Wimpernserum mit Hormonen: Vorsicht vor Prostaglandin-Analoga

Letzte Aktualisierung: 07. Juli 2026Lesezeit: 4 Minuten
Lange, dichte Wimpern gelten als Schönheitsideal, weshalb ein Wimpernserum mit Hormonen beiehungsweise hormonähnlichen Wirkstoffen immer beliebter wird. Schließlich versprechen diese Seren schnelle und deutlich sichtbare Ergebnisse. Doch es gibt einen Haken: Seren mit Prostaglandin-Analaoga wirken nicht nur kosmetisch, sondern beeinflussen biologische Prozesse im Körper. Genau deshalb ist es wichtig, Wirkung, Inhaltsstoffe und Risiken zu kennen und wenn möglich zu vermeiden.
Frau benutzt Wimpernserum

Was ist ein Wimpernserum mit Hormonen?

Ein hormonhaltiges Wimpernserum enthält meist sogenannte Prostaglandin-Analoga oder verwandte Wirkstoffe. Diese synthetischen Substanzen ähneln körpereigenen Botenstoffen und stammen ursprünglich aus der Augenheilkunde.

Dort wurden sie eingesetzt, um den Augeninnendruck zu senken. Der grüne Star zählt zu den acht häufigsten Augenkrankheiten. Im Rahmen dieser medizinischen Anwendung wurde als Nebenwirkung ein verstärktes Wimpernwachstum beobachtet. 

Erkennbar sind die Substanzen an dem Wortteil „prost“:

  • Bimatoprost
  • Norbimatoprost
  • Methyldihydronoralfaprostal
  • Cloprostenol-Isopropylester
  • Dechloro-Dihydroxy-Difluoro-Ethyllprostenolamid

Wie wirken hormonhaltige Wimpernseren genau?

Der natürliche Wimpernzyklus besteht aus drei Phasen: Wachstumsphase, Übergangsphase und Ruhephase. Die Länge der Wimpern wird ausschließlich in der Wachstumsphase bestimmt.

Prostaglandin-ähnliche Wirkstoffe verlängern diese Phase deutlich. Dadurch befinden sich mehr Wimpern gleichzeitig im Wachstum, während weniger Haare ausfallen.

Zusätzlich kann sich die Haarstruktur verändern:

  • Wimpern wirken dunkler.
  • Sie erscheinen dichter.
  • Sie bleiben länger am Lidrand.

Diese Wirkung hält jedoch nur während der Anwendung an. Nach dem Absetzen kehrt der natürliche Zyklus zurück und die Wimpern nehmen wieder ihren ursprünglichen Zustand an.

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Mögliche Nebenwirkungen von Wimpernseren mit Hormonen

Da die Anwendung direkt am Auge erfolgt, können Nebenwirkungen besonders relevant sein. 

Zu den häufig beschriebenen Reaktionen gehören:

  • Rötungen, Brennen oder Juckreiz am/im Auge
  • trockene oder tränende Augen
  • Reizungen der Bindehaut
  • Entzündungen am Lidrand
  • erhöhte Lichtempfindlichkeit
  • dunklere Haut am Lidrand
  • verstärktes Haarwachstum außerhalb der Wimpernlinie
  • Pigmentveränderungen der Iris

Risiken vor allem bei täglicher Anwendung

Ein zentraler Risikofaktor ist die tägliche Anwendung von Wimpernseren. Da die Produkte direkt am Augenlid aufgetragen werden, kann es leicht zu Kontakt mit dem Auge kommen. Eine zu großzügige Dosierung erhöht die Wahrscheinlichkeit für Reizungen oder Entzündungen.

Eine häufige Anwendung mit Bimatoprost kann dazu führen, dass bei einer Augenerkrankung Medikamente zur Senkung des Augeninnendruckes nicht mehr wirken.

Kritik an Wimpernseren mit Prostaglandin-Analoga

Expert*innen kritisieren Wimpernseren mit Prostaglandin-Analoga. Beispielsweise weil einzelne Produkte eher als Arzneimittel einzuordnen wären, obwohl sie als Kosmetik verkauft werden.

Kritisch ist außerdem die fehlende Transparenz bei den Inhaltsstoffen. Teilweise sind die verwendeten Wirkstoffe nicht eindeutig gekennzeichnet, sodass Verbraucher*innen die tatsächlichen Risiken nicht einschätzen können.

Ein weiterer Punkt ist die Anwendung: Da die Nutzung zu Hause erfolgt, lässt sich die Dosierung nicht genau kontrollieren. Dadurch kann es leichter zu einer Überanwendung oder zum Kontakt mit dem Auge kommen.

Wimpernseren mit Prostaglandinen werden nicht als reine Kosmetik eingestuft, da sie aktiv in körpereigene Prozesse eingreifen. Aufgrund dieser pharmakologischen Wirkung gelten sie gemäß Arzneimittelgesetz rechtlich als sogenannte Funktionsarzneimittel und müssen entsprechend von den zuständigen Behörden zugelassen werden. In einigen Fällen enthalten solche Produkte sogar höhere Wirkstoffkonzentrationen als vergleichbare, bereits zugelassene medizinische Augentropfen.

Für wen sind hormonhaltige Wimpernseren ungeeignet?

Bestimmte Gruppen sollten besonders vorsichtig sein oder ganz auf die Anwendung verzichten:

  • Schwangere und stillende Personen (wenn überhaupt nur nach ärztlicher Absprache)
  • Personen unter 18 Jahren (Produkt unbedingt vor Kindern wie Medikamente auch wegschließen)
  • Menschen mit empfindlichen Augen
  • Personen mit chronischen Augenreizungen oder Erkrankungen (vor allem bei erhöhtem Augeninnendruck)
  • Kontaktlinsenträger*innen

Gibt es sichere Alternativen?

Hormonfreie Wimpernseren gelten als risikoärmere Alternative, da sie nicht in den Haarzyklus eingreifen. Sie enthalten meist pflegende Inhaltsstoffe wie Peptide, Biotin, pflegende Öle (z. B. Rizinusöl oder Arganöl) und natürliche Lash-Booster wie Koffein. Diese Produkte können die Wimpern stärken und optisch verbessern und bergen bei guter Verträglichkeit keine Risiken.

Auch kosmetische Methoden wie Wimpernlifting oder Färben können eure Wimpern in Szene setzen, ohne hormonähnliche Wirkstoffe einzusetzen. Mehr Tipps für die Hautpflege im Sommer.

Orientiert euch an Inhaltsstoffen und Verbraucherschutztests

Selbst wenn auf dem Produkt der Slogan „ohne Hormone“ steht, können die oben genannten Prostaglandin-Analoga enthalten sein. Schaut euch daher vor dem Kauf unbedingt die Inhaltsstoffe genauer an. Auch Dufstoffe, Parabene, Mineralöle und Silikone gehören nicht in ein hochwertiges Wimpernserum. Denkt immer daran: Eure Augen sind sehr sensibel und ihr habt nur diese beiden. 

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Alle Infos

Quellen

  1. LGL Bayern:
    Zum Weiterlesen
  2. Bundesinstitut für Risikobewertung:
    Sitzung der BfR-Kommission für kosmetische Mittel
  3. Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe:
    Der perfekte Aufschlag
Verfasst von
BIG Redaktion

Die BIG-Gesundheitsredaktion verbindet journalistisches Know-how mit medizinischem und kommunikativen Fachwissen.