Warum ist das Abtasten der Brust wichtig?
Viele Brustveränderungen werden von Betroffenen selbst und oft zufällig beim Duschen, Eincremen oder bewusst beim Abtasten entdeckt. Bewusstes Abtasten fördert euer daher euer Körperbewusstsein und kann helfen, Veränderungen früher wahrzunehmen. Dazu zählen Knoten, Hautunregelmäßigkeiten, Einziehungen und Sekret.
Ab wann sollte man die Brust selbst abtasten?
Grundsätzlich könnt ihr damit beginnen, eure Brust abzutasten, sobald sich das Brustgewebe vollständig entwickelt hat. Viele Fachleute empfehlen, spätestens ab etwa 20 Jahren damit anzufangen. In diesem Alter geht es vor allem darum, ein Gefühl für das eigene Brustgewebe zu entwickeln und zu lernen, was sich für den eigenen Körper normal anfühlt. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Brustkrebs, besonders ab etwa 50 Jahren.
Wie oft sollte man die Brust abtasten?
- Frauen vor den Wechseljahren Wenn ihr einen regelmäßigen Zyklus habt, ist der beste Zeitpunkt etwa eine Woche nach Beginn der Periode. In dieser Phase ist das Brustgewebe hormonell weniger verändert und weicher, was das Ertasten erleichtert.
- Frauen nach den Wechseljahren Nach den Wechseljahren richtet ihr euch am besten nach einem festen Termin im Monat – z. B. immer am gleichen Kalendertag. So vergesst ihr das Selbstabtasten seltener und könnt eine Veränderung zügig ärztlich abklären. Etwa einmal im Monat ist ein gutes Intervall für das Selbstabtasten.
Brust selbst abtasten: So funktioniert's!
Ein systematisches Vorgehen hilft euch, alle Bereiche gründlich zu prüfen.
- 1
Sichtkontrolle
Stellt euch vor einen Spiegel:
• Schaut auf Form, Größe, Symmetrie und Hautoberfläche.
• Hebt die Arme über den Kopf.
• Achtet auf Einziehungen, Rötungen oder Veränderungen der Brustwarze. - 2
Abtasten im Stehen
• Nehmt eure rechte Hand für die linke Brust und umgekehrt.
• Mit Zeige-, Mittel und Ringfinger in kleinen kreisenden Bewegungen das Gewebe systematisch von außen nach innen abtasten.
• Arbeitet mit verschiedener Druckstärke (leicht, mittel, fest).
• Vergesst nicht, auch die Achselhöhlen und den Bereich um das Schlüsselbein zu fühlen.
• Zusätzlich könnt ihr die Brustwarze sanft zusammendrücken, um ungewöhnliche Absonderungen zu erkennen oder auszuschließen. - 3
Abtasten im Liegen
Legt euch auf den Rücken und legt ein kleines Kissen unter die Schulter der Seite, die ihr untersucht. Das glättet das Brustgewebe und macht tiefer liegende Bereiche besser tastbar. Tastet die Brust anschließend mit derselben Technik wie im Stehen einschließlich Achselhöhle ab.
Wieso auch Männer ihre Brüste abtasten sollten
Auch wenn Brustkrebs bei Männern selten ist, kommt er vor und wird oft erst spät entdeckt, weil viele Männer es nicht wissen oder nicht daran denken. Monatliches Abtasten eurer Brust, wie bei Frauen, kann euch helfen, ungewöhnliche Knoten oder Veränderungen wahrzunehmen. Achtet ebenfalls besonders auf tastbare Knoten, Schwellungen, Schmerzen, Einziehungen der Haut oder ungewöhnliche Flüssigkeit aus der Brustwarze. Die Technik ist identisch: systematisch, mit kreisenden Bewegungen, inklusive der Achselhöhlen.
Bonusprogramm BIGtionär
Wie fühlt sich Brustkrebs an?
Eine beruhigende Nachricht: Nicht jede tastbare Veränderung ist Krebs – viele Veränderungen sind gutartig.
Das sind die Unterschiede:
- Zysten:meist weich bis gummiartig und relativ gut verschiebbar.
- Mastopathie (fibrozytische Veränderungen):oft knotig oder unregelmäßig und hormonell bedingt, häufig mit zyklusabhängigen Schwankungen.
- Brustkrebs:häufig hart, unregelmäßig, nicht gut verschiebbar und kann mit Hautveränderungen, Einziehungen und/oder ungewöhnlicher Flüssigkeitsabsonderung einhergehen.
Diese Merkmale können Hinweise geben, erlauben aber keine sichere Diagnose, denn: Auch gutartige Veränderungen können sich fest anfühlen. Umgekehrt können manche Tumore auch weich sein oder sich zunächst unauffällig anfühlen. Ob eine Veränderung gutartig oder bösartig ist, lässt sich nur durch eine ärztliche Untersuchung klären. Wichtig ist das Bewusstsein über das „normale“ Ausgangsgefühl eurer Brust, um jede Form der Veränderungen zuverlässiger zu erkennen.
Wann zum Arzt und welche Untersuchungsmethoden gibt es?
Wenn ihr beim Abtasten etwas entdeckt, was neu beziehungsweise auffällig ist – zum Beispiel hartnäckige Knoten, sichtbare Einziehungen, Hautveränderungen oder Flüssigkeit aus der Brustwarze – dann sucht zeitnah ärztlichen Rat.
Ärztliche Untersuchungsmethoden:
Klinische Untersuchung:
Frauenärzt*in tastet Brust und Achselhöhlen ab, wie sie es auch bei der jährlichen Brustkrebsvorsorgeuntersuchung bei Frauen ab 30 Jahren macht. Zusätzlich übernimmt die BIG übrigens einmal jährlich die Vorsorgeuntersuchung Discovering Hands für euch!
Ultraschall (Sonographie):
Dient dazu, zwischen flüssigkeitsgefüllten Zysten und festen Strukturen zu unterscheiden.
Mammographie:
Röntgen der Brust, vor allem im Screeningprogramm ab 50 Jahren sehr etabliert und natürlich immer, wenn Veränderungen festgestellt werden.
Biopsie:
Gewebsentnahme zur abschließenden Diagnose, wenn eine Veränderung auffällig ist.
Selbstabtasten der Brust als Ergänzung zur ärztlichen Brustkrebsvorsorge
Das regelmäßige Selbstabtasten der Brust ist ein wichtiger Baustein eurer Gesundheitsvorsorge. Es ersetzt nicht die ärztlichen Untersuchungen, unterstützt euch aber dabei, Veränderungen im besten Fall früh zu bemerken, ärztlich abzuklären und Brustkrebs in einem frühen Stadium erkennen und behandeln zu können.
Quellen
- *RKI:Zentrum für Krebsregisterdaten
- Deutsche Krebshilfe:Gemeinsam gegen Krebs
- Leitlinienprogramm Onkologie:Programm
Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.