Looksmaxxing: Attraktivität auf Biegen und Brechen

Letzte Aktualisierung: 14. Oktober 2026Lesezeit: 4 Minuten
TikTok hat seit einiger Zeit einen Trend, der Millionen Views und Anhänger mit sich bringt: Looksmaxxing! Was wie ein harmloser und oberflächlicher Selbstoptimierungshype bei jungen Männern klingt, entpuppt sich schnell als gefährliches Vorhaben, das auf rassistischen Idealen aus der Manosphere- und Incel-Szene beruht. Wir erklären euch, was es damit auf sich hat!
Junger Mann checkt seine Frisur vorm Spiegel

Was ist Looksmaxxing?

Looksmaxxing erlebt derzeit durch TikTok und Instagram einen großen Boom. Es beruht darauf, dass vornehmlich junge Männer alles versuchen, ihr eigenes Aussehen und ihre Attraktivität maximal zu optimieren, um mehr Chancen bei Frauen und generell mehr Erfolg und Anerkennung im Leben zu bekommen. Nicht zuletzt, weil Studien zeigen, dass attraktivere Menschen erfolgreicher und vertrauensvoller wirken. Hierbei spricht man auch vom Halo-Effekt — eine sozialpsychologische, kognitive Verzerrung: wenn man beispielsweise eine Person aufgrund ihrer Attraktivität als intelligent ansieht.

Soft- und Hardmaxxing

Außerdem wird zwischen Soft- und Hardmaxxing unterschieden:

Softmaxxing steht für klassische Optimierungen wie Muskelaufbau und Fitness, Frisur, Hautpflege, Kleidung und Ähnliches.

Hardmaxxing steht für größere und zum Teil gefährliche und teure körperliche Eingriffe wie Anabolika (um Muskeln aufzubauen), chirurgische Eingriffe (z. B. Nasen- und Kieferkorrekturen bis hin zu Beinverlängerungen) und Praktiken, bei denen sich Jungen oder Männer sogar selbst verletzen.

Zwei Hardmaxxing-Beispiele:

Mewing bezeichnet hierbei z. B. den noch harmlosen Versuch, durch das Pressen der Zunge gegen den Gaumen eine kantigere Kieferform zu bekommen, was wissenschaftlich allerdings nicht bewiesen ist.

Richtig gefährlich und schmerzhaft wird es beim Bone Smashing: Hierbei schlägt sich der Mann oder Junge mit einem Hammer bewusst auf beispielsweise die Wangenknochen, um mithilfe dieser Verletzungen stärkere und markantere Knochen zu bekommen. Dass solche Praktiken enorme gesundheitliche Risiken bergen, scheint keine Rolle zu spielen.

Auch das Pheromone Maxxing zählt zur Manosphere- und Looksmaxxing-Szene.

Vater und Sohn spielen Gitarre

Kinder- und Jugendvorsorge

Regelmäßige U-Untersuchungen tragen dazu bei, körperliche und psychische Krankheiten und Entwicklungsstörungen möglichst frühzeitig zu erkennen und die Gesundheit eures (jugendlichen) Kindes zu schützen. Für Teenager von 12 bis 14 Jahren übernimmt die BIG die Kosten für die J1 und für Jugendliche von 16 bis 17 Jahren gehört die J2 als Leistungsplus bei der BIG ebenfalls dazu. 

Das passiert bei der Kinder- und Jugendvorsorge

Woher stammt Looksmaxxing?

Looksmaxxing gibt es seit den 2010er Jahren. Die Manosphere und Incel-Szene teilt neben frauenfeindlichen (misogynen) und dominanten Ansichten auch die Auffassung, dass ein Mann sich vor allem über äußerliche Attraktivität und Stärke definiert. Manosphere-Männer sind somit eine Gefahr für Frauen und Mädchen, sowie für sich selbst. Neben ihren frauenfeindlichen, gewaltverherrlichenden und sexualisierenden Ansichten spielt außerdem rassistisches Denken eine große Rolle. Helle Haut, blondes Haar und blaue Augen gelten hier oft als Ideal. Und dem nicht genug, werden Looksmaxxing-Reels auch noch öffentlich und beleidigend bis hasserfüllt anhand der PSL-Attraktivitäts-Skala* benotet (geratet) und Anhängern darüber mitgeteilt, ob sie Chancen bei Frauen und Erfolg im Leben haben oder nicht. 

*PSL steht für die Online-Foren PUAHate, SlutHate und Lookism.net.

Unterschieden wird bei der PSL-Looksmaxxing-Skala zwischen:

  • Adonis – fast unerreichbares Ideal
  • Chad – Idealbild
  • Chadlite – sehr attraktiv, aber noch nicht ganz perfekt
  • High-tier normie (HTN) – überdurchschnittlich attraktiv
  • Mid-tier normie (MTN) – durchschnittlich
  • Low-tier normie (LTN) – unterdurchschnittlich
  • Subhuman – extrem abwertende Kategorie für ein angeblich sehr unattraktives Aussehen, das auch mit Looksmaxxing niemals genügen würde. 

Für Frauen wurde innerhalb dieser misogynen Szene ebenfalls eine Skala festgelegt, die sich z. B. Becky, High Becky, Stacy und True Eve schimpfen.

Dass die Looksmaxxing-Szene hochgradig gefährlich ist, zeigt derzeit der Fall eines 20-jährigen und weltweit bekannten Looksmaxxing-Influencers aus den USA, der unter anderem wegen Vergewaltigung und Drugging (Verabreichung von Betäubungsmitteln, um sein Opfer gefügig zu machen) einer Minderjährigen angeklagt wurde.

In welchem Alter ist die Looksmaxxing-Szene durchschnittlich?

Da es bislang keine exakten wissenschaftlichen Erhebungen dazu gibt, kann man derzeit nur auf interne Community-Befragungen zurückgreifen. Auf einer bekannten Looksmaxxing-Plattform waren 2025 etwa 62 Prozent unter 18 und weitere 28 Prozent zwischen 18 und 20. Damit waren rund 90 Prozent der jungen Männer unter 21 Jahren alt. Wissenschaftler*innen betonen daher, dass speziell Teenager vor dem manipulativen Einfluss der Manosphere und der Incel-Szene geschützt werden müssen.

Medienkompetenz und psychische Gesundheit bei Jungen und Männern fördern

Da Looksmaxxing in erster Linie auf Pseudowissenschaft beruht und es hierbei weder um harmlose Veränderungen noch um konstruktive Kritik und ein gesundes Männerbild geht, wird dieser Trend von Expert:innen als hoch gefährlich angesehen. Es könne bereits genügen, wenn ein Junge oder junger Mann unzufrieden mit seinem Aussehen und daher verunsichert ist. Auch der Algorithmus macht es Männern einfach, diesem Trend zu verfallen. Schaut man(n) sich z. B. schnelle Autos und Fitnessvideos an, sind Looksmaxxing Reels nicht mehr weit. Umso wichtiger ist es, dass Jungen und Männer ausreichend Medien- sowie sozial-emotionale Kompentenzen entwickeln, um ihren Selbstwert und ihr Selbstbewusstsein nicht abhängig von pseudowissenschaftlichen, oberflächlichen und rassistischen Optimierungstipps zu machen und umgekehrt andere ebenfalls nicht danach zu bewerten. Auch eine Erziehung, die auf Gleichberechtigung und Feminismus beruht, bewahrt Jungen und Männer vor diesen Gefahren und Frauenhass. Vor allem die psychische Gesundheit kommt bei ihnen häufig zu kurz. Und es steht außer Frage, dass Looksmaxxing Unsicherheiten und psychische Erkrankungen wie Depressionen, Ängste, Essstörungen und Fitnessucht weiter verstärkt.

Junges Mädchen spricht mit ihrer Mutter über ihre Sorgen
mentalis CareNow
Junge Menschen haben es nicht leicht: In der Schule wächst der Druck, sie erleben sozialen und geschlechtsspezifischen Stress, fürchten den Klimawandel oder sind auf der Suche nach der eigenen Identität. Gerade Jungen und Männer tun sich schwer damit, psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Da Therapieplätze Mangelware sind, bietet euch die BIG für Jugendliche zwischen 13 und 21 Jahren die kostenlose Soforthilfe mentalis CareNow per App und Telefon an.
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