben erfüllt:
- Es schützt das ungeborene Kind und die Nabelschnur vor Druck und Erschütterungen von außen und ermöglicht gleichzeitig ausreichend Bewegungsfreiheit für eine gesunde Entwicklung.
- Es hilft dabei, die Temperatur in der Gebärmutter konstant zu halten.
- Es trägt zur Reifung der Lunge und des Verdauungssystems bei.
Die Menge des Fruchtwassers verändert sich während der Schwangerschaft kontinuierlich. Erst wenn deutlich mehr Fruchtwasser vorhanden ist als normalerweise zu erwarten wäre, sprechen Ärztinnen und Ärzte von einer Polyhydramnie.
Übrigens: Das Fruchtwasser ist normalerweise klar bis leicht milchig, wobei in bestimmten Situationen auch grünes Fruchtwasser auftreten kann.
Was ist eine Fruchtwassersucht?
Eine Fruchtwassersucht bedeutet, dass die Fruchtwassermenge überdurchschnittlich groß ist und somit über den Normwerten liegt. Je nach Ausmaß wird dabei zwischen leichter, mittlerer und schwerer Polyhydramnie unterschieden. Leichte Formen verursachen häufig keine Beschwerden. In schweren Fällen kann sich die Gebärmutter durch die zusätzliche Flüssigkeit stärker ausdehnen, was zu körperlichen Beschwerden führen und das Risiko für Komplikationen erhöhen kann.
Welche Ursachen hat zu viel Fruchtwasser und wie häufig kommt es vor?
Eine Polyhydramnie tritt schätzungsweise bei etwa ein bis zwei Prozent aller Schwangerschaften auf* und ist somit sehr selten*. Leichte Formen kommen dreimal häufiger vor als schwere und in vielen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen. Fachleute sprechen dann von einer idiopathischen Polyhydramnie. Gerade bei leichteren Formen bleibt die Ursache häufig ungeklärt und die Schwangerschaft verläuft ohne größere Probleme.
Mögliche Ursachen bei der Mutter:
• vorbestehender Diabetes mellitus
• bestimmte Infektionen während der Schwangerschaft
• seltene Blutgruppenunverträglichkeiten
Mögliche Ursachen beim Kind:
• Fehlbildungen des Magen-Darm-Trakts
• Störungen des Schluckreflexes
• neurologische Erkrankungen
• Chromosomenveränderungen
• Herzfehler
• Mehrlingsschwangerschaften mit besonderen Komplikationen
Welche Risiken birgt eine Fruchtwassersucht?
Zu viel Fruchtwasser kann die Gebärmutter stark belasten. Dadurch steigt das Risiko für verschiedene Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen.
Mögliche Risiken:
• vorzeitige Wehen
• Frühgeburt
• vorzeitiger Blasensprung
• Lageanomalien des Kindes
• Nabelschnurvorfall (bei Blasensprung)
• erhöhte Atembeschwerden der Schwangeren
• stärkere Blutungen nach der Geburt
Welche Symptome hat man bei einer Fruchtwassersucht?
Wie schon erwähnt, verursacht eine leichte Polyhydramnie häufig kaum bis gar keine Symptome. Je mehr Fruchtwasser, desto eher könnt ihr Auffälligkeiten und Beschwerden haben. Entwickeln sich die folgenden Symptome innerhalb weniger Tage, klärt sie unbedingt in der Klinik oder Ambulanz ab.
Typische Anzeichen:
- ungewöhnlich schnell wachsender Bauchumfang
- Spannungsgefühl/Ziehen im Bauch
- Atemnot/Kurzatmigkeit
- Rückenschmerzen
- Druckgefühl im Beckenbereich
- geschwollene Beine
- vorzeitige Wehen
- Schwindel
Wie wird eine Polyhydramnie diagnostiziert?
Die Diagnose erfolgt in der Regel während einer routinemäßigen Ultraschalluntersuchung oder wenn ihr plötzlich Beschwerden habt. Dabei wird die Fruchtwassermenge mithilfe spezieller Messverfahren wie der Bestimmung des Fruchtwasserindexes beurteilt. Werte von mehr als 20 Zentimetern sprechen für eine Polyhydramnie. Alternativ kann auch das tiefste Fruchtwasserdepot gemessen werden. Liegt dieser Wert über acht Zentimetern, gilt die Fruchtwassermenge ebenfalls als erhöht. Ein weiteres Verfahren ist die Bestimmung des Zwei-Durchmesser-Fruchtwasserdepots, bei dem Werte von mehr als 50 Quadratzentimetern auf zu viel Fruchtwasser hindeuten. Im Anschluss folgen oft weitere Untersuchungen, um mögliche Ursachen zu finden.
Dazu gehören:
- detaillierte Ultraschalluntersuchungen eures Babys
- Blutzuckertests zur Abklärung einer Schwangerschaftsdiabetes
- Blutuntersuchungen
- Infektionsdiagnostik
- gegebenenfalls genetische Tests

Hallo Baby – Frühgeburtenscreening und wichtige Tests für eine gesunde Schwangerschaft und Geburt
Mit einer frühzeitigen Vorsorge lassen sich viele Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen sowie Spätfolgen vermeiden. Mit unserem Vorsorgeprogramm Hallo Baby unterstützen wir euch dabei. Dieses umfasst ein Infektionsscreening in der 13. bis 20. Schwangerschaftswoche sowie zwei weitere Tests.
Wie wird eine Fruchtwassersucht behandelt?
Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache (sofern eine gefunden wird), dem Schwangerschaftsverlauf und dem Ausmaß der Beschwerden. Nicht jede Polyhydramnie erfordert eine aktive Therapie. Bei milden Formen reichen häufig engmaschige Kontrollen aus. Liegt beispielsweise eine Schwangerschaftsdiabetes vor, kann eine verbesserte Blutzuckereinstellung dazu beitragen, die Fruchtwassermenge zu normalisieren. Regelmäßige Ultraschallkontrollen überwachen dabei die Entwicklung.
Bei ausgeprägten Beschwerden oder sehr hohen Fruchtwassermengen kann eine Fruchtwasserpunktion durchgeführt werden. Dabei wird mithilfe einer dünnen Nadel unter Ultraschallkontrolle überschüssiges Fruchtwasser aus der Fruchtblase entnommen. Diese Fruchtwasserentlastung kann den Druck auf die Organe wie das Zwerchfell lindern und Risiken senken. Zusätzlich prüfen Ärztinnen und Ärzte fortlaufend, ob Anzeichen für vorzeitige Wehen oder andere Komplikationen bestehen. Je nachdem, wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten ist und welche Risiken bestehen, kann beziehungsweise muss in seltenen Fällen die Geburt eingeleitet werden.
Quellen
- *NIH:Polyhydramnios
- MSD Manual:Polyhydramnion
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